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Schreibaufgabe – Runde 3

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Die Aufgabe der 3. Schreibaufgabe lautete:
»Ihr erstes Buch – eine fiktive Literaturkritik«
Hier sind die besten Beiträge:

Der Debütroman „Warum schämt sich das Ferkel so?“ unter dem Pseudonym „Rosa Schlüpfer“ erschienen – mal ehrlich, wer sich freiwillig einen solchen Namen aussucht, kann ja nicht ganz schussecht sein – ist eine handwerkliche Katastrophe. Von Anfang bis Ende – das allerdings konsequent durchgehalten – reiht sich ein Kapitalfehler an den nächsten. Die Erzählperspektive wechselt rasant reihum, dagegen ist das Gereier nach dem Genuss von alten Fischbrötchen eine Kur. Was einen Spannungsbogen auszeichnet, ist der durchgedrehten Autorin ebenso fremd wie dem Autofahrer das Stopp-Schild, die gute alte Groß- und Kleinschreibung ein Affront gegen die künstlerische Freiheit und die delikaten Details über einen gewissen Gas Herd und mutmaßlichen Beifahrer von besoffenen Bischöfinnen, ein gefundenes Fressen für eine einstweilige Verfügung vom Anwalt. Alles in allem – noch viele, viele geile Romane will ich von dir lesen, Rosa Schlüpfer, du Alptraum aller hässlichen Besenreiser! Ach so, warum schämt sich das Ferkel denn nun so? Seine Mutter ist ne Sau. Schon gut, ich gebe es zu, der flaue Kalauer stammt von mir. Liebe Grüße, eure Rezensentin.

Astrid Weiss

Ausfahrt Langeweile
In seinem Debutroman “Head Tag” kommt Piet Rosengrün auf eine literarische Tradition zurück. Der Langeweile,
Helene Hegemann. Nicht langweilig. Stephenie Meyer. Nicht langweilig. Lesen entspannt. Pustekuchen. Die aktuelle Bestsellerliste – aktuell mit dem nervenzerfetzenden Voyeur von Beckett als Neueinsteiger – liest sich wie eine Abenteuerreise.
In einer ganz anderen Tradition verortet sich dabei “Head Tag” vom isländisch-deutschen Traditionsautor Piet Rosengrün. Der erste Roman von Rosengrün, der vorher Heldensagas und postmoderne isländische Lyrik ins italienische übersetzte glänzt durch Langeweile.
Die Worte und Sätze Vorhersehbar. Die Liebesgeschichte – Horehildur trifft Rangna auf einer Wanderung und sie verlieben sich und gehen auf einen Ponyausritt – banal und ohne Höhepunkte.
Rosengrün schafft mit Belanglosigkeiten, was anderen Autoren entglitten ist: Gähnende Leere, die aber das Blättern erst zur Lust macht. Denn. Rosengrün stellt geschickt den literarischen Habitus der Gegenwart ironisch augenzwinkernd in Frage. Und bei aller Langeweile: Das ist aufregend.

Piet Rosengrün

Dieses Erstlingswerk ist wie ein Feuerwerk. Laut, bunt, überraschend und leider viel zu schnell zu Ende.

Andrea Meyer

Man nehme einen jungen Mann aus gutem Hause, verwickle ihn in eine Rauferei unter Gleichaltrigen, verpasse ihm daraufhin Jugendarrest. Im besten Fall kommt ein Buch heraus: BIG REDSTA alias Martin Roth, Puzzle forever, Hauser Verlag München 2001. Der Rapper musste einst mit nichts bewaffnet als Trainingsjacke, Sneakers, Stift und einem Stapel Papier für ein langes Wochenende einrücken, statt sich wie geplant auf einem Jam mit anderen Aktivisten zu connecten. Und er wusste die Zeit zu nutzen. Vielen ist Einsamkeit der größte Feind, nicht so Martin Roth. Die Wahrheit, die er für sich reklamiert, ist lauter als alles, was anderen die Sprache verschlägt. Im Kerker dokumentierte der eingefleischte Hiphopsoldat in feurigen Rhymes den Zusammenhalt von MCs, DJs, B-Boys, Writer, Beatboxer und Producer seiner multikulturellen Crew, die an Vielfältigkeit und Glanz nicht zu übertreffen ist. So setzte er seiner Posse ein wortgewaltiges Denkmal. Doch nicht nur das, denn „REDSTA, der Texte auf Tracks taggt, packt jeden, der den Rap checkt“.

Helga Blum

Katharina hat ihr Haus für ein Jahr mit einem italienischen Professor getauscht und versucht nun ihren Rückkehrschmerz mit Schwimmen und einem Schreibseminar – sie soll dort eine Kaffeemaschine beschreiben – zu kompensieren. Uwe, der Personalleiter, versucht beim Schwimmen seinen Kummer und Ärger über die vielen Entlassungsgespräche herunterzuwaschen. Und Jakob entwickelt beim Schwimmen die Idee, endlich seinen Traum umzusetzen.
Früher, als junger Mann, ist es Jakob Maas´ Traum gewesen, Journalist zu werden. Statt im Hörsaal hat er aber mehr Zeit im Café verbracht und bei Ruth, seiner späteren Frau. Nun ist das Café verkauft und Jakob vertreibt sich seine Zeit mit Spaziergängen. Und hierbei entdeckt er eines abends, auch mithilfe der neugierigen Nase des Nachbarhundes Felix, das Loch im Zaun zum Freibad und die Gruppe der Schwimmer. Begeistert von dem Gedanken, heimlich in die Dunkelheit zu schwimmen, klettert Jakob ein paar Abende später selbst durch den Zaun und lernt so die Nachtschwimmer näher kennen, die er irgendwann darum bittet, ihre Geschichten aufschreiben zu dürfen.
Entstanden sind zehn Porträts über Menschen in ihrem Alltag, über ihre Wünsche und Träume, ihre Probleme. „Nachtschwimmer“, der erste Roman der Autorin Ute Brand, bietet keine Action, keine immer coolen Charaktere, dafür aber manchmal eigenwillige, manchmal kluge Porträts über Menschen, die zwar abends durch einen Zaun klettern, sonst aber das ganz normale Chaos ihres Lebens bewältigen.

Claudia Pütz

Ohne Zweifel möchte das Buch gern gekauft werden. Die rohe Leber auf dem Umschlag, der Rotwein und das scharfe Besteck im Widerschein eines Monitors. Aber möchte das Buch auch gern gelesen werden?
Fünfhundert Seiten destruktive Kritik, Lohscheidt liefert nichts als eine wüste Polemik gegen ein Werk, dessen Existenz überhaupt fraglich scheint. Wir kämpfen uns durch eine Rezension eines (ersten?) Buches, das in dreister Weise ungenannt bleibt, durch eine Literaturkritik, die vielleicht auf nichts fußt als auf einer Fiktion.
Wozu?
Nehmen wir einen Schluck von dem Rotwein und seien wir ehrlich. Wir lassen uns auf alles ein in dieser Branche. Wir nehmen ernst, was uns ernsthaft erscheinen lässt, zuletzt materialisierten wir Intertextualität. Warum es also nicht wie Anne Lohscheidt machen und ein Buch kritisieren, das wir nicht nur nicht kennen, sondern von dem wir nicht einmal wissen, ob wir es kennen könnten.
Heben wir Messer und Gabel und fangen an, noch hier und heute, über dem zugeklappten Werk. Und reden wir darüber mit vollem Mund! Denn das ist es, was das Buch am liebsten möchte: besprochen werden.

Anne Lohscheidt

„L(i)ebe lieber ungewöhnlich“, so heißt das Erstlingswerk der Autorin Amy Fliederkäp. Ein weiterer Liebeskitschroman, mag man denken. Doch ganz so einfach ist es nicht.
Amy Fliederkäp schreibt von der Begegnung, Annäherung und Liebe zwischen Lena, die Schauspielstudentin und durch die Behinderung namens Glasknochen Rollstuhlfahrerin ist und Nico, der Mukovizidose hat.
Das klingt sehr tragisch, nicht wahr? Doch Amy Fliederkäp gelingt es, die Beziehung zwischen Lena und Nico in einer ausgewogenen Mischung aus Leichtigkeit und schonungsloser Offenheit zu beschreiben. Ängste und Hoffnungen, Träume und harte Realität, alles findet hier seinen Platz.
Zugegeben, manchmal bewegt sich die Autorin hart an der Kitschgrenze und überschreitet diese auch. Wenn sie z. B. beschreibt wie Nico Lena bei ihrer ersten Begegnung zum Tanzen auffordert und dabei einfach alles genau richtig macht. Andererseits machen gerade diese Momente den besonderen Zauber der Geschichte aus, denn hier können sich wohl viele Leser in ihren Sehnsüchten wiedererkennen. Letztlich macht dieser Roman einfach Mut: Mut das Leben und die Liebe zu leben, so widrig die Umstände auch erscheinen mögen. Schließlich leben wir nur einmal und es kommt sowieso immer anders als man denkt. Lassen sie sich überraschen! Bleibt nur noch zu klären: Wer versteckt sich hinter dem Pseudonym Amy Fliederkäp? Wer sich einwenig in der Kulturszene auskennt wird auch diese Frage nach den ersten Seiten des Romans leicht beantworten können.

Jana Zöll

Nach Beispielen wie Mimosa Mein, Benjamin Lebert und jüngst Helene Hegemann kann man von dieser 26 Jahre alten Autorin kaum noch als jung sprechen. Eine Debütantin ist sie trotzdem, ihr erster Roman liegt vor und ich nehme es gleich vorweg: Es ist kein Anwärter auf den Preis der Leipziger Buchmesse oder den Deutschen Buchpreis oder sonst eine noble Auszeichnung. Dafür ist das Buch noch zu ungelenk, an vielen Stellen zu unsicher auf den Beinen. Eine Entdeckung ist es allemal: Denn kaum ein Autor unserer Zeit hat mit solchem Humor und solcher Zielsicherheit die Schwachstellen menschlicher Charaktere aufgezeigt und zugleich ins Positive gewandelt. Die Figuren des Romans sind mehr als nur dreidimensional, sie sind menschlich im treffendsten Sinne dieses Wortes, und in ihrer Menschlichkeit erstaunlich. Ein fazit gibt es nicht in diesem Roman, dafür aber Genuss an den Menschen in Reinform.
Diese junge Frau mag noch arbeiten müssen an Handlungsaufbau und Stringenz, an sprachlicher Originalität und Klarheit, aber schon jetzt besitzt sie die Gabe des Verstehens ihrer eigenen Spezies, und das lässt hoffen: auf mehr und noch schönere Bücher.

Kati Fräntzel

Ein Buch zu schreiben war mir nie ein Bedürfnis. Doch die Umstände machten es mir zu einer Notwendigkeit. Schuld daran waren meine Kinder. Wir lebten in verschiedenen Welten und hatten lange, wirklich lange keinerlei persönlichen Kontakt zu einander. Doch dann war es an der Zeit einzugreifen, da sie dringend meine Hilfe benötigten. Ich gab mich einem meiner Söhne zu erkennen und bestimmte ihn zum Kontaktmann. Natürlich habe ich an meine Hilfe einige Bedingungen geknüpft, doch trotz mehrerer Beweise meiner Macht und meines Einflusses, waren sie nicht gewillt diese zu erfüllen. Erzürnt über soviel Ignoranz und Missachtung meiner Autorität habe ich …
Eine Biographie des Autors Propitius Deus könnte so beginnen, doch er beschränkt sich in seinem Erstlingswerk auf die Vermittlung seiner hohen moralischen Ansprüche: Abhängigkeit , Missbrauch , Zwischenmenschliches , Generationenvertrag, Todesstrafe, Diebstahl, Lüge und Begehren sind seine Themen. Sein erstes Buch beschert uns ein sehr kurzes intensives und mit Sicherheit polarisierendes Leseerlebnis, dass Raum für viele Spekulationen lässt. In einem überwiegend gehobenem Gegenwartsdeutsch geschrieben, uneinheitlich, mit Eigentümlichkeiten, die vom programmatischen Bemühen um eine gerechte Sprache herrühren, wird dieses Buch mit Sicherheit in die Geschichte eingehen

Joachim Kübler

“Ihr erstes Buch” so der einfache Titel der Autorin ist in der Tat ein bescheidenes Werk. Der Beginn, was man der Schriftstellerin zu Gute halten muss, ist packend, sogar spannend und man ist tatsächlich gewillt, bis ans Ende durchzuhalten. Aber, und jetzt kommt das grosse ABER, leider schafft man es nur mit Mühe und in meinem Fall nur, weil ich für die Kritik an Neuerscheinungen bezahlt werde.
Der Autorin ist es leider nicht gelungen nach einem fullminanten Start, die Leser bei der Stange zu halten. Es fehlt an Ueberzeugungskraft, Logik in der Abhandlung und vor allem an Herz. Der Leser will ein Teil der Erzählung werden, nicht ein stummer Zeuge. Zudem bereiten die doch recht komplizierten Namensgebungen der Buchheldinnen, Strassen und Orte Mühe und verwirren den gewillten Leser zusätzlich.
Es bleibt zu hoffen, dass ihr erstes Buch auch ihr letztes sein wird.

Christa Zemp-Müller

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