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Schreibaufgabe – Runde 3

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Die Aufgabe der 3. Schreibaufgabe lautete:
»Ihr erstes Buch – eine fiktive Literaturkritik«
Hier sind die besten Beiträge:

So nicht!
Wenn der Erstling eines unzerschriebenen Dichters mit diesem Satz beginnen darf, dann darf es auch diese Rezension.
So nicht! Ist gleichsam der Titel des erwähnten Werkes und steht, soviel sei verraten, für den Inhalt mehr als gerade.
Mit dem Protagonisten, der icherzählend – und also mit jeder Empfehlung für einen Erstling brechend – durch die Stadt irrt, sich enerviert über die Gepflogenheiten seiner Mitmenschen, die in S-Bahnen Musik aus Mobiltelefonen scheppern lassen und Spuckbatzen an Fäden zum Boden abseilen, haben wir uns einer 500 Seiten starken Schimpfkanonade auszusetzen. So nicht! ist in der Tat eine Stalinorgel des schlechten Geschmacks, dem Leser bleibt nichts anderes, als das hoffentlich ausgelesene Buch auf immer in den Tiefen des Bücherregals zum Fliegenbeschwerer abzukommandieren. Und wie es beginnt, so endet es: So nicht!

Daniel Disler

Kommissar Franz Marbass ist ein gerechtigkeitsliebender Mensch und idealisiert die Frauen gar sehr. Der Autor Bert Luerwahl aus Kleinwil belebt in seinem dritten Kriminalroman mit Kommissar Franz Marbass und Max Lieberherr eine trivialen Fallen. Nebst dem alltäglichen Gleicherlei, dem Aufstehen und Arbeiten müssen, finden die Kurzgeschichten vom Lieberherr anklang.
Gesellschafts kritisch, hinterfragend und denke sehr autobiographisch. Diese Texte mögen polarisieren, Schildbüger konfrontieren. Für mich beleben sie den Literaturbetrieb, geben dem wohl besten Krimiautor der Deutschschweiz doch eine besondere Note. Mit seiner Verkaufstaktik, ansprechen der Leute auf der Strasse, auch ich gehöre zu einem vermeintlichen Opfer, mit seiner Art hat mich der Autor zum Kauf des Buches anmachen können. Gefallen hat er mir – gefangen und abgeholt in der trivalen Lebendigkeit seiner geschriebenen Worten. .

Walter Bühler

Wer wissen will, wo er das beste Steak oder das bequemste Hotelbett in Frankreich findet, falls das in Frankreich überhaupt möglich ist, der sollte das Buch nicht lesen. „Bonjour Frankreich“ ist das andere Reisebuch. Die Bretagne, die Provence und das Elsass werden darin im Stil einer Landschaftsmalerei nachgezeichnet. Stutzt man beim Prolog über die kitschige Sprache, bemerkt man nach dem erste Absatz, welche Absicht dahinter steckt. Gemeinsam ist allen drei Teilen der Aufbau. Die Autorin nutzt die Tagebuch- und die Briefform zum Berichten über das Erlebte. Jede Region wird durch ein paar typische Kochrezepte und einer Kurzgeschichte zusätzlich charakterisiert. Die Autorin bevorzugt im 1. Teil „Im Herzen die Bretagne“ vor allem die Landschaftsmalerei und kombiniert sie mit Betrachtungen über Gott und die Welt. Im 2. Teil „Wilder Rosmarin und schwarze Stiere – die Provence“ setzt sie diese Landschaftsmalerei fort und bringt uns zusätzlich Geschichtliches Näher. Sie spannt Bögen mittels der Familie Rohan von der Bretagne in die Provence bis ins Elsass. Ihre Betrachtungen legen den Finger in offene Wunden unserer Zeit. Im 3. Teil „Flamkuchen und Baeckaoffa – das Elsass“ widmet sie den deutsch-französischen Kriegen breiten Raum. Fiktive Personen lassen uns den Wahnsinn des Krieges fast körperlich erspüren. „Bonjour Frankreich“ ist für Leser geschrieben, die das Rauschen des Meeres, das Brüllen der Stiere und Mittelalterliches im Jetzt erleben wollen, hautnah und fantasiereich.

Petra Wilhelmi

Schade, ich war nicht der Wirt. Bei mir wär sie rausgeflogen. Wem wird heute, wo jeder Pfennig, pardon Cent! zählt, gestattet, eine einzige Tasse anzustarren, hundertzwölf Seiten lang! Nichtmal den Mantel hat sie ausgezogen. Aber jede Einzelheit wird mit Abscheu beschrieben. Aversion, die Liebe zum Detail? Ekelmetapher, Selbstkasteiung im Szenebistro? Über drei Seiten breit getreten. Nichts passiert. Da sitzt sie, die Protagonistin, starrt vor sich hin. Seitenlang. Ängste in Gedanken verpackt. Sind keine da, macht es ihr Angst (Gott sei Dank) ein Beschwerdegrund. Die alte Leier, was gewesen wäre, hätte sein können, wozu der Mut fehlt, gefehlt hat. All das muss das leidgeprüfte Buch aushalten. Nicht nur der Einband könnte reißen, auch der leserliche Geduldsfaden. Nichts bewegt sich, außer einer Hand, die ab und zu zur Tasse greift. Als sie leer ist, gerät die Protagonistin fast in Panik im letzten Drittel auf Seite zweihundertvierundfünfzig. Gleich einer Ameisenplage wimmelt es von Konjunktiven. Sie fechten imaginäre Wortgefechte, treten um sich in Karatemanier, schneiden tiefe Wunden in die Muttersprache; das Unaussprechliche wird als f mit Pünktchen versteckt, trendy verniedlicht. Nur, weil er, der große Unbekannte nicht erscheint, wieder mal nicht. Zum wievielten Mal? Seinen Namen bekommt er auf der letzten Seite. Wer will das (jetzt noch) wissen? Bitte lies nur, aber schreib nicht. Nichtmal Tagebuch!

Henriette Jorjan

Obwohl es ein tiefschwarzes Thema abhandelt, geht es farbig zu im zu rezensierenden Text, welcher sich spektakulär „Der dunkele Gehilfe“ nennt. 12 Berufs- gleich Lebensjahre eines Bestattungsgehilfen werden hier auf gut 200 Seiten thematisiert.
Man betritt eine Gemütsdunkelkammer, in der immerhin ein paar schwach flackernde Kerzen Hoffnungsschimmer auf diversen Trauerfeiern verbreiten. Wir ahnten es schon, aber nach der letzten gelesenen Seite, weiß man, dass das Leben ein Genussmittel ist. In dem Sinne liegt hier gleichsam ein Erinnerungs- und Mahnschreiben vor.
Dieses ohne Sicherheitsabstand zum Todesgeschehen verfasste Werk, ist kein billiger Gänsehautkatalog. Einfühlsam, sensibel gepaart mit sachlich pathologischem Blick, werden die (Leichen)Schauplätze abgeschritten.
Wer anderen eine Grube gräbt, der muss ja nicht unbedingt ein Bestatter sein. Gewiss, nur zu leicht kann man reinfallen. Jedoch nicht hier. Vielmehr wurde vom Debütanten tief gegraben und dabei interessante Sprachsedimente freigelegt, Bodenschätze der Wortgestaltung gehoben. Halt ein tiefer Blick in die Zukunft. Hier steht es schwarz auf weiß.
Wir sind sicher, ja todsicher, dass das letzte Autorenwort noch lange nicht von ihm geschrieben wurde. Deshalb rufen wir ihm zu: „Weiter graben – bis zur nächsten Sprachgoldader.“

Hans – Joachim Walter

Und wieder erschien ein neuer Ladenhüter in der bunt schillernden Welt der Buchhändler. Als BOD wird es ja erst bei Bestellung gedruckt. Ein Glück für die Wälder, die uns nun erhalten bleiben. Das Erstlingswerk von XY befasst sich mit einer „Krypto-Konnektion“. Die Elektromeister einer idyllischen Gegend hinter den großen Wäldern praktizieren ein kartellähnliches Verhalten und niemand merkt es. Muss darüber gleich ein Buch geschrieben werden? Ein kurzer Artikel in der jeweiligen Ortszeitung hätte doch gereicht. Die gut bezahlten Beamten im Kartellamt werden dieses Buch nicht lesen, auch diese Literaturkritik wird unerkannt bei ihnen vorbei schleichen. Die im Buch angerissenen Themenbereiche lassen sich vielleicht noch als „Wirtschaftskrimi“ in der großen Datenbank der Weltliteratur abhaken. Das Thema reißt also niemanden aus dem Sessel hoch. Die schriftstellerische Qualität auch nicht. Die Art und Weise der Darstellungen versprühen den Scharm einer Bedienungsanleitung. Die Hoffnung, dass es beim Zweitwerk besser aussehen könnte, stirbt nicht. Sie entsteht bei allem Optimismus erst gar nicht. Die handelnden Personen charakterisiert sich durch ihre Handhabung der Verschlüsselung ihrer E-Mails. Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts hinter einer Geheimschrift zu verbergen. Wenn der Käufer ein Wochenende für das Lesen genutzt hat, kann er auf die bei einem Krimi übliche Frage in der bekannten Weise antworten: Wer wurde denn nun umgebracht? – Niemand, nur ein Wochenende!

Ro McGer

Wer oder was bringt die menschliche Psyche dazu, krankhafte Fantasien in der Realität auszuleben?
Die vierzigjährige Karriere- und überzeugte Singlefrau Carina Jansen lernt in einem Chatroom Uwe Heinrichs kennen. Bei ihrer ersten Begegnung mit ihm stellt sie hocherfreut fest, einem echten Gentleman der alten Schule gegenüberzusitzen. Sie erliegt seinem Charme und verliebt sich in ihn.
Scheinbar will jedoch eine Unbekannte das junge Glück zerstören. Wer ist die geheimnisvolle Frau, die ihnen nachstellt und stets an Schauplätzen auftaucht, an welchen gerade schreckliche Ereignisse stattfinden?
Mysteriöse Kurznachrichten und Uwes merkwürdiges Verhalten, welches er nur wenige Wochen nach ihrem Kennenlernen an den Tag legt, lässt sie an seiner Liebe zweifeln. Um ihr spät gefundenes Glück zu retten, macht sich Carina auf die Suche nach Hintergründen und entdeckt ein erschreckendes Geheimnis.
Die ansteigende Spannung hält die Leser in ihrem Bann gefangen. Einmal damit begonnen kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Der Autorin ist es gelungen, den Inhalt so plastisch und real darzustellen, dass es ein Leichtes ist, die fesselnde Story vor dem geistigen Auge zu verfolgen.
Ein unbedingtes Muss für jeden Fan des Psychothrillers!

Jutta Wölk

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