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Schreibaufgabe – Runde 6

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Die Aufgabe der 6. Schreibaufgabe lautete:
Schicken Sie Ihre Figur zum Friseur
Hier sind die besten Beiträge:

Die Aufgabenstellung war klar. Unsere Agentur hatte zur Produkteinführung des neuen Haarpflegemittels den Kunstnamen „GEL-LAXEN“ kreiert. Eine dazugehörige Slogan-Findung sollte den Käufer ganzheitlich ansprechen. Das Motto bot den Ohrenschmeichler Frisur – Figur und umgekehrt an. Oder Figur gleich Frisur.
Es wurde eine werbetypische Sinnpanscherei. Der Spruch „Schicken sie ihre Figur zum Friseur“ kam dabei heraus. In einer ersten Reaktion äußerte sich der Kunde erfreut. Und nur darum geht es. Warum sollten wir das Lob für eine haarsträubende Ideenblockade nicht annehmen?

Hans – Joachim Walter

- Hey, Schwarte. Du kommst mit.
- Wohin?
- Zum Schwuchtel am Markt. Kleine Betriebsbesichtigung.
- Ich brauch kein’ Friseur.
- Ich auch nicht. Aber der schöne Bijan von der 8b.
- Der? Macht der sich seine Wolle nich’ mehr mit ’m Bügeleisen glatt?
- Das war einmal. Der kleine Prinz von Persien lässt sich gerade eine Glatze scheren.
- Hä? Wieso?
- Hör zu: Bijan hat doch unserem Ricardo die Braut ausgespannt. Und heute Nachmittag wollte er mit ihr ins Kino.
- Drecksack, elender.
- Genau. Im Chemielabor hat sich aber Ricardo von hinten an ihn rangeschlichen und ihm mit einem ratsch! ein Riesenloch in die Mähne geschnitten.
- Schöne Scheiße.
- Und jetzt muss alles runter. Die ganze schwarze Pracht beim Teufel. So schnell macht sich Bijan an keine von unseren Bräuten mehr ran.
- Und was soll ICH beim Friseur?
- Quatsch nicht so lange rum, sonst verpassen wir das Beste.
- Was ’n noch?
- Willst du nicht seine Fresse sehen, wenn er mitten im Salon Ricardos Geschenk auspackt?
- Der Ricardo schenkt was dem Bijan. Kapier’ ich nicht. Was schenkt er ihm denn?
- Mann, Schwarte, bist du heute wieder langsam. Ein neues Glätteisen natürlich.

Helga Blum

Ich blicke nicht mehr in den Spiegel, sondern schließe die Augen, während Lilo mein Haar mit einem stinkenden Brei bestreicht. Ich bin dem Trio ausgeliefert: meiner Bekannten Marina, Besitzerin des Frisiersalons, ihrer Lehrtochter Lilo, die an mir ihre Abschlussprüfung macht, und Herrn Haas, dem Prüfungsexperten. Dabei hat alles so viel versprechend begonnen. Marina bat mich: „Du hast so schönes Haar. Stell dich doch als Frisiermodell zur Verfügung! Du würdest mir einen Gefallen tun.“ Geschmeichelt sagte ich zu. Und nun sitze ich hier und lasse ergeben über mich ergehen, was Lilo und Marina ausgeheckt haben. Das Haarwaschen war noch Routine. Doch dann zückte Lilo ein Rasiermesser und säbelte an meinen Locken herum, ohne auch nur zu fragen, ob ich einen Haarschnitt wünsche. Ich protestierte, doch Marina mokierte sich: „Führ dich doch nicht auf wie eine der Zicken bei Germany’s Next Topmodel! “ So schnippelte Lilo weiter und pinselt jetzt die Stinkpaste auf. Die Zeit vergeht träge. Endlich wage ich den Blick in den Spiegel. Entsetzlich, Lilo hat mir einen Afrolook in Mahagonirot verpasst. Herr Haas prüft das Kunstwerk. Er drückt mir mit der flachen Hand die Locken auf den Schädel. „Gute Qualität“ lobt er, und ich komme mir vor wie unser Schaf Laura an der Zuchtschau. Dort messen die Experten mit der gleichen Handbewegung die Dicke des Pelzes. „Schafskopf“, denke ich, „das hast du nun von deiner Eitelkeit!“

Katharina Henzi

Der Kerl geht mir auf die Nerven. Ein guter Fachmann – aber sein Redeschwall! Beim Haareschneiden höre ich den neuesten Klatsch von tout Paris, beim Rasieren seine alten Abenteuer aus Spanien, und das wird ganz schön gefährlich: er regt sich auf, fuchtelt und gestikuliert mit dem scharfen Messer vor meinem Gesicht.
Ich plane gerade das nächste Konzert am Hof, kann mich jedoch nicht darauf konzentrieren – er schwätzt nämlich ohne Unterlass über einen alten Geizhals, den er anno dazumal über den Tisch zog. Oder ich möchte meine Geldgeschäfte in Ruhe überdenken, muss aber die Angelegenheit des liebestollen Grafen anhören, dem er einst große Dienste erwiesen.
Er fabuliert und fantasiert; mal sind es abgedroschene Romanzen, mal aber Freizügigkeiten, die ich wirklich nicht glauben kann. Dass ein Diener seinen aristokratischen Herren zum Gespött aller Leute machte! In unserem aufgeklärten Frankreich wäre das vielleicht möglich; aber bei den Spaniern?
Endlich ist er fertig. Ich laufe erleichtert hinaus – kaum biege ich um die Ecke, rennt er hinter mir her, winkt und ruft wie verrückt:
“Monsieur Beaumarchais, Monsieur Beaumarchais! Ihr habt Eueren Geldbeutel vergessen!”
Hm … doch eine treue Seele, dieser Barbier. Das nächste Mal will ich besser zuhören, wenn er seine Geschichten erzählt.

Anna Rybinski

Schönes Haar ist dir gegeben, lass es leben, summt Gerti auf dem Weg zu Petras Laden. Haare wie aus Draht. Schwarz, dicht, kraus. So was trage frau heute nicht mehr. Petra hat es geschafft, hat Gerti geschafft. Iro? Petra zeigt auf das Foto in der Zeitschrift. Beim Iro bleibt ein Haarstreifen stehen. Das ist doch ein guter Kompromiss, sagt Petra. Gerti nickt. Ja, flüstert sie. Sie schließt die Augen. Schlimmer, als beim Zahnarzt wird es schon nicht werden. Der Rasierer summt wie ein Bohrer, frisst sich durch Gertis Haarpracht. Gerti beißt die Zähne zusammen. Bin gleich fertig, sagt Petra. Ja, flüstert Gerti, ja. Petra reicht Gerti den Spiegel. Gut geworden, sagt Petra. Sieht voll Scheiße aus, sagt Gerti. Petra zuckt mit den Schultern. Ich hab dir gleich gesagt, alles ab is cooler. Gerti zieht den Schlüpfer an und steigt in die Jeans. Was schulde ich dir? Ein zufriedenes Lächeln, sagt Petra. Gerti verzieht keine Miene. Damit kann ich nicht dienen, sagt sie und drückt Petra den Zwanziger in die Hand. Zum Glück wachsen Haare wieder, sagt Gerti und geht. Jetzt braucht sie erst mal einen starken Kaffee!

Astrid Weiss

„Hallo Egon“, begann Ursula eine ergebnisorientierte Kommunikation mit ihren Freund, „es wäre schön, wenn du heute noch zum Frisör gehen würdest.“ Solche Wünsche verschlagen ihm stets die Luft zum Reden. Er würde am liebsten einen Wortschwall auf sie niedergehen lassen, bekam aber kein Wort heraus. Natürlich hat er bereits selber erkannt, dass die Haare ein Deut zu lang waren. Aber musste sie es so kompromisslos deutlich ausdrücken? Mit Nachlassen der Sprechblockade sagte er ihr natürlich sofort zu, noch heute zu gehen.
Zuerst hatte sie sich gefreut, dass diese Angelegenheit so ohne die übliche Diskussion ablief. Im Verlaufe des Nachmittags wuchs aber ihr Misstrauen. Hatte ihr Freund etwas missverstanden? Hatte er überhaupt geistig richtig erfasst, was sie von ihm wünschte? Männer sind so komplizierte Wesen. Wenn man denkt, jetzt hätte man alles durch und wüsste, wie sie funktionieren, dann kommen sie mit irgend einem neuen Dilemma.
Bruno hatte sich schon eine Weile nicht mehr gemeldet. Jeder der Beteiligten kannte auch die Ursache. Egon hatte Bruno sein kleines Diktiergerät ausgeliehen. Aus den anfänglich einigen Tagen sind in der Zwischenzeit mehrere Monate geworden. Eben rief er an und kündigte die Rückgabe des Geräts an. Männer sind nicht nur kompliziert, sondern trinken auch gern ein Bier unter sich. Ein paar Geschäfte hinter dem Frisör existierte mit „Tante Erna“ noch eine der alten Berliner Eckkneipen. Und so ließ sich spontan alles in eine sinnvolle Reihenfolge bringen.

Ro McGer

Zum Friseur soll ich ihn bringen? Was Besseres ist denen wohl nicht eingefallen.
Bis vor ein paar Wochen hätte ich ihn am liebsten noch ganz woanders hingeschickt. Vielleicht in eins von diesen Camps, wie sie drüben überm Teich grad in Mode sind, wo alle Liegestütze machen wie die Bekloppten. Aber das war natürlich reines Wunschdenken. Seinen Waschbrettbauch hab ich seit zwölf Jahren nicht zu Gesicht bekommen, genauso wie den Rest von ihm, aber selbst unter diesem ausgeleierten Sack von einem Trainingsanzug, kann man erkennen, dass nicht viel davon übrig ist.
Karin hat dich wohl nicht einmal besucht hier, was? Die schöne junge Karin. Vielleicht war sie einfach zu jung und zu schön für dich.
Trotzdem komme ich jede Woche vorbei, und dabei erkennt er mich an manchen Tagen nicht mal.
Zum Friseur also, nun gut.
Gar nicht gut, wenn ich es recht bedenke. Was mache ich, wenn er plötzlich seine Meinung ändert und einen Aufstand macht wie letzten Montag bei der Physiotherapeutin? Armes Ding, ich hab’s ihr angesehen, dass sie am liebsten die Flucht ergriffen hätte.
Wie ein Denkmal hockt der da in seinem Rollstuhl. Wie in einer Sänfte. Manche Dinge ändern sich wohl nie.
So, einmal bitte ab mit den Fransen, so kurz wie möglich, nun guck mich nicht so an, das macht dich jünger. Na also, jetzt strahlt er aber, woran das wohl wieder liegen mag? Ach so, die Friseuse, jung und blond, mit Stupsnase sogar. Erinnert mich verdammt an…
Ich warte lieber draußen.

Birgit Böckli

„Guten Morgen, Lily!“ Ihr Vater war, wie jeden Morgen, in ihr Zimmer gekommen um sie zu wecken. Lily gab ein unwilliges Stöhnen von sich. „Sag mal, wie sieht es denn hier aus?!“ Das sagte er nicht jeden Morgen. Lily öffnete ihre Augen einen Spalt und sah ihren Vater an. „Und wie siehst du überhaupt aus?!“ Das reichte, damit Lily ihre Augen ganz öffnete und ihren Vater fragend, ja fast empört anschaute. Als der sie aber weiter anstarrte, drehte sie sich zum Spiegel und… bekam einen Schreikrampf. Sie sah aus wie eine Vogelscheuche! Die eine Haarsträhne kurz, die nächste wieder lang. Jemand musste ihr in der Nacht die Haare geschnitten haben. „Ben, du kleiner Mistkäfer!“ kreischte Lily und rannte ins Zimmer ihres kleinen Bruders. Der lag im Bett und schaute sie mit Unschuldsmiene an. „Was hast du getan?!“ Sie stürzte sich auf ihn und musste an sich halten ihn nicht zu erwürgen. „Was denn?“ quetschte Ben hervor. Sie ließ ihn los und hielt ihm eine Haarsträhne hin. „Meinst du Mama schneidet mir mitten in der Nacht die Haare ab?“ „Vielleicht war es Papa? Oder du schlafwandelst?“ „Jetzt sag mir sofort warum du das getan hast!“ „Was ist denn hier los?“ Ihre Mutter stand im Türrahmen. „Mama, Mama guck mal was er getan hat. Ich kann doch so nicht in die Schule!“ Ihre Mutter sah sie an: „Ben…!“ Sie nahm Lily in den Arm. „Ab in die Schule, Ben! Wir reden heute Nachmittag darüber“. Ben flitzte aus dem Zimmer. „Und dir machen wir erst mal einen Termin beim Friseur, Kleine“.

Jana Zöll

„Eh, Kamm, haste die gesehen? Das soll eine Frisur sein?“
„Wirklich Schere, ich habe noch nie einen Kopf mit solch abstrusem Haargewirr gesehen.“
„Wollen wir?“
„Ja! Wir wollen!“
„Iiii, jetzt hab ich doch der ‘ne Ecke in den Pony geschnitten. Kamm! Konntest du nicht aufpassen?“
„Ich? Wieso denn ich? Du schneidest doch. Ich habe nur das Haar hochgekämmt.“
„Ecke hin, Ecke her. Was soll’s. Der ihre Haare verkraften das.“
„Schneid doch einfach den Pony weg.“
„Gute Idee. Kämme mal den Pony hoch. Gut so. Ritsch-ratsch – weg isser.“
„Ohje, jetzt sieht die aber doof aus. So nackig um die Stirn. Ich werde der mal ein paar Strähnen vom Mittelkopf nach vorn kämmen.“
„Nicht so viele, sonst muss ich die wieder abschnippeln.“
„Musst du nicht.“
„Musst ich doch.“
„Nein!“
„Doch … doch … doch …!“
„Musst du immer das letzte Wort haben, Schere? Lass gefälligst die paar Strähnen dort liegen!“
„Okay Kamm. Ich schneide der mal über dem Ohr ein bisschen was weg. Autsch! Hab ich da nicht ein Stück Ohr erwischt? Siehst du Kamm, jetzt bekomme ich einen roten Schmierfleck. Und das mir.“
„Hättste aufgepasst. Aber du weißt es ja besser. Schnippelst was das Zeug hält. Einfach niveaulos, Schere.“
„Ratsch, das war wohl ein bisschen zuviel abgeschnitten am Hinterkopf.“
„Pass doch auf, was du machst!“
„Was die nur hat? Jetzt steht die doch auf, fuchtelt mit ihren Armen, schreit und zetert. Verstehst du das Kamm?“
„Ich? Nö.“
„Also ich auch nicht. Die hatte sowieso keinen Haarkopf! Hat bekommen, was sie verdient.“

Petra Wilhelmi

Mama sagt, du sollst mal zum Friseur gehen.
Kleine Schwestern mit Unschuldsblick, die haarige Botschaften genüsslich weitergeben, sind der Horror. Erstmal ignorieren.
Mama sagt, du sollst endlich mal zum Friseur gehen.
Es stimmt, mein letzter Besuch in einem Salon liegt schon eine Ewigkeit zurück. Ich denke darüber nach, dass man vor hundert Jahren in gleichnamigen Etablissements, den Salons, sich Gedichte und erstgeschriebene Romane vorlas, „beim Teetisch, die Herren ästhetisch, die Damen von zartem Gefühl…“ Heute werden dort Haare gestylt, verlängert, gefärbt , manchmal auch geschnitten. Ich habe keine Lust.
Mama hat gesagt….
Ich überlege, wie komme ich aus der Kiste raus, wo ist der nächste stinknormale Friseur, der sich nicht „Coiffeur“, „Salon Haarmonie“, „Studio Haargenau“, „Haarfabrik“ oder sonstige schwachsinnige Namen ins Gewerberegister eintragen lässt, meinetwegen ein „Cutman“, der mir für 10 Euro die Zeit nicht stiehlt und die Haare nur kürzt.
Die Mama will…
Jetzt schrei ich leider meine kleine Nervschwester an und brülle: Lady Gaga spart auch den Friseur, weil sie über 20 Perücken besitzt!
Der wunde Punkt der kleinen Schwester Curly Sue ist getroffen, sie liebt Lady Gaga.
Ich bleib stur vor meinem Computer sitzen und google aus Langeweile die Bezeichnung „Friseur“ in anderen Sprachen. Auf japanisch heißt er „Rihatsushi“. Aha, das berühmte Haar in der Suimono-Suppe denk ich. Die Niederländer sagen „Kapper“. Praktisch, ich geh mal zum Kapper…Im russischen schneidet der „Parikmacher“ die Haare. Siehst du, Lady Gaga geht zum Russen!
Ich spiele mit dem Gedanken, aus reiner Bosheit und zur vorbeugenden Maßnahme, mir entweder eine Glatze schneiden oder eine Vokuhila-Frisur basteln zu lassen. Rasterlocken wären auch eine Alternative.
Mama…
Ich gebe mich geschlagen. Mache einen Termin aus mit dem Friseur meines Vertrauens, tröste mich mit der Vorfreude auf spannende Zeitschriftenlektüre und gute Gespräche.
Und wenn jemand darin eine Ironie erkennen mag, ist das völlig aus der Luft gegriffen.
Aber das kannst du deinem Friseur erzählen.

R. Eicher

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