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Schreibaufgabe – Runde 6

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Die Aufgabe der 6. Schreibaufgabe lautete:
Schicken Sie Ihre Figur zum Friseur
Hier sind die besten Beiträge:

Er gab ihr drei Küsschen, links, rechts und nochmals links. „Hallo, meine Liebe, setz’ dich bitte hier hin.“ Als sie im Stuhl vor dem grossen Spiegel sass, nahm er ihr langes, dunkelblondes Haar in seine Hände und fragte: „Wie viele Zentimeter dürfen es heute sein?“ „Nein, Pablo, nicht nur ein paar Zentimeter, ein neuer Haarschnitt muss her.“ Seine Augen suchten die ihren im Spiegel. „Wie? Schon wieder eine Beziehung zu Ende?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Tja, was soll ich machen? Wenn’s nicht der Richtige ist…“ Pablo lachte laut. „Du gibst den Männern aber auch nie viel Zeit. Ich weiss grad nicht, seit wie vielen Jahren du zu mir kommst, doch ich weiss, dass du fast jedes zweite Mal einen neuen Haarschnitt oder zumindest eine andere Farbe haben möchtest.“ Sie schmunzelte. „Genau und heute bitte beides, ich möchte einen Pagenkopf in Mahagoni.“ Pablo nickte und ging, um die gewünschte Haarfarbe anzurühren.

Sascha-Irena Wilkesmann

Von weiß, grau über rotbraun bis schwarz ist alles vertreten; nur kein blond. Der Wind bläht ihr Kopftuch zu einem bunten Ballon auf. Passend in der Größe zum Bullauge, vor dem sie steht und sich die Nase am Glas plattdrückt.
„Zum Kopfhaus“ ist der einzige Frisör im weiten Umkreis. Runde Scheiben geben den Blick nach innen frei. Dort sitzen Kunden im Kreis, über ihnen trocknen Perücken an aufgespannten Leinen. Man trägt sie tagsüber und zeigt so die ehemalige Menschlichkeit. Haare im herkömmlichen Sinne gibt es nicht mehr, keine Glatzen und blond erst recht nicht. Die Lust nach ausgeprägten Sinnen brachte die Mutation zu runden Köpfen mit kurzem Katzenfell. Aber erst nach der Pubertät.
Mit ihrem ovalen Langschädel und dem Blondschopf fühlt sie sich jeden Tag aufs Neue von der Natur betrogen. Aus Angst, ihr Anderssein könnte auffliegen, geht sie nie unter Leute, geschweige denn zum Frisör.
Als vor ihrem 18. Geburtstag kein Anzeichen von Kopf- und Haarverformung zu erkennen war, hatte Em, ihre engste Vertraute, die rundgeschnittene Perücke besorgt. Heute Morgen war es der Nordseesturm, der sie vom Kopf gerissen und sie ihrer Andersartigkeit ausgeliefert hatte.
Ihr einziger Schutz ist ein Kopftuch, ein Geschenk in der Not vom Strandgut. Jetzt im Dämmerlicht fühlt sie sich geborgen. Keiner der Kunden, der hinausgeht, scheint Notiz von ihr zu nehmen.
„Ich gebe mir keine Blöße! Nachher bin ich nicht anders, als alle anderen.“ Ihr heißer Atem formt einen Nebelkreis auf der Glasscheibe, als sie ihr Kopftuch zurechtzupft.
Helles Licht umfängt sie im runden Frisiersaal. Solch eine Raumgestaltung hat sie noch nie gesehen. Alle Plätze sind frei. „Schneiden, waschen, föhnen, bitte!“ Der Stolz in ihrer Stimme schenkt ihr ein unbekümmertes Lächeln.

Henriette Jorjan

Venedig im Herbst war nicht zu empfehlen. Trist und überall nur Wasser. Ihre halbe Kindheit hatte sie hier verbracht. Zwischen den Kneipen und den Kanälen und den vielen Katzen. Doch jetzt steht sie am Ende einer Sackgasse und weiß nicht weiter. Sie hört Stimmen. Irgendwo in der Nähe. Also zurück und dann in Richtung der Stimmen. Sie kommt auf eine größere Straße. In welchem Viertel war sie? Fernab aller Touristischen Pfade. Kein Hinweisschild mehr zum Marcus Platz oder zum Bahnhof. Sie hat sich eindeutig verirrt. Weiter, um die nächste Ecke. Schade, schon wieder nur Kanäle. Wohin nur? Da, ein Mann. Sie läuft hinterher. Egal welche Richtung, Orientierung hat sie sowie so schon keine mehr. Sie kommt sich vor wie eine Figur, in einem Spiel, dass sie nicht spielen will. Hilfe! Nur einen Menschen finden, den sie mit gebrochenem Italienisch fragen kann. Wohin? Wo ist der Mann? Da, wieder ein Schatten. Jetzt ruft sie sofort. Hallo? „Scusi!“ Er bleibt stehen. Ein alter, kleiner Mann. Sie fragt nach dem Weg durchs Labyrint „…Via Garibaldi per favore?“ Er zeigte in die entgegengesetzte Richtung. Sie versteht so etwas wie dort entlang, dann über die Brücke, danach gleich rechts und dann zum Friseur. Zum Friseur? „da parrucchiere“ Wie? Er schickt sie zum Friseur? Der würde ihr weiterhelfen können? Ich brauche keine neue Frisur, sondern einen Weg! Oh! Der Friseur würde etwas deutsch sprechen und ihr den restlichen Weg erklären. Na gut, dann halt auf zum Friseur.
S.Bender

Sabrina Bender

Der Therafriseut
Immer wenn sie nicht mehr weiter wusste, ging sie zu ihm – dem Friseur. Ihre Welt konnte aus den Fugen geraten – hier blieb alles beim Alten.
Während sie ihr Spiegelbild betrachtete, begannen ihre Gedanken zu kreisen. Schon legten sich ihre Hände auf die Lehne, sie wollte aufstehen, den Salon verlassen. Doch da, wie aus dem Nichts, tauchte er auf – Leon.
„Ca va? Wie wollen wir es denn?“ Seine Frage überrumpelte sie, wegen einer neuen Frisur war sie nicht gekommen. Sie antwortete mit leichtem Achselzucken. „Du bist doch eine mutige Frau?“ Ja, mutig war sie, manchmal gar übermutig und diesen Übermut bereute sie danach. „Ich schlage etwas Freches, Radikales vor: Bürstenschnitt.“ Wie Recht doch Leon hatte. Sie musste etwas wagen, Ballast abwerfen, um für das Neue Platz zu schaffen. Zögerlich fragte sie: „Meinst du, das steht mir?“ „Klar, du hast eine regelmässige Kopfform.“ Ja, ihr Kopf war rund und gerade deshalb bewegte sich ihr Denken ständig im Kreis. Sie verfluchte ihren runden Kopf, hörte aber bereits das Brummen des Rasierapparates, sah, wie sich Leons rechte Hand ihrem Kopf näherte. Hatte sie ihr Einverständnis bereits gegeben? Sie spürte ein leichtes Kribbeln auf der Kopfhaut, Haarsträhnen legten sich sanft auf ihre Schultern, ihr Spiegelbild veränderte sich. Wie gelähmt sass sie im Stuhl. Wohin nun, wenn sie nicht mehr weiter wusste? Es fehlten ihr die Haare und damit der Vorwand, zu ihm zu gehen – zu ihm, dem Friseur.

Gabriel Fischer

»Geh` jetzt da rein!«, drängelt er.
»Ich trau` mich nicht!« nörgelt sie.
»Das ist albern. Du gehst nicht zum Zahnarzt, du gehst zum Friseur.«
»Das ist es ja gerade. Wenn ich da wieder rauskomme, sehe ich entweder aus wie Prinz Eisenherz oder wie einer von den zehn kleinen Negerlein.«
»Unsinn, du wirst süß aussehen.«
»Süß? Nie sah ich danach so aus. Und, weißt du was, wenn ich mich so im Schaufenster betrachte, bräuchte ich heute noch gar nicht zu gehen. Es würde auch nächste oder übernächste Woche reichen.«
»Da wirst du dich – kaum zu Hause – ärgern.«
»Glaub` ich nicht.«
»Du ärgerst dich doch schon seit Wochen.«
»Nun ja. Ich kann wirklich so gar nichts mehr mit den Haaren anfangen. Sie sind der reinste Graus.«
»Na also! Geh` jetzt da rein und lass dir `was Peppiges verpassen.«
»Was Peppiges? Du findest mich also langweilig? Gott, du hast recht. Ich sehe zehn Jahre älter aus, als ich bin. Vielleicht alles nur etwas kürzer? Maximal ein Zentimeterchen? Sonst nichts. Damit es nicht mehr so platt runterfällt. Was meinst du?«
»Das wäre ein Anfang.«
»Obwohl – für ›alles nur ein bisschen kürzer‹, bräuchte ich nicht wer weiß wieviel Geld ausgeben. Ich könnte zu Hause selbst ein wenig rumschnippeln.«
»Mit deiner stumpfen Nagelschere?«
»Warum nicht? Das mach` ich doch schon seit Wochen.«
»Dementsprechend sieht es aus.«
»Oohh.«
»Nicht meine Meinung, deine. Und deshalb….«
Er nimmt sie an die Hand, bugsiert sie in den Friseursalon. Seit vierzig Jahren.

Magritt Jann

Haare gut, alles gut?
Sie hätte es wissen müssen. So etwas konnte ja nur schief gehen! Mit jeder zu Boden fallenden Haarlocke verfluchte sie in Gedanken die unfähige Friseuse etwas mehr. Aber auf sich selbst war sie noch wütender. Am liebsten wäre sie im Boden versunken – oder hätte sich zumindest hinter ihren Stirnfransen versteckt. Wobei… nein, nicht einmal diese Möglichkeit blieb ihr. Viel zu kurz war der Pony geraten und schräg. Sie war der Täuschung erlegen, ein Friseurbesuch könne ihre Probleme lösen, hatte geglaubt, dass mit dem Abschneiden der Spitzen auch ihre Sorgen von ihr abfallen würden, dass farbenfrohe Highlights sie in Hochstimmung versetzen könnten, dass sich mit einer Kopfmassage selbst die dunkelsten Gedanken wegmassieren liessen. Fehlanzeige… Shampoo war in ihre Augen geronnen und heisses Wasser hatte ihr beinahe die Kopfhaut verbrannt.
Resigniert betrachtete sie ihr Spiegelbild und dachte über ihr Leben nach. Es hatte sich zu einem nie enden wollenden Bad-Hair-Day entwickelt. Der Schwung fehlte, die Spannkraft war weg. Repair Care, Anti Spliss, Volume Boost. Was sollte sie damit? Wo war der Balsam für ihre Seele?
Sie bezahlte, verliess das Geschäft und liess sich im Menschenstrom treiben. Vor einem Schaufenster blieb sie stehen und sah, wie die Sonne Goldtöne in ihr Haar zauberte. Gar nicht so schlecht, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, dachte sie und ging lächelnd weiter.

Linda Stadler

Milena ist ein außergewöhnlich hübsches Girl. Der Schöpfer aller menschlichen Wesen hat sie mit einer besonderen Schönheit ausgestattet. Trotz ihrer 11 Jahre ist sie schon ein herausstechender Blickfang. Diese Haare! Glänzend glatt, mittelblond und eine engelsgleiche Länge.
„Kämm deine Haare richtig!“ ermahnt sie Mutter Heidi vor der Schule. „Jaaa …!“, kommt ihre mürrische Antwort. „Du hast sie nur oberflächlich gebürstet! Lass mich mal!“ Geschickt weicht sie der fordernden Mutter aus. „Nein, ich will nicht! Du quälst mich!“ Milena wehrt sich mit Händen und Bürste. Sie ist schon viel zu spät dran. Heidi ringt mit sich, ob sie ihr Töchterchen dermaßen ungepflegt zur Schule lässt, oder ob sie radikal ans Werk gehen soll, um diese Zottelmähne zu bändigen. Es folgt ein ohrenbetäubendes Geschrei, ein Kampf gegen mütterliche Erziehungsversuche. „Es reicht! Den Zirkus jeden Morgen mach ich nicht länger mit! Ich lass mir einen Termin bei Renate geben. Sie schneidet dir die Haare so kurz, dass es kein Thema mehr sein wird!“, bestimmt die genervte Frau Mama.
2 Tage später sind sie im Keller der Frisörin Renate. Es ist für alle Beteiligte ein schmerzhaftes Erleben, diese prachtvollen Haare Schnitt für Schnitt zu Boden fallen zu sehen, bis dem sprachlosen kleinen Fräulein ein ungewohnter, aber flotter Kurzhaarschnitt verpasst ist. Gleichzeitig war ihr auch ein mächtiges Stück Rebellion abgeschnitten worden. Nicht zu glauben, aber Milena gefällt sich sogar mit diesem neuen Outfit.

Monika Karb

Es war an der Zeit. Mir reichte es, mit diesen Zotteln durch die Welt laufen zu müssen. Zotteln, die Adam geliebt hatte. Dichte, dunkelblonde Locken bis zum Arsch. Ich hätte sie von selbst ja nie solange wachsen lassen, aber Adam hatte mir gut zugeredet, wann immer ich einen Friseurtermin gehabt hatte. Und da ich ihm nie etwas abgeschlagen hatte, hatte ich Luigi stets brav abgesagt. Ich hätte für Adam alles getan.
„Du bist doch meine hübsche Rapunzel.“, pflegte er zu sagen, ein paar Strähnchen aus meinem Gesicht streichend. Und das hatte mein Herz erwärmt! In Erinnerung daran schüttelte ich traurig den Kopf.
Denn jetzt war er weg. Hatte sich bei seinem Praktikum in Schweden verliebt. In Alma mit hellem Seidenhaar.
Wann immer ich mir jetzt durch die Haare wischte, tat es so furchtbar weh.
„Was darf’s heue sein, schöne Frau?“, fragte Luigi, als ich seinen Salon betrat.
„Kennst du Grace Jones?“, wollte ich mit bitterer Stimme wissen.
Luigi nickte irritiert: „Ja, ganz kurz geschnittene, schwarze Haare.“
Mit der enttäuschenden Erkenntnis, dass mein Ex-Freund ein elendiger Haarfetischist war, antwortete ich: „Super. Das hätte ich gerne einmal.“

Mona Bauer

Es gibt Schriftsteller, die ihren Leser lieben, und solche, die ihn hassen.
Dankwart P. gehörte zur zweiten Kategorie. Sein letzter Liebesroman “Geh´ sterben, du Olm!” war gar nicht gut angekommen, und er überlegte, was er tun konnte um sich zu rächen.
Der nasskalte Kellerraum im grellen Neonlicht, ein harter Stuhl am wackelnden Tisch, und dröhnender Punk-Rock aus kratzenden Lautsprechern brachte ihn in die richtige Stimmung.
„Wer mich liest, muss leiden!“, war seine Maxime, und der grässliche grüne Tee war nicht dazu geeignet das zu ändern. Es war ihm unverständlich, wie eine Flüssigkeit den Hals derart austrocknen konnte, aber dieses Chinesen-Gesöff schaffte das spielend.
Angewidert räuspernd machte er sich an seine nächste Untat:
„Helge Mund war ein kleiner runder Sparkassenangestellter Anfang zwanzig mit lockigen blonden Haaren, der abends den letzten Bus verpasst hatte, und nun mädchenhaft quiekend versuchte den Pfützen auszuweichen, während er sich seine Aktentmappe schützend über den Kopf hielt.
Der Regenguss trieb ihn in das glücklicherweise noch geöffnete Friseurgeschäft, wo er unvermittelt einer Gruppe von zehn aufgeheizten Lederschwulen gegenüber stand, die gerade so richtig in Fahrt kamen.
Mit weit aufgerissenen blauen Augen und den schockiert gespitzten weichen Lippen begaffte Helge diese komische Szenerie, und hätte fast loslachen müssen, aber alles was er von sich gab, war ein deutliches Klicken als er hart schlucken musste, oder war das die Eingangstür, die hinter ihm verriegelt wurde?“

Artus Daniel-Hoerfeld

„Cut & Go, Haareschneiden 12 Euro.“ Ohne zu überlegen betrat ich das schmale Ladenlokal in der Fußgängerzone. Ich brauchte einen Haarschnitt und der sollte nicht viel kosten. Früher hatte meine Mutter mir die Haare geschnitten. Nachdem ich von zu Hause ausgezogen war, bearbeitete ich meinen Pony mit einer Nagelschere, den Rest ließ ich wachsen. Mittlerweile trug ich eine Frisur, die meine Großmutter als ordentliche Kurzhaarfrisur bezeichnet hätte. Und die musste regelmäßig nachgeschnitten werden.
„Cut & Go“ hatte noch einen freien Termin. Janine würde sich gleich um mich kümmern. Janine nahm mich mit einem freundlichen Lächeln in Empfang. Ich gab ihr die kurze Anweisung: „Nachschneiden, bitte.“ Daraufhin führte sie mich zum Waschbecken. Während sie das Wasser laufen ließ, fragte sie mich, ob die Temperatur angenehm sei. Ich bejahte und Janine massierte das Shampoo ein, spülte den Schaum aus und wickelte mir ein Handtuch um den Kopf. Aus den Lautsprechern wummerte laute, rhythmische Musik, die mir auf die Nerven ging. Ich war froh, dass Janine schwieg, während sie mir die Haare schnitt. Nach fünf Minuten war sie fertig. Föhnen durfte ich selbst.
Mit Hilfe eines zweiten Spiegels zeigte mir Janine noch kurz, dass sie sich nicht verschnitten hatte. Ich murmelte „Danke!“, bezahlte, warf einen Euro in ein gelbes Plastiksparschwein namens Janine und verließ den Laden.
Manche Leute gehen zum Friseur, um sich zu unterhalten. Ich gehe dorthin, um mir die Haare schneiden zu lassen.

Verena Juette

„Waschen, Schneiden, Föhnen, Legen.“
Der Friseur schaut fragend. Ich schüttle den Kopf. Nichts von alledem. Er runzelt die Stirn.
„Ja, was wollen Sie dann bei mir?“
Ich zucke mit den Schultern.
„Was weiss ich. Man hat mich geschickt. Und nun bin ich hier.“
Ich setze mich auf einen der leeren Stühle. Schnappe mir eine herumliegende Zeitschrift. Blättere darin, betont lässig. Der Friseur wieselt um mich herum.
„Das geht nicht. Sie können nicht einen Platz in Anspruch nehmen, wenn Sie nicht waschen, schneiden, föhnen oder legen wollen.“
Ich lächle vor mich hin.
„Doch, klar kann ich. Schliesslich wurde ich geschickt“
Er schluckt leer. Schaut fassungslos. Läuft rüber zu seiner Theke, tippt etwas in sein Handy. Verschwindet in die privaten Räume des Ladens. Ich hör ihn hantieren. Tassen klappern, etwas fällt zu Boden, er flucht schimpfend vor sich hin. Ich schau mich im Spiegel an. Ganz zufrieden mit dem was ich da sehe. Und warte ab. Was nun geschieht…

e. i.

Bernadette schrie aus Leibeskräften.
Ihr schriller Ton ließ ihr Gegenüber, welches unvermittelt aus einem Gebüsch hervorgetreten war, zusammenzucken – vor Schreck standen diesem die Haare zu Berge. Mit vor Entsetzen geweitete Augen entblößte es zwei große Zahnreihen.
Sekundenlang starrten sie sich an.
»Also, ich muss doch bitten! Eine alte Frau so zu erschrecken …«, mahnte Bernadette, nachdem sie sich wieder gefangen hatte.
Verlegen sah die stattliche Figur zu Boden und fuhr sich durch die verfilzten Haare. Dabei blieben die Finger im Geflecht hängen.
»Sagen Sie, junger Mann«, schalt sie den Riesen, »wann waren sie eigentlich das letzte Mal beim Friseur? Wissen Sie«, plapperte sie ungehalten weiter, während ihr Gegenüber sie fragend und irritiert zugleich anblickte, »dass man hier in der Wildnis nicht an jeder Ecke einen Salon findet, ist mir schon klar. Aber deswegen müssen Sie doch nicht so ungepflegt durch die Gegend laufen.«
Ohne eine Antwort abzuwarten, packte Bernadette eine zottelige Hand, umklammerte diese fest und zog den Hünen hinter sich her. »Nicht weit von hier gibt es einen ausgezeichneten Coiffeur, meinen Sohn. Er hat mir gesagt, dass ich ein wenig Werbung für ihn betreiben soll, aber das ich ausgerechnet hier jemanden finde, hätte ich nicht vermutet. Eigentlich wollte ich nur einen Ausflug machen, aber so kann ich Sie einfach nicht weiter auf die Menschheit loslassen und …«
Verdutzt trottete der Yeti dem alten, resoluten Weibchen hinterher. Er verstand zwar die Worte nicht, die ohne Unterlass aus ihr heraussprudelten, wusste aber instinktiv, Widerstand war zwecklos.

Jutta Wölk

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