Die Aufgabe der 7. Schreibaufgabe lautete:
Gründen Sie eine Schreibgruppe
Hier sind die besten Beiträge:
Eines Morgens wartete ein Zettel auf unserem Küchentisch, halb in eine Kakaopfütze platziert. Verschlafen rettete ich ihn vor dem Tod durch Ertrinken, legte ihn auf die Heizung und brachte mit einer Tasse Kaffee mein Gehirn in Schwung. Das bald darauf getrocknete Stückchen Papier konfrontierte mich mit krakeliger Schrift. „Libe Ana, wilst duh mit mia sreiben lern? daine Lina.“ Mein schallendes Gelächter füllte die Küche. Vater steckte den Kopf zur Tür hinein, Verwunderung in seinen traumschweren Augen. Ich hielt ihm den Brief hin, er las schweigend und zückte einen Stift. „Sehr geehrte Freundin Anna“, schrieb er darunter, „ich plane, in Kürze einen Schreibgruppe zu gründen, und würde dich als Mitglied sehr begrüßen. Mit freundlichen Grüßen Lina.“ Nun konnte ich mich vor Lachen nicht mehr auf dem Stuhl halten, krallte mich an der Tischkante fest und schnappte nach Luft. Mein Vater reagierte gekränkt, gab jedoch schließlich zu: „Hm, vielleicht ein wenig zu formell.“ Ich nickte nur. Der Stift zappelte in meiner Hand, die Streberin in mir war erwacht. Sorgfältig korrigierte ich Linas Worte, schrieb die richtigen Buchstaben darüber und betrachtete zufrieden mein Werk.
Da platze Lina in die Küche. Ihre flinken Augen hatten sofort unsere Schandtat an ihrem stolzen Brief begriffen und sie heulte wütend auf. „Lina, du musst wirklich noch viel lernen, vor allem schreiben“, sagte ich streng. Sie warf mir einen bitterbösen Blick zu, entriss mir den Zettel und verschwand unter Tränen.
Carla Ruhrmann
Sie betritt den langen dunklen Gang der zu ihrem Raum führt.
Er ist wie üblich vorbereitet. Eine Flasche Wasser und jeweils vier Gläser die auf den schmucklosen viereckigen Seminartischen bereit stehen.
Seit einiger Zeit treffen sie sich regelmäßig einmal die Woche in dem Tagungshotel um über ihre Sorgen und Probleme zu reden. Sie freut sich schon darauf die vertrauten Gesichter zu sehen. Selten sind Selbsthilfegruppen so gut aufeinander abgestimmt wie diese.
Auch heute ist sie die erste und bereitet den geplanten Gesprächsinhalt, mit Kopien die sie auf den Tischen verteilt, vor.
Nach und nach treffen die anderen Mitglieder ein.
Vor Monaten haben sie sich über ein Internetforum gesucht und gefunden. Das Thema heute sollten „Tränen“ sein. „Weint ihr?“ und „Was passiert dann?“
Nach kurzer Zeit scheint sich das Thema zu ändern. Anscheinend besteht ein stillschweigendes Übereinkommen lieber über etwas anderes sprechen zu wollen. Einer der Teilnehmer erzählt, das es ihm hilft Tagebuch zu führen. Ein anderer springt darauf an und erzählt, dass er schon mehrere Anekdoten über sein Leiden verfasst habe. Und wieder ein anderer bricht dann unter Lachen hervor, dass es ihm zwar peinlich sei, er aber sogar Gedichte über sich geschrieben habe.
Kurzum, alle hatten alle noch viel mehr gemeinsam als sie anfangs ahnten.
Inzwischen treffen sie sich zwei mal die Woche, um als Schreibgruppe die Probleme eines Schriftstellers gemeinsam zu bearbeiten.
Selbsthilfegruppen können sich auch selbst helfen!
Sabrina Bender
Fast die ganze Nacht habe ich nicht geschlafen. Schreibgruppen gibt es sehr viele. ich wollte eine besondere Schreibgruppe gründen. Von der fast schlaflosen Nacht habe ich Kopfschmerzen. Ich brauche jetz einen starken kaffe. Eine multikultuelle Schreib und Malgruppe für Menschen mit handicap schwerpunkt Epilesie und Lernbehinderung und auch für einfache gesunden Menschen.
am nächstn morgen ging ich geich zur kiss in stuttgart die waren begeister von der idde. es wurde einTermin mit dem radio ausgemacht. Fyler wurden gedruckt und ausgeteilt. Im internet konnt man die einladung lesen.
Ich bekam einen anruf von der stuttgarter zeitung ob ein Reporter bei dm ersten treffen dabei sein dar. Nur mit der ich war ganz aufgereg heute wares kaum eine woche her wo ich die Idee hatte. Schon das erste treffen.Es waren fast 50 teilnehmer im altler von 20 bis 70. darunter 20 lernbehinderte 10 davon aus verschiedenen Ländern. es waren zehn epilesiekranke teilnehmer darunter.es waren auch 5 einfache teilmehmer dabei die sich freuten das auch ihnen aufmerksamkeit geschenkt wurde.
nach einer kurzen begrüssung fragte ich ob der Reporter bleiben darf. sie sagten ja. wir fingen an mit gedichten und zu den gedichten wurde gemalt: Es entstanden schöne texte und bilder.
britta khokhar
Hausmeister Erich R. hörte aus dem Obergeschoss blechernes Getöse und ging hinauf um nachzusehen, obwohl sich bei ihm ein dringender Stuhlgang ankündigte.
Im Raum für Arbeitsgruppen fand er einen langhaarigen Penner, der sich gerade von seiner Lagerstatt inmitten leerer Bierdosen erhob.
„Was machen Sie hier?“, bellte er ihm entgegen.
„Einen guten Eindruck.“, kam muffig zurück, während Dankwart P. seinen Trenchcoat ausschüttelte. „Ich bin der Referent für die Autorengruppe, die hier gleich stattfindet.“
„Ach so?“, erwiderte Erich irritiert, „Und dazu mussten sie hier campieren?“
„Ja, mein Verleger besteht darauf, dass ich…puuhh! Mann, waren SIE das?“, kommentierte er vorwurfsvoll den eindeutigen Gestank und ließ sich auf einen Stuhl fallen.
„Ich…habe noch zu tun.“, brummte der Ertappte und trollte sich.
„GUTEN MORGEN!“, krähte wenig später eine dürre Endvierzigerin, die braungebrannt in einem bunten Kleid hereingeweht kam. Emsig hin und her kramend verströmte die Kursleiterin eine nervende Hektik.
„Wollen wir mal lüften?“, fragte sie mit bösem Blick zu Dankwart und stöckelte (tick-tack-tick-tack) zum Fenster.
„Das war der Hausmeister.“, sagte er müde, wohl wissend, dass sie ihm nicht glauben würde, und öffnete sich ein Bier zum Frühstück.
Bald füllte sich der Raum mit weiteren Teilnehmern („Hallo, ich bin der Udo!“), die frisch geduscht und gefönt erwartungsfroh den eröffnenden Worten des bemüht lächelnden Grillhuhns entgegenfieberten:
„Seid gegrüßt, Ihr Helden der Schrift!“
Dankwart überlegte kurz, ob dies der passende Zeitpunkt sei, um sich spontan zu übergeben, während Erich R. ohne zu wissen ein Objekt von erlesener Ästhetik schuf, das aber leider niemand zu Gesicht bekam, weil er sogleich die Klospülung betätigte.
Artus Daniel-Hoerfeld
Da ich mich bei SchreibStar gut aufgehoben fühlte, war ich völlig entsetzt zu erfahren, dass dies die letzte Aufgabe sein soll.
Ich bin jedoch nicht gewillt, mich von dieser Seite zu verabschieden, da ich mich inzwischen zu sehr daran gewöhnt habe, heitere, traurige, spannende und interessante Kurzgeschichten zu lesen.
Also beschloss ich, mich der großen Herausforderung zu stellen und um SchreibStar zu kämpfen.
Ich bin sehr glücklich, mitteilen zu können, dass wir uns nach harten Verhandlungen und schlaflosen Nächten einig geworden sind.
SchreibStar bleibt weiterhin bestehen, so wie wir es mittlerweile gewohnt sind. Nach wie vor werden im bekannten Rhythmus neue Aufgaben gestellt werden, die besten Beiträge weiterhin veröffentlicht.
Mit Freude sehe ich zahlreichen Einsendungen entgegen und danke allen, die dazu beigetragen haben, diese Schreibgruppe aufrecht zu halten.
Jutta Wölk
Du … du …. du und du … ja, du … schau nicht verschämt zur Seite … dich meine ich. Ich weiß, dass du schreibst. Hab deinen Blog „Schreibplapper.de“ schon oft besucht. Froschige Blätter … na wenn das mal keine innovative Idee ist. Eine Ausdruck zwischen Genialität und Absurdität.
Mach mit! Setz dich mit an unseren Schreibtisch. Unseren? Ja, ich gründe eine Schreibgruppe. Nicht für mich allein. Für uns. Hier können wir gemeinsam an unseren Sätzen feilen und Neues erarbeiten.
Deine Gedicht, ja genau dich meine ich, „reim oder ich fress dich“. Nein, alle sind nicht so. Viel schöne Poesie blitzt durch manchen Vers. Komm! Mach mit! Zeig uns deine Gedankengänge! Lass uns gemeinsam über Versmaß, Haiku und Stabreim diskutieren. Meinetwegen auch über Limmericks.
Wie wär’s wollen wir nicht gemeinsam eine Anthologie herausbringen? Unsere Schreibtisch-Anthologie? Du schreibst die Gedichte und wir die Geschichten. Ist das nicht eine prima Idee?
Ich sehe schon unsere Homepage vor mir: Die Literaten-Schwestern.
Seid nicht so träge. Gemeinsam schreibt’s sich’s besser. Glaubt es mir. Wir werden uns fetzen, diskutieren, schwadronieren, quasseln, dummes Zeug reden, vielleicht auch kluges, palavern, labern, schnattern und – wir werden tolle Texte schreiben. Gemeinsam.
Petra Wilhelmi
„Gründen Sie eine Schreibgruppe“. Nur diese Aufforderung steht in diesem Mail. Eben rein gekommen. Ohne erkennbaren Absender. Seltsam. Als hätte ihr Netbook ihren geheimsten Wunsch erraten. Sie wollte doch schon immer mit andern zusammen schreiben. Geschichten diskutieren, austauschen. Silvias
Blick fällt auf den Kalender. 17. Juni. Genau. Vielleicht sollte sie diesen Tag packen und endlich etwas Wichtiges starten. Anstatt unverwandt ihren Bildschirm anzustarren. Hohle Sätze zu tippen und davon zu träumen, dass irgendwann einmal eines Tages in der fernen Zukunft jemand eine Geschichte von ihr lesen würde.
Silvia greift nach ihrem Handy. Sucht in ihrer Telefonliste nach passenden Nummern. Vielleicht zuerst mal bei Anna nachhaken? Oder doch eher bei Doris, die war für Neues jeweils ohne Umschweife zu haben. Oder Toni. Der hatte ihr letzthin doch von seinen Schreibplänen… Ihr Handy summt. Sie nimmt den Anruf entgegen. Am andern Ende legt Maria gleich los. „Du, eben hab ich eine ganz komische Mail erhalten. Ich soll eine Schreibgruppe gründen!“ Silvia japst hörbar nach Luft. „Was, du auch?“ Einen Augenblick bleiben sie beide ganz still. Dann kichert Maria los. „Sorry, in einem Anflug von Langeweile hab ich diese Mail raus geschickt. Wollte schauen, was dann geschieht. Bei den meisten muss die Mail im Spam gelandet sein. Bis jetzt hab ich noch keine Reaktion erhalten. So hake ich jetzt per Telefon nach. Machst du mit?“ Silvia zögert. Ihr Blick fällt noch einmal auf den Kalender. Doch, der 17. Juni war immer schon ein guter Tag gewesen, um Neues zu beginnen. „Klar bin ich dabei. Wann starten wir?“ „Jetzt gleich“, meint Maria.
Silvia klappt ihr Netbook zusammen und summt ein leises Lied…
e. i.
Wenn man nicht mehr weiter weiß, dann bilde man einen Arbeitskreis. Diese Jahrzehnte alte Weisheit kann man in der konkreten Situation natürlich auch auf eine Schreibgruppe umformulieren. Als erstes sehen wir uns unauffällig um, ob diese Aufforderung ernst gemeint ist. Wir können erleichtert aufatmen. Keine Gefahr, dieses Anliegen wirklich in die Tat umsetzen zu müssen. Auch keine sichtbaren Zuhörer, vor denen sich jemand ins Scheinwerferlicht rücken wollte. Hier wurde nur wie üblich der dritte Schritt vor dem nie vorgesehenen ersten Schritt getan. Als erstes wäre eine Analyse der Situation, eine Definition der bestehenden Ausgangslage nötig gewesen. Aber wozu, denn jedem ist doch alles bekannt. Oder möchte jemand freiwillig zugeben, dass er nicht Bescheid weiß? Vielleicht sogar noch eine Position beziehen und diese dann verteidigen? Sieht man so etwas etwa bei einem Politiker? Der zweite Schritt wäre die Formulierung der gewünschten Zielvorstellung. Wer nicht weiß, wo er losgeht, interessiert sich auch nicht wirklich für sein Ziel. Wer versucht, ein vorgesehenes Ergebnis zu artikulieren, legt sich irgendwie mit seiner Auffassung fest. Wer sich vor einer exakten Aussage drückt, kann später immer alle Felsen in der Brandung ignorieren. Er steht ja nicht wirklich in einer echten Brandung. Und seine Forderung, dass andere eine Schreibgruppe gründen sollen, wird seinen Ruf nicht beschädigen können. Sie wird nach kurzer Zeit sowieso von anderen Forderungen überdeckt und vergessen.
Ro McGer



