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Schreibaufgabe – Runde 5

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Die Aufgabe der 5. Schreibaufgabe lautete:
Ihre Figur verliert vier Tage. Wo? Mit wem? Warum?
Hier sind die besten Beiträge:

Hallo, heute nur eine kurze Nachricht. Bin in Eile. Was Vorteile hat. Denn keine Zeit haben heißt auch: keine Zeit zum Essen. Wenn ich auf der Tastatur herumhacke, kann ich kein saftiges Stück Fleisch zerkleinern – so als Beispiel. Das ist von Vorteil! Für meine Figur. Für meine Gewinnchancen bei “JBSFW”. Nein, nicht was du denkst. Da wird kein Superstar gesucht (oder vielleicht doch?). Jetzt bist du neugierig, was? Also, “JBSFW” steht für “Jeder bekommt sein Fett weg”. Aber nicht wie bei den fiesen Castingshows im TV. Wir sind 50 Leute, die innerhalb zwei Wochen 15 Kilo abnehmen wollen – oder müssen, ein Super-Wellness-Wochenende winkt als Hauptpreis. Warum ich da mitmache? Stimmt, nötig wär’s nicht. Aber ich hab da kürzlich einen Typen kennengelernt – ganz süß, doch das ist eine andere Geschichte – na, jedenfalls dachte ich, ein wenig Fein-Tuning könne nicht schaden. Bis vor ein paar Tagen war ich auf dem besten Weg zum Sieg. Aber dann hat mein Chef mir einen Auftrag aufs Auge gedrückt, der alles kaputtmachen wird. Ich soll von einer Fressolympiade berichten – als Teilnehmer, damit’s authentischer ist! Ich bin jetzt den dritten Tag hier in Hinter…-frag-mich-nicht, morgen ist Finale und ich hab vier Kilo zugenommen. Ich sitze immer mit dem lokalen Favoriten (geschätztes Lebendgewicht 150 kg) an einem Tisch. Zum Schlechtwerden! Wie ich die verlorene Zeit wieder reinholen soll, die Pfunde loswerden – keine Ahnung! Ich muss zurück zum großen Fressen. Tschüss!

Petra Embacher

Hoppla, jetzt bin ich aber auf der Sprach-Couch gelandet. Die therapiewürdige Überschrift „ Ihre Figur verliert vier Tage.? Wo? Mit wem? Warum?“, lässt mich dort niedersinken.

Neulich fiel mir dieser Zettel mit dem Sprachfragment in die Hände. Warum ich mir diese Notiz fertigte, dass weiß der Geier. Was nutzt ein Erinnerungszettel, wenn ich mich beim Lesen nicht erinnern kann? Womit, mit wem sollte ich das in Verbindung bringen? Warum machte ich mir Gedanken?

Man muss sich nur zu helfen wissen. Also ab damit ins Sprachlabor. Dazu muss ich einen Abstrich dieser Textausscheidung einschicken. Unerwartet schnell erhalte ich die ernüchternde Antwort mit Diagnosehinweis.

Der Befund war positiv. Ich lese vor: „ Das von Ihnen eingesandte Textfragment ist im Sprachaufbau und Sprachvermögen unlogisch. Er führt in eine gedankliche Sackgasse ohne Wendemöglichkeit.
Die zur Analyse überlassenen Proben enthalten dadaistische Spurenelemente. Die Wahrscheinlichkeit mit dem nebulösen Sprachknorpel „Ihre Figur verliert vier Tage.? Wo? Mit wem? Warum?“ logische Konsequenz einzuhauchen, ist so sinnfällig als wollten sie mit einer Wanderdüne spazieren gehen.
Als erste Therapiemaßname empfehlen wir ihnen mit dieser Gedankenkarikatur bei einen Schreibwettbewerb vorstellig zu werden.“

Doch, mit dem Vorschlag könnte ich leben – sehr gut sogar…

Hans-Joachim Walter

Gerade aufgewacht ging mein Blick zur Armbanduhr. Sie zeigte zehn Uhr an. Damals vor circa 30 Jahren war die Digitaluhr noch nicht erfunden. Das Ziffernblatt umfasste zwölf Stunden. Der letzte Schrei war die Datumsanzeige, die für 24 Stunden den Kalendertag darstellte. Beim Rundgang durch die Wohnung fand ich in meinem persönlichen Kalender die Merkleiste im Sonntag vor. Habe ich wieder einmal irgend etwas vergessen? Wann kommt sie wieder? Was ist die nächste Mahlzeit, mit der ich rechnen kann? Auf meiner Werkbank, auf der ich ein bisschen der elektronischen Bastelei frönte, lagen ein paar Bauelemente und die handschriftlich Skizze einer Schaltung. Es sollte ein akustischer Schalter mit den damals im Handel erschienenen Transistoren werden. Ein Klatschen könnte das Licht im Zimmer ein- und auszuschalten. Dafür deutete nichts auf den Verbleib meiner Ehefrau hin. Erst am späten Nachmittag erschien sie. „Wo kommst Du denn jetzt her?“ „Von der Arbeit, natürlich.“ „Am Sonntag?“ „Wieso Sonntag, heute ist schon Donnerstag!“ Da sind mir wohl vier Tage verloren gegangen. Ich hatte am Sonntag meine Schwester zu ihrer Pferdesportgruppe begleitet. Dort war ich beim Ausritt vom Pferd gefallen und agierte seitdem nur noch wie im Halbschlaf. Nun konnte ich mich erinnern, am Donnerstag aufgestanden zu sein, seitdem befand ich mich auf dem Weg der Besserung. Ich weiß aber aus eigener Anschauung bis heute nicht, was alles an diesen vier Tagen mit mir beziehungsweise um mich herum passiert war.

Ro McGer

„Verdammte vier Tage!“ Weiter kam ich nicht. Meine Halsschlagader platzte, einfach so. Woher sonst kam das ganze Blut.
Kurts Augen schwammen im Weiß. Das linke guckte hoch, das rechte folgte. Als beide Augen gleich standen, zuckte sein Mund, als wollte er noch „Verfluchte Scheiße“ sagen. Dann rutschte er. Lag glotzend in einer roten Pfütze.
Ich warf den Kreisschneider gleich dazu.
Mein Hals schwoll ab. Oma erzählte oft, wie ungestüm ich als Junge war. Jeden Tag einen Tobsuchtsanfall, lächelte sie. Wenn die Lok wieder entgleiste, setzte ich sie nicht in die Spur, sondern warf sie durchs Zimmer und zerstampfte den Bahnhof noch dazu. Bald sah der übel aus.
Wie Kurt. Ich weiß, es ist nicht in Ordnung, dem Chef ein Fünf-Zentimeter-Loch in die Brust zu bohren, auch wenn das so nicht in der Betriebsordnung steht. Ich bin eben ein lebhafter Typ.
Tagelang hab ich die Fliesen verlegt. Vier Tage lang. Die Fliesen. Die scheiß hellen Fliesen mit den scheiß Blümchen in dem scheiß Gästeklo von den Neureichen. Die Ecken mit Silikon. Spüli auf die Finger und die Silikonwulst glatt streichen. Ausmessen und Zuschneiden, all das, mach das erst mal. Rings ums Klo musst du mit der Papageienzange an den Fliesen knabbern.
Und Kurt rennt wichtig rein und raus mit seinem Telefon.
Und grinst an Tag Vier: Die wollen kein Gästeklo mehr, die wollen jetzt mehr Wohnzimmer wegen dem Kamin, also abgerissen wird’s.
Grinst.
Ein Gutes hat die Sache: Sein Blut lässt sich super abwischen, auch von den Blümchen.

Angela Temming

“Meine Figur hat vier Tage verloren.”, sagte ich. Meine Freundin steckte sich einen Finger ins Ohr und schüttelte ihn hin und her.
“Hä?”, fragte sie dann.
“Wie soll denn deine Figur vier Tage verloren haben? Du meinst vier Kilo und selbst das hört sich eher merkwürdig an.”, meinte sie.
„Ist doch ganz einfach.“, antwortete ich.
„Wenn das so einfach ist, dann beantworte mir drei Fragen.“, verlangte sie.
„Wo hat deine Figur vier Tage verloren?“, lautete die erste Frage.
„Im Badezimmer auf der Waage.“, sagte ich.
„Mit wem hat deine Figur vier Tage verloren?“, war die zweite Frage.
„Na mit mir, mit wem sonst?“, wollte ich wissen.
„Warum hat deine Figur vier Tage verloren.“, hieß die dritte und hoffentlich letzte Frage.
„Pass auf, mein Diätplan sieht vor, dass ich pro Tag 500 Gramm Gewicht verliere. Am Montagmorgen wog ich 60 Kilo und am Donnerstagabend wog ich nur noch 58 Kilo. Also hat meine Figur vier Tage verloren.“, erklärte ich ihr stolz.
Meine Freundin biss verzweifelt in ein Kissen.

Patricia Appel

Erschüttert schaltete ich den Fernseher aus. Als Tierschützerin wollte ich nicht wahrhaben, was ich in einem Bericht verfolgt hatte.
Zwei Wochen später war ich auf dem Weg nach Südafrika und übergab in meinem Hotelzimmer angekommen 30.000,00 € an einen dubiosen Reiseführer.
Am darauffolgenden Tag fuhr ich mit drei Geschäftsmännern, einer Frau und Einheimischen zu einem geheimen Territorium.
Auf einer Lichtung angekommen, stiegen wir in einen völlig veralteten Lastwagen um, auf dessen offener Ladefläche wir zu den in der Sonne träge dösenden Löwen gebracht wurden.
Die Jäger übergaben uns Gewehre, Munition und wiesen uns in einem Schnellkurs ein. Gleich darauf trafen umherfliegende Geschosse die Körper der ahnungslosen Tiere, welche nur zu diesem Zweck zum Teil sogar aus deutschen Zoos hergeschafft worden waren.
Und obwohl es mir das Herz brach, tötete auch ich einen Löwen. Man klopfte mir auf die Schulter und ich ging zum Schein darauf ein. Die winzig kleine Kamera in meiner Spezialbrille konnte niemand sehen. Auch bekam keiner der Anwesenden mit, dass ich sämtliche Gespräche aufnahm.
Um diesen skrupellosen, geldgierigen Verbrechern das Handwerk zu legen, verlor ich mein Gesicht und war unendlich traurig, einem wunderschönen, schützenswerten König der Tiere das Leben genommen zu haben.
Am vierten Tag wurde ich ungeduldig von einem Reporter einer großen deutschen Zeitung am meinem Heimatflughafen in Empfang genommen. Ich übergab ihm das Beweismaterial und verabschiedete mich von ihm.
Seine tröstenden Worte vermochten meine betrübte Seele nicht beschwichtigen, immer wieder erschienen die Bilder von den getöteten Löwen vor meinem geistigen Auge.

Jutta Wölk

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