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Schreibaufgabe – Runde 5

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Die Aufgabe der 5. Schreibaufgabe lautete:
Ihre Figur verliert vier Tage. Wo? Mit wem? Warum?
Hier sind die besten Beiträge:

Das Leben, wie es sein soll

„Das kann nicht sein!“ Lukas starrt auf den Kalender, von dem er jeden Tag ein Blatt abzureißen pflegt. Vier Tage fehlen. Er blättert vor und wieder zurück. Das Papier raschelt unter seinen Fingern.
Vermutlich ein Druckfehler. Vermutlich.
Erleichtert, eine plausible Erklärung gefunden zu haben, räuspert er sich. Die Welt ist wieder in Ordnung. Fehler passieren, nicht ihm, aber anderen. Schließlich ist es Sonntag. Er lacht. Im Gegensatz zu seinem Kalender weiß er den richtigen Wochentag.
Es muss im Leben geordnet zugehen, denkt er sich, während er den Kalender zum Altpapier legt. Unruhestifter haben in seinem Haushalt nichts zu suchen. Wieder beruhigt, schlurft er in die Küche. Es ist eine schöne, saubere Küche, spärlich möbliert, ohne Pflanzen oder anderen Schnickschnack, der nur vom Wesentlichen ablenkt. Er streckt sich ausgiebig, bevor er die Kaffeemaschine anstellt. Regen prasselt gegen das Fenster. Mit geneigtem Kopf lauscht er dem Geräusch, bevor er gemächlich zur Haustür schlurft.
Der Briefkasten ist weiß und sauber, so wie es sich für einen anständigen Briefkasten gehört. Der Anblick erfüllt Lukas mit Stolz. Wissen doch die Wenigsten, wie wichtig und schön das Schlichte ist. Lächelnd, mit der Tageszeitung ausgestattet, kehrt er in die Küche zurück. Keine Rechnungen, keine Briefe, nur eine Zeitung. So ist es Recht. Keine Schulden, keine unkalkulierbaren Risiken, nur die tägliche Information über das gesellschaftliche Treiben. Mehr braucht er nicht.
Der Duft von frischem Kaffee erfüllt den Raum. Lukas schenkt sich ein und nimmt auf einem Stuhl Platz, um die aktuellen Geschehnisse seiner Umwelt in Erfahrung zu bringen. Als sein Blick über das Datum schweift, erstarrt er. Vier Tage fehlen. Lukas presst die Augen zusammen, atmet tief durch und kontrolliert das Datum erneut. Doch die Zahlen bleiben unverändert.
„Das kann nicht sein!“ Er springt auf, so schnell, dass der Stuhl umkippt. „Was wird hier gespielt?“
Eine Stimme erklingt: „Ich habe dir deinen Wunsch erfüllt.“
Lukas zuckt bei ihrem Klang zusammen. Die Stimme wirkt vertraut und doch kann er sich nicht erinnern, sie jemals gehört zu haben. Er weicht zurück, bis er mit dem Rücken gegen die Küchentheke stößt. „Wer bist du?“
„Du musst einfach nur weitermachen und alles wird so sein, wie du es dir wünscht. Vergesse die verlorenen Tage, denn sie sind nicht länger von Bedeutung.“
Mit klopfendem Herzen sieht sich Lukas um. Niemand sonst ist in dem Raum.
„Bist du Gott?“ Er stellt die Frage und augenblicklich schämt er sich dafür. Schließlich weiß jeder, dass Gott keine Frau ist und die Stimme ist eindeutig weiblich.
„Nein, aber ich habe dich geschaffen.“
„Was?“
„Ich möchte, dass du glücklich bist. Aber ich habe einen Fehler gemacht.“
„Einen Fehler?“, fragt Lukas. Mit einer Hand greift er nach dem Kaffee und schüttet ihn in die Spüle. Sicherheitshalber. Vielleicht handelt es sich um genetisch veränderte Kaffeebohnen, die ihn dazu bringen, Stimmen zu hören.
„Wenn du es wünscht, schweige ich für immer. Ich dachte nur, ich schulde dir eine Erklärung.“
„Leide ich unter einer Geisteskrankheit?“
„Nein“, sagt die Stimme. „Dir fehlen nur vier Tage.“
Nervös knetet Lukas seine Hände. „Bist du dafür verantwortlich?“
„Ja.“
Nach kurzem Zögern entschließt sich Lukas weitere Informationen einzuholen, um später ausführlich mit einem Arzt darüber zu sprechen. „Was ist passiert?“
„Du hast dich verliebt.“
„Das kann nicht sein!“ Kopfschüttelnd betrachtet Lukas seine ringlosen Finger. Schon der Gedanke mit einem anderen Menschen Speichel auszutauschen… Widerlich! Seit der Pubertät empfindet er bei der bloßen Vorstellung einen solchen Ekel, dass er anschließend immer das Bedürfnis nach einer Dusche verspürt.
„Es ist aber passiert“, beharrt die Stimme. „Ich dachte, es würde dich glücklich machen. Aber ich habe mich getäuscht. Als ich sah, was diese Liebe mit dir anrichtet, wie sehr du vor ihr zurückweichst, fragte ich dich, wie ich es wieder gut machen kann.“
Lukas hört ein Seufzen, dann fährt die Stimme fort: „Du hast mich um dein altes Leben zurück gebeten, aber ich wusste nicht so Recht, wie ich es fortsetzen soll. Das Ergebnis ist diese peinliche Situation, für die ich mich ausdrücklich entschuldige.“
„Das ist ja wohl das Mindeste!“, sagt Lukas und wischt sich über die Stirn. „Ich möchte einfach nur meine Ruhe haben.“
„Wie du wünscht. …Tut mir leid.“
„Warte.“ Nachdenklich reibt sich Lukas über den Nacken. „Wer bist du und warum kannst du diese Dinge tun?“
„Du bist meine Schöpfung und dein Leben ist meine Geschichte. Doch die Entwicklung, die ich für dich vorsah, funktionierte nicht so wie ich es wollte. Also fragte ich dich, wer du wirklich sein willst und das hier ist deine Antwort.“

Sandra R.

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