Die Aufgabe der 5. Schreibaufgabe lautete:
Ihre Figur verliert vier Tage. Wo? Mit wem? Warum?
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Zeitlos
Er gehört mir. Nein, ich lasse ihn mir nicht nehmen. Kein Wecker zwingt mich, treibt mich raus aus diesem Traum, zurück in die Realität. Nicht heute, an meinem ersten freien Tag. Überlange Zeiger einer riesigen Uhr, eingelassen im Mosaikboden vor einer mitteralterlichen Kathedrale, greifen nach mir. Ihre Arme legen mich sanft in die Mitte, wo ich bäuchlings liegen bleibe. Die Steine werden weich und durchsichtig, tragen mich wie Ozeanwellen. Bernsteinfarben umrandete Pupillenschlitze beäugen mich aus nächster Nähe. Plötzlich drehen sie sich, werden zu dünnen Lippen, lächeln mich an, flüstern: „Wir schenken dir Zeit.“
Ein Zirpen ertönt. Es hört sich an wie helle Stimmen: „Träume mich!“ Zahlen von 1 bis 24 tanzen in Spiralen um mich herum. Wörter erscheinen. Sie reiten auf Blitzen: Tag, Nacht, Zeit, gewonnen, verloren. Alles verschmilzt miteinander, sieht wässerig, verschwommen, hell dämmerig aus.
„Sei kein Zeitsklave! Bleib.“, flüstert mein Traum. Geräusche, Gerüche empfinde ich immer intensiver. Wie mit Teleskopaugen sehe ich durch den transparent gewordenen Steinboden dünne Fußabdrücke von Strandläufern im Sand. Es ist am tropischen Atlantik. Ich erkenne es wieder. Dring ein in meinen Wunsch, doch stiehl mir keine Gedanken.
Satzfetzen in Schallwellen fliegen auf mich zu: Urknall, Schmelzofen. Wechsel von Hitze und Eiseskälte. Universelle Massentrennung der Elemente. Auf die Erde fiel die Zeit. Abfallprodukt. In der Mitte eines Kleeblattes finde ich mich wieder. Wie in einer Mulde schaukel ich umgeben von riesigen, dicken Blättern. Jedes Blatt trägt ein Wort, in dunkelgrünen, feinen Strichen: Tageins, Tagzwei Tagdrei, Tagvier. Vier Tage ist es her? Verlorene Zeit? Nein, nur nach Maßstäben von Alltagstretmühlen.
Henriette Jorjan
Jetzt reicht’s!
Melanie wollte gerade in den Supermarkt fahren, als Peter anrief: „Schatz, ich habe fürs Wochenende Hungerbühlers eingeladen. Ich bin um fünf Uhr zu Hause. Dann fahren wir gleich los!“ Kein „Passt es dir?“ oder „Du hast doch nichts dagegen“. Was dachte sich Peter eigentlich? Verschwendete er auch nur einen Gedanken an die Mehrarbeit, die er ihr aufhalste, wenn er jede Menge Leute in ihren Ferienstall einlud? Ferienchalet nannte Melanie die primitive Bleibe im Goms nie: drei Zimmer, eine Rauchküche, das WC ein Verschlag 50 Meter vom Haus entfernt, statt fließendes Wasser ein Brunnentrog. Wer feuerte am Morgen ein und holte Wasser? Melanie. Wer kochte im beißenden Rauch Essen für die vielköpfige Schar? Melanie. Wer bezog die Betten alle paar Tage neu, weil neue Gäste aufkreuzten? Melanie. Und wer wusch anschließend das Bettzeug im Brunnen? Melanie. Während sich alle vergnügten, rackerte sie sich ab. Und niemand bedankte sich oder merkte gar, wie unglücklich sie dabei war. Und jetzt also die Hungerbühlers!
Melanie stieg in ihr Auto und fuhr am Supermarkt vorbei auf die Autobahn. Sie passierte die Grenze, rollte durch Frankreich, hielt vor irgendeinem kleinen Hotel und mietete sich ein Zimmer. Sie schrieb eine SMS „Mir geht es gut“ nach Hause. Ob Peter und die Kinder sie vermissten? Ob er Hungerbühlers ausladen musste? Ob sie gar alle zu Hause blieben? Der Gedanke machte ihr diebische Freude. Sie beschloss, den Aufenthalt zu genießen und ihre Familie mindestens vier Tage zappeln zu lassen.
Katharina Henzi
Die Familie traf sich wie immer an Muttertag bei den Eltern, um der geliebten Mama eine Freude zu machen. Franz war von solchen Treffen nicht so begeistert, doch ein wenig konnte er sich an dieser gezwungenen Geselligkeit schließlich ein auflockerndes Späßchen abringen. Er hatte seine Frau mit 3 Kindern beglückt, die sich offensichtlich auch noch im Erwachsenenalter verpflichtet fühlten, ihre alten Eltern an solch traditionellen Tagen zu beehren. Er hatte einen seltsamen Humor, der mit seinen zweideutigen Botschaften schnell falsch aufgefasst werden konnte. Es ist wirklich schwierig, herauszufinden, ob er seine Gäste mit dieser verletzenden Angewohnheit vergraulen möchte, oder ob er es tatsächlich nicht so meint, wie er es ausdrückte.
Nun hatten sie auch noch ein neues Date für den Vatertag 4 Tage später beschlossen und er konnte nur dazu grinsen. Als ob er es schon geahnt hätte, dass er die OP am nächsten Tag nicht so ohne weiteres hinter sich bringen konnte. Es sollte ein tennisballgroßes Geschwür an seinem linken Fuß herausgeschnitten werden. Ambulant – innerhalb weniger Stunden könnte er wieder zu Hause sein und am Vatertag könnten sie ihn alle bewundern, wie tapfer er war. Doch es kam unerwartet eine bösartige Entzündung dazwischen, die ihn 4 Tage lang an diesem elenden Ort, an dem man nur alte, kranke Menschen um sich hat, gefangen nahm. Außer seiner fürsorglichen Frau wollte er niemanden sehen. Was war das kleinere Übel? Familienrunde oder in diesem Lazarett?
Monika Karb
Tütenknödel
Sie klammerte sich an jenen Augenblick, grünkupfergelb und um die Iris ein brauner Rand. Hinter der geweiteten Pupille verbarg er sich feige im Dunklen. Sie wollte nicht sehen, wie er wirklich war. Wand sich wie ein schleimiger Wurm, glitschte davon.
Wie tot, nein schlimmer, nur taub, hin und wieder Krämpfe in den Waden während der Nacht, sonst nichts. Dem eigenen Herzschlag lauschen und sich vorstellen, wie es sein würde, nachdem der letzte gewesen ist, steif und bleich auf roten Rosen gebettet. Die andere hat ihn genommen, weil er es ihr gerne erlaubte. Der eitle Gockel wollte es noch mal wissen.
Er lächelt sie an, unerschüttert überzeugt von sich. Natürlich zeigt er weder Reue noch kommt eine Entschuldigung über seine Lippen, umspielt vom Spott? Hass ist tausendmal besser als gar nichts zu fühlen. Seine Marionette ist sie und die öffnet ihre Schenkel, auf dass er die Lücke zwischen ihnen schließe.
Wieder hat sie sich verloren. Gekämpft mit sich, gestritten, gerungen. Rausgeschmissen, fuck off! Vor dem Haus sitzt sie in der Frühe in eine Decke gewickelt, hält ihr Gesicht der Sonne entgegen. Warten auf den Weltuntergang, vier Tage nun schon, sogar rote Rosen gekauft, Tütenknödel essen und Mein Freund Harvey auf DVD angucken …
Astrid Weiss
Neben mir sitzt Malte. Die Arme vor dem Körper gekrümmt, die Kapuze seines Pullis tief im Gesicht. Sein Kopf ist auf den Brustkorb gesunken. Oft habe ich ihn so beobachtet. Auf Partys, auf der Heimfahrt im Zug. Immer wenn ich mich gerade fragte, wie er in dieser Haltung schlafen kann, ist er aufgeschreckt – hat erstaunt aufgeblickt, mich angelächelt.
Malte atmet nicht. Die Stille seiner fehlenden Atemzüge hat sich nervös über die dreieinhalb Quadratmeter der Kabine gelegt. Sie macht mich zornig. Eine stumme Aufforderung etwas zu tun, für das es schon längst zu spät ist: Die Augen zu öffnen, meinen Körper in eine sitzende Position zu bringen und Maltes Puls zu tasten.
Meine Aufmerksamkeit gilt der schwarzen Leere, die sich ausbreitet. In meinem Magen, meinen Kopf. Ich kann sie in meinem linken Fußzeh spüren. Ein Nichts, dass alles verschlingen will. Ich zwinge meine Gedanken zu fokussieren. Es ist einfacher, wenn ich mich auf etwas konzentriere, das nichts mit der schwarzen Leere zu tun hat. Die Wasserflasche in Maltes Rucksack. Malte wird das Wasser nicht mehr brauchen. Er hätte seinen Inhalator gebraucht – vor zwei Tagen. Als die Notfallbeleuchtung ausging.
Wie lange werde ich noch hier sein, bevor das Nichts mich verschlingt? Wie lange ist es her, seit… Drei oder vier Tage? Oder sind es nur Stunden, in denen ich bereits wahnsinnig geworden bin?
Das Nichts kriecht in mein rechtes Bein, löst dort einen tauben Schmerz aus. Der Boden unter mir bewegt sich. Stimmen, von denen ich nicht sagen kann, ob sie in meinem Kopf sind, oder außen. Aber sie müssen meiner Einbildung entspringen. In der Kabine sind nur Malte und ich. Und Malte wird nie wieder etwas sagen.
Und dann springt die Fahrstuhltür mit einem Ruck auf.
Carola M.
Montag. Tag geschafft. Müde. Ich will nur schlafen … schlafen … schlafen … Ich blinzele. Woher kommt plötzlich das helle Licht? Ach. Wo bin ich? Wo ist mein Bett? Jemand kommt auf mich zu. Hat einen großen Schlüssel in der Hand, lässt den Schlüsselring um den Zeigefinger kreisen … „Ich bin Petrus. Willkommen!“ Waaas? Petrus? Verwirrung im Kopf. Habe ich mich eben nicht schlafen gelegt? Petrus? Jetzt? Ich greife an mein Herz. Kein Irrtum. Es schlägt. Wieso Petrus? Was soll ich hier? „Petrus, was soll ich hier?“, frage ich verwundert „Dir deinen künftigen Wohnort anschauen? Mensch.“ „Schauen kostet nichts“, denke ich bei mir. Meine Augen werden größer. „Petrus, es gibt wirklich Klingonen?“ „Hast du gedacht, dass die Gene Roddenberry nur erfunden hat? Hahaha. Natürlich, Dummerchen, gibt es Klingonen. Ich kann dir auch mit Vulkaniern und Romulanern dienen. Dort, siehst du, dort ist einer von Alpha Centauri im Gespräch mit einem Narn.“ Naaarn? Ich greife mir an den Kopf. Träume ich? Wache ich? Bin ich wirklich bei Petrus? Gibt es dann auch Minbari? Schaut mir vielleicht ein Vorlone über die Schulter, ein Schatten? Erschrocken drehe ich mich um. Nein. Nur Petrus steht hinter mir. Ich atme auf. Einen Vorlonen könnt’ ich jetzt einfach nicht ertragen. „Gefällt es dir bei uns?“ Meine Nase kitzelt und ich muss kräftig niesen. Schwärze. Mein Bett. Habe ich etwa geträumt? Ich springe aus meinem Bett, stelle das Morgenfernsehen an: Und nun die Nachrichten für heute, Freitag. „???“
Petra Wilhelmi
Life before u
Strong über Disaster Recovery zu Input basic.
Die Revolution führt zu einer irren Hitze im Schädel.
Air controll jault Alarm.
Renne deshalb im Winkel auf 90° in die Parameter.
Auf Zero breitet sich der Gestank von verschmortem Fleisch aus.
Feature dh. die Konsole auf 70 slow.
Sample die Ränder ins Blickfeld.
Zoome die Statusanzeige.
Lasse den high-player Sauerststoff raunzen.
Schiebe hundert Lebenspunkte voll rein.
Blende die Umwelteinflüsse auf love.
Nagele den hangover auf Drive.
Zocke die medialkits ab.
Gebe ein call of duty.
Regeneriere den upper, tille den cut-browser, kille blacky über shooter.
Schiebe den in die Rechte – und baller die lebenden Blechbüchsen ab.
Das fünfte Mal heute schon, ey.
Und immer voll interaktiv aufs Fadenkreuz, das Blut.
Du Blödian, nimm die Basic höher, mault Sleeper, du gammelst einen nach dem anderen ins Teak!
Scheiß Verein, ich möchte frei sein, denke ich – frei…
Greife mir die F6 und rotze weiter Ferro.
Der Ausstoß reißt mir fast den Arm weg.
Output kreativ, meldet das System.
Hör sofort damit auf, wütet Sleeper.
Stopp now!
Over and out rattert basic seit 4 Tagen.
U know?
Michael Koehn
Die Aufgabe der 5. Schreibaufgabe lautete:
Ihre Figur verliert vier Tage. Wo? Mit wem? Warum?
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Donnerstags ziehen sie los, um einen neuen Couchtisch auszusuchen. Viel zu früh, aber Papa hat es so beschlossen. Bevor die freie Stelle im Wohnzimmer sie alle wahnsinnig macht, hat er gesagt.
Als ob es so einfach wäre.
Dies ist kein gewöhnlicher Einkauf, das weiß Robin, es ist ein Seelenhandel, der Versuch, sich von etwas zu lösen, das an ihnen klebt wie alte Kaugummireste. Tausche Kind gegen Tisch. Er kann es in ihren Gesichtern lesen, auch wenn sie es niemals zugeben würden. Dieser Junge gehört nicht zu uns!
Die Reihe mit Glastischen passieren sie mit gesenkten Blicken. Gläsern ist der Tod.
Er folgt seinen Eltern, starrt auf ihre hochgezogenen Schultern, und plötzlich erträgt er ihr Schweigen nicht länger. Ist es nicht vollkommen natürlich, seiner Schwester mal einen kleinen Schubs zu geben?
„Kommst du?“ Es ist Mama, sie steht zwischen all den neuen Möbeln und sieht fragend an ihm vorbei. Robin nickt und bewegt widerwillig seine Füße.
Es ist Donnerstagabend. Der vierte Tag.
Erst der vierte.
Birgit Böckli
Nun hatte sie endlich diesen Job bekommen, und jetzt ist sie dabei, ihn zu verpatzen.
Der Big Boss hatte ihr nach langem Zögern die Aufgabe zugeteilt, für dieses Jahr die 365 Tage (gerecht, wie er betonte!) auf der Erde zu verteilen. Anstrengen würde sie sich, genau und konzentriert arbeiten würde sie. (Es war doch kein Schaltjahr, oder??) So nervös und aufgeregt wie sie war, verhedderte sie sich gleich zu Beginn, schon bei er Übernahme des großen Netzes, in ihrem Jackenknopf (warum sind die Tage auch in einem Netz verpackt???), verfing sich an der Türklinke und stolperte über die Teppichfranse.
(Eigentlich ganz leicht, die Tage, werden sie erst schwer, wenn sie verteilt sind?)
Wo und wie fang ich jetzt an, überlegte sie. Urplötzlich, wie vom Himmel gefallen, stand Gabriel vor ihr, sie errötete schon bei dem Gedanken an ihn. Endgültig aus dem Gleichgewicht brachte sie die Frage, kann ich helfen, so selbstverständlich wie verführerisch gestellt. Ihre Füße verloren ein wenig die Bodenhaftung, die Hände, die das Netz umkrallten, ergaben sich in verheerender Verzweiflung einer Schwerkraft, die keine war.
Sind die Tage nummeriert? Sicher nicht, gab sie zur Antwort, ich verteile sie doch gerecht. Und dann merkte sie es, wollte es erst gar nicht glauben, heiße Glut kroch an ihrem Körper empor, schwarz vor Augen wurde ihr, das Blut zersetzte sich in sämtlichen Adern: es fehlten vier Tage!! Welch erbärmliche Blamage!
Und er sieht es jetzt auch, das Netz hatte ein Loch, ein verdammtes Loch, lieber Gott, was tust du mir an, schickst mir noch Gabriel, als Zeuge meines Unglücks, schick doch lieber ein Unwetter, das mich verschlingt…
Und das war das Ende ihrer Tage. Am folgenden Tag bekam sie die Kündigung.
Ricarda Eicher
Kurzurlaub
Sollte sie hineingehen? Die grobe Eichentür war angelehnt.
„Hallo? Ist da jemand?“
Nicola zögerte. Doch dann stieß sie die Tür auf. Ein lautes Knarren jagte ihr den Scheck in die Glieder.
„Hallo?“ – Nichts.
Nicola fasste sich ein Herz, ging in die Diele des Bauernhauses. Der Geruch – muffig,lehmig, feucht – katapultierte sie von jetzt auf gleich in ihre Kindheit. 30 Jahre zurück, schlagartig. Sie ging zögerlich, Schritt für Schritt geradeaus und spürte den unebenen Boden unter ihren Füßen. Ausgetretener Lehmfußboden. Sie zog ihre Schuhe, ihre Socken aus, wie damals. Barfuß setzte sie ihre Füße auf.
„Ist da jemand?“
Nicola erschrak. Verbarg sich hinter dieser brüchigen Stimme etwa?
„Tante Emma?“
„Wer ist denn da?“
Nicola ging weiter in die Küche.
„Mädchen. Nikki, bist du es?“
„Ja, ich bin es. Ich kam zufällig in diese Gegend und da dachte ich… “
“Komm näher, lass dich anschauen.“
Nikola ging weiter zum Küchentisch.
„Du musst wissen, ich bin fast blind, da musst du schon näher kommen. Dich schickt
mir der Himmel.“
„Hast du denn mit mir gerechnet?“
„Nicht mit dir direkt, aber ich habe auf einen Engel gehofft.“
„Das verstehe ich jetzt aber nicht.“
„Kannst du ein paar Tage bleiben? Karl rief an. Er ist unterwegs mit dem Lieferwagen und hatte einen Unfall. Bis der Wagen wieder flott ist, werden einige Tage ins Land gehen.“
„Ja weißt du… warum eigentlich nicht?“
Sie holte ihre Sachen aus dem Auto und blieb – blieb ganze vier Tage.
Heidi Hoppe
Die Frauentoiletten auf dem Flughafen „Reina Sofia“ sind alle überfüllt. Die Schlangen reichen zwanzig Meter weit. Ich gehe zu den Männern. Niemand der an den Pinkelbecken Stehenden protestiert gegen meine Anwesenheit. Nach vier Tagen sind sie daran gewöhnt, dass halbnackte Frauen die Plätze am Waschbecken belegen. Auch ich mache meinen Oberkörper frei und wasche mich unter den Armen. Die Seifenspender sind alle leer, deshalb drücke ich einen Klecks Zahnpasta aus der Tube und schäume ihn zwischen meinen Händen auf. Meine Achseln fühlen sich stoppelig an, doch dafür riechen sie nun mintfrisch. Die Papierhandtuchspender sind genauso leer wie die Seifenspender, und so trockne ich mich mit meinem T-Shirt ab, bevor ich es wieder überziehe.
Die Hand eines Typen klatscht auf meinen Hintern, als ich mir die Zähne putze. Er stellt sich so dicht neben mich, dass sich unsere Körper berühren. Ich stoße ihn weg, doch er lacht nur und sagt etwas auf norwegisch zu mir. Ich zeige ihm meinen Mittelfinger, er antwortet, indem er seinen Mund öffnet und seine Zunge hin und her bewegt.
Ich habe das Bedürfnis gegen irgendetwas zu treten, um meiner Wut freien Lauf zu lassen. Zwei der Spiegel sind bereits kaputt, auch eine der Klotüren hängt schief in den Angeln. So haue ich mit der Faust von oben gegen einen der Seifenspender. Doch er hält stand. Außer einer schmerzenden Hand hat diese Aktion nichts gebracht.
Verdammter Eyjafjallajökull! Ich will endlich nach Hause.
Angelika Bahr
Vier verlorenen Tage!
Nicht dass er im Koma gelegen hätte oder seine Zeit mit dem völlig nutzlosen Kälken seines Hauses verbracht hätte.( Nutzlos, weil zwei Wochen danach ein Hurrikan das Dach abdecken würde und alle Arbeit zunichte wäre).
Nein, er war Henry K.
Henry K. zu sein, hieß Abhängigkeit von der Lust und Laune seines Herrn.
Oder vom Wetter. War es gut, langweilte er sich alleine, war es schlecht, musste er Überstunden machen..
Oder von der Tageszeit. War früher Morgen, fühlte er sich frisch und sah erwartungsvoll in die Zukunft, war später Abend und sein Herr weinselig, wurde er hin- und hergeschaukelt durch die Ereignisse, die keiner sichtbaren Logik mehr folgten und ihn orientierungslos zurückließen.
Am schlimmsten aber waren die verlorenen Tage, die langen Wartezeiten in denen er wie erstarrt am Platz bleiben musste, egal wohin es ihn gerade verschlagen hatte. Er erinnerte sich an drei Wochen am Küchentisch, den Löffel in der leicht erhobenen Hand. Noch Monate danach plagten ihn Schmerzen und er versuchte Schlägereien aus dem Weg zu gehen.. Sie ließen sich natürlich nicht vermeiden und er gewann wie immer, aber es waren hart erkämpfte Siege.
Dieses Mal war er an einem südfranzösischen Strand zurückgelassen worden, bequem auf einer Liege, neben sich die übliche Schönheit, brünett und Gott sei dank intelligent. In vier Tagen bin ich zurück, hatte sein Herr gerufen, den Deckel auf die Schreibmaschine geknallt und ihn einfach da im Sand liegen lassen. Glück gehabt!
Ulrike Gruner
Das JulesVerne Spiel
Ziel ist es mit den Spielfiguren in 80 Tagen einmal um die Welt zu kommen. Mit dem Würfel werden die Tage nach erhaltener Augenzahl gegangen. Es können bis zu vier Spieler gleichzeitig antreten. Blau, Gelb, Rot und Grün. Natürlich gibt es Hindernisse zu überwinden. Absturz mit dem Heißluftballon heißt mindestens zwei Runden aussetzen. Zug oder Fähre verpasst eine Runde aussetzen. Ärger mit der Polizei bedeutet zwei Felder zurück. Sollten Sie aber in ein fremdes Gefängnis kommen, dann verliert ihre Figur in diesem Spiel vier Tage und sie gehen vier Markierungen rückwärts. Den nächstgelegenen Spieler nehmen sie ebenfalls mit, denn mit gegangen heißt mit gefangen.
Sabrina Bender



