Die Aufgabe der 4. Schreibaufgabe lautete:
»Meine Beerdigung …«
Hier sind die besten Beiträge:
Meine Beerdigung – nur ein Tag
ein Tag irgendeines Lebens
ein Leben irgendeines Wesens
ein Wesen irgendeiner Art
eine Art irgendeines Lebensraumes
ein Lebensraum irgendeiner Dimension
eine Dimension irgendeines Zeitraumes
ein Zeitraum irgendeines Tages
ein Tag irgendeiner Beerdigung!
S.Bender
Sabrina Bender
bei meiner beerdigung möchte ich gerne die gesichter sehen die nur was vorheucheln eine falsche liebe zu mir. werde versuchen nicht die tränen zu sehen die mich liebten und die ich liebte
britta khokhar
Die Beerdigung verlief im engsten Familienkreis. Meine Ehefrau und ich hatten sich gegenseitig auf eine anonyme Bestattung verständigt. Dies war die letzte Möglichkeit, als Deutscher in Deutschland beerdigt zu werden. Falls man nicht zu den Besserverdienenden gehörte. Dieses Thema hatte mich zu Lebzeiten schon sehr geärgert. Aber nun wird beides mit meinem Körper gemeinsam in die Erde gleiten. Ich erlebte die Zeremonie aus der Ebene zwischen Leben und Tod. Ich saß im Geäst eines der älteren Bäume des städtischen Friedhofs. Hinter mir begann der Tunnel, an dessen anderem Ende ein helles Licht auf mich wartete. Der Friedhofsmitarbeiter versenkte die Urne mit meiner Asche in dem vorbereiteten Loch mit den Worten: „Ruhe in Frieden“. In diesem Augenblick genoss ich die Worte. Das übliche „RIP“ hätte mich doch ein ganz kleines bisschen geärgert. Die aus meiner Ehefrau, meiner Mutter und meiner Schwester bestehende Trauergesellschaft verharrte noch einen Augenblick schweigend. Das schöne an solchen anonymen Bestattungen bestand im Wegfall einer Rede, bei der der Redner aus Bruchstücken etwas nie so wirklich richtig Zutreffendes zusammenfügte. Ein Pfarrer im alten Sinne, der den zu beerdigenden wirklich noch persönlich kannte, war ja in der heutigen Zeit zwischen Synagogen und Moscheen unvorstellbar. Dafür wurde beim Leichenschmaus die eine oder andere meiner wenigen positiven Seiten angesprochen. Mehr ist auch nicht notwendig. Die großen Lücken dazwischen waren schon beredend genug.
Ro McGer
Meine Beerdigung…..wird wohl hoffentlich noch lange auf sich warten lassen,
zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich endlich mein Idealgewicht erreicht habe.
Oder wiegt man tot evtl. sogar weniger als lebendig? Nun ja, keine Ahnung, aber 10 Kilo wird es ja sicherlich nicht ausmachen. Nee, ich will nicht fett und schwabbelig aufgebahrt werden, ausser ich liege in einem XXL-Doppelsarg mit Rainer Calmund. Neben ihm wirke ich dann bestimmt krachdürr, doch wie bringe ich den Kalli dazu am selben Tag die Äuglein zu schliessen an dem ich meinen letzten Atemzug hauche. Bin auch unschlüssig wie ich meinem Rudi beibringen soll, dass ich mich an den Kalli kuschele. Man könnte das ja dann eine Doppelschwabbelbeerdigung nennen, vielleicht gibt es in unserem Bestattungsinstitut Himmelhausen sogar Rabatt. Speckrollendoppelrabatt. Was habe ich nur wieder für einen Schwachsinn geschrieben, ich glaube ich knabbere jetzt lieber meinem letzten verbliebenen Lindthasen die Öhrchen ab, 100 Gramm, 544 Kalorien. Furchtbar, aber so lecker.
Doris Liebig
„Die Lena, die lädst du mir aber nicht zu meiner Beerdigung ein“, sagt Mutter zu mir.
Ich ziehe fragend eine Augenbraue hoch.
„Sie hat deinem Vater vor zwanzig Jahren mal schöne Augen gemacht.“
Ich kann mir gerade noch ein Schmunzeln verkneifen. Tante Lena war zeitlebens eine Matrone von 150 kg Lebendgewicht gewesen. Schwer vorstellbar, dass Papa bei ihr angebissen hätte.
„Und die Lucie will ich auch nicht dabei haben, die motzt nur wieder an allem herum: die Orgelmusik ist zu laut, der Pfarrer spricht zu leise, der Blumenduft bereitet ihr Kopfschmerzen und was weiß ich noch alles. Nee, diese Meckerziege soll mal schön zu Hause bleiben.“
Ich nicke ergeben.
„Und geht zum Leichenschmaus bloß nicht in das Café an der Ecke. Da haben sie so eine hochnäsige Bedienung. Hörst du – nicht das Café an der Ecke. Schreib es dir auf. Du kannst dir doch nie etwas merken.“
„Ja, Mutter“, sage ich und hole Stift und Papier. Es hat keinen Zweck mit ihr zu diskutieren. Milch, Eier, Filtertüten. Ich schreibe meinen Einkaufszettel für den Supermarkt und lasse sie in dem Glauben, dass ich mir Notizen für ihre Beerdigung mache.
„Und dass mir dein Vater hinterher nicht mehr als zwei Cognac trinkt, ja?“
Brot, setze ich auf dem Zettel hinzu und denke an Papa, Tante Lena und Tante Lucie, die alle bereits lange tot sind. Ich wische mir eine Träne fort.
Mutter hat es gesehen. „Ach, Kind“, meint sie und tätschelt meinen Arm. „Musst nicht traurig sein. Sterben müssen wir alle mal.“
Angelika Bahr
Meine Traueranzeige:
Ich bin nicht tot, sondern habe nur den Wohnort gewechselt. Über Besuche freue ich mich genauso wie zu Lebzeiten, zumal sie mich nun auch nicht mehr so nerven werden. Tante Erika, du kannst mir jetzt stundenlang von deinen Krankheiten erzählen, ohne dass ich gequält aufstöhne. Simone, du kannst mich weiterhin verbal angreifen – ich werde in Zukunft meine Klappe halten. Aber du, mein geliebter Mann, kannst nur noch das Bild an meinem Grabstein küssen und ich werde deine Küsse nicht mehr erwidern können. Das ist das einzige, das mich an meinem neuen Zuhause stört. Macht’s gut.
Patricia Appel
Einundzwanzig, zweiundzwanzig …. sechsundz….. der Sargdeckel wird geschlossen. Lea, meine kleine Grosse, du musst nicht traurig sein. Mir geht es gut hier oben. Geld braucht man keines.mehr. Seelen, die es mitnehmen wollten bekommen unten in der Hölle eine Chance. Sie müssen die Kohlen ins Fegefeuer werfen. Manche überwinden sich aber nie. Dann gibt es kein Entrinnen vom Pferdefuss mehr! Hallo, allerliebster Ex-Schwiegerpapa, fühle mich doch sehr geehrt. Klacks! Leo, ich bin nicht schuld. Die Taube dort oben war es. Ist aber lieb von dir, Eva, meine grosse Kleine, dass du deinem Onkel ein Taschentuch gibst. Ich weiss Susi, Schoggijoghurt sollte man auslöffeln und nicht für das Tapezieren einer Wand benutzen. Aber wenn deine Frau vor dem Kochherd steht, eine Scheidungsklage neben einem Joghurt liegt und du zum x-ten Mal Warum fragst und keine Antwort erhältst und merkst, dass du hinausgetrieben wirst in die kalte Welt. Schlussendlich haben Urs sein verantwortungsbewusstes Verhalten in einer Scheidung und all die anderen Bewahrungsanstalten nach Jahren so weit gebracht, dass er auf ein Brückengeländer gestanden ist. Was will ich denn noch, wem muss ich noch etwas beweisen, leck … Schön ist es, auf der Welt zu sein, sagt der Igel zu dem Stachelschwein, dröhnte es da aus einem vorbeifahrenden Auto. Da hat er sich besonnen und wollte auf die Strasse zurückspringen. Wäre da nicht eine Wespe gewesen. Er verlor das Gleichgewicht – nach fünf Sekunden war alles vorbei.
Walter Bühler



