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Schreibaufgabe – Runde 2

Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:

Morgens husche ich an ihrem schwarzen formvollendeten Körper vorbei, betätige den Knopf an ihrem Fuß und erwecke sie zum Leben.
Kurze Zeit später verbreitet sich ihr aromatischer Atem und treibt mein Innerstes an, Glückshormone ausschütten, welche mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Ihr wohlduftender Schweiß tanzt durch die Räume und verwandelt die Umgebung in eine Oase – ich kann es kaum erwarten.
Magisch zieht sie mich an! Vorsichtig trenne ich ihren gläsernen Leib von dem stählernen Rückgrat und gieße den Lebenssaft bedächtig in das hauchdünne Porzellan – dabei spüre ich die Sinne in mir erwachen.
Und wenn ihr Blut durch meine Kehle rinnt, schließe ich die Augen und weiß, ich bin ihr verfallen.

Jutta Wölk

Staub hat sich auf dem Deckel angesammelt. Habe mir schon lange so keinen Kaffee mehr gebraut. Damals war es ein morgendliches Ritual. Vor dem Duschen, oranges Badetuch um meine Taille, habe ich Wasser unten eingefüllt, in den Trichter Kaffeepulver gegeben, den Oberteil an den Unterteil geschraubt und die italienische Kaffeemaschine auf die Herdplatte gestellt. Währenddem ich nun das Nass über meinen Körper prasseln ließ, stiegt das Wasser ein Röhrchen hinauf, wurde mit Druck durch das dunkelbraune Pulver gedrückt, sprudelte unter dem Deckel heraus und lief an der Innenwand des Oberteils herab. War der Kaffee fertig so zischte es. Einmal zischte es nicht, auch den Geruch des Kaffee nahm ich nicht war. Als ich mit nassen Haaren in die Küche trat – mein Gott überall Kaffeesatz. Seither benütze ich die Maschine nicht mehr. Einen Ehrenplatz hat sie dennoch erhalten.

Walter Bühler

Meine Kaffeemaschine ist nicht freundlich. Sie weigert sich jüngst immer wieder, mich mit Kaffee zu beglücken und schenkt mir stattdessen allmorgendlich eine Brühe, die als Kaffee zu bezeichnen eine Beleidigung wäre. Eine Beleidigung für den Kaffee versteht sich. Aber beleidigt bin auch ich, denn was bildet sie sich eigentlich ein. Hab ich sie nicht jahrelang ausgehalten. Habe mich ihren Launen gebeugt, sie gehätschelt, gehegt und gepflegt. Habe nie ein Wort darüber verloren, wenn sie sich mir verweigerte. Habe nichts gesagt, wenn mittags sie schon nicht mehr in Gang kam und abends nicht einmal ein müdes Lächeln für mich übrig hatte. Nie habe ich mich beklagt. Auch dann nicht, als immer deutlicher wurde, wie beschissen ihr Kaffee war. Besuch sagte nach einer Tasse immer rasch, nein, vielen Dank und: so viel Kaffee trinke ich gar nicht. Und ich selbst verspürte nicht selten ein ungutes Würgen, nach dem Genuss ihres Gebräus, dass sie selbst aber stets für die ultimative Innovation der Kaffeekunst hielt, besonders nachdem sie ein paar Jahre in Sydney gewesen war und dort gemeinsam mit einem erfahrenen Barista gearbeitet hatte.
Letzten Sonntag reichte es mir. Ich bat sie höflich, sich aus der gemeinsamen Wohnung zu entfernen und nicht mehr wiederzukommen. Sie nickte nur und war schon am nächsten Morgen verschwunden. Seitdem trinke ich Tee. Grünen, Second Flush aus den Ngong-Bergen. Den gieße ich selbst auf und zwar wann ich will. Bloß schmecken tut er nicht. Aber man kann ja nicht alles haben.

Jule Elenowka

Der Wecker schrillt. Jäh werde ich aus meinem Schlaf gerissen. Dass ich mich jeden Morgen überhaupt überwinde, mein Bett zu verlassen, verdanke ich meiner Kaffeemaschine.
Meine Kaffeemaschine ist keine Schönheit. Raumfüllend und groß thront sie in meiner Küche neben dem Herd. Es ist keine Nespressomaschine, nur weil mich George Clooney fasziniert. Mein Modell entspricht auch keiner italienischen Machinata. Viel zu groß wäre meine Angst vor einer Explosion, wenn der Kaffee heiß und dampfend emporsteigt.
Nein, meine Maschine ist ein Vollautomat. Praktisch aber sperrig! Dennoch liebe ich sie. Liebevoll drücke ich ihren leuchtend grünen Knopf. Behutsam öffne ich den Deckel zu ihrem Wassertank und fülle ihn mit frischem Wasser auf. Zu schrecklich wäre mir die Vorstellung sie mit altem, voll mit bakterienversetztem Wasser zu beschmutzen. Nach einer Aufwärmphase drücke ich den Startknopf. Immer wähle ich Kaffee extra stark. So manipuliere ich nicht unnötig an ihr herum. Dann dieses vertraute Geräusch, wenn die Bohnen gemahlen werden. Es klingt wie Musik! Endlich steigt das wohlig duftende Kaffeearoma empor.
Doch heute streikt meine Maschine. Die Sicherung wird gewaltsam herausgeschleudert. Kein Kaffee fließt. Mit dem Ausziehen des Steckers kann der Stromausfall behoben werden. Resigniert krieche ich in mein Bett zurück. Meine Kaffeemaschine ist eine Diva! Sie funktioniert, wann sie will. Jetzt ist sie beleidigt, weil ich sie keine Schönheit genannt habe. Sie ist so anstrengend meine Geliebte.

Judith Thoma

Sie steht meistens etwas verdrückt, verdreckt und unauffällig in einer Ecke auf der Küchentheke. Ihre Gegenwärtigkeit löst bei den meisten Menschen ein wohliges, gemütliches Gefühl aus, besonders dann, wenn sie ihre verschiedenartigsten Geräuschen von sich gibt; das Ächzen, das eine fröhliche Erwartungshaltung und Entspannung hervorruft oder das Plätschern, das nicht nur leichte Ungeduld auslöst, aber auch einen unverwechselbaren Geruch im Raum verbreiten lässt. Ist sie im Betrieb, und das ist sie oft, dient sie der Freude am gemütlichen Zusammensein. Sie ist die vollkommene Pausenbegleiterin für alle Anlässe.

Inge Jakobsen

Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:

Sie war alt. Ihr ehemals glänzendes Kleid stumpf geworden. Verbannt zwischen Tiffany Tischleuchten, silberfarbenen Bilderrahmen und messinggelb glänzende Kerzenständer starrte sie auf den Strom der Menschen, die blicklos an dem schmucken Schaufenster vorbeihasteten. Doch jedes Mal, wenn die Ladenglocke ihr helles Glockenspiel anstimmte, durchströmte sie eine unbändige Freude. Jetzt kam der eine Mensch, der sie zu schätzen wusste. Er würde ihr Kleid liebevoll zum neuen Glanz verhelfen. Ihren Filter vom Dreck der vergangenen Jahre befreien. Frisch gemahlener Kaffee würde seine duftende Note verströmen, wenn der heiße Wasserdampf röhrend und spuckend ihre Gliedmaßen überflutete. Ja, so würde es sein – eines Tages.
Das Glockenspiel ertönte und ein junges Mädchen betrat den kleinen Laden. Ihre mit groben Ketten verzierte schwarze Jeans strotze nur so vor Löchern. Ihr Haar erstrahlte in grellen Farbtönen und die kleine Kaffeemaschine schüttelte sich beinahe, als schwarz lackierte lange Fingernägel aufgeregt auf das Schaufenster wiesen. Sie fühlte sich in die Luft gehoben und begann zu beten. Nein, nein, nicht dieses Mädchen. Sie würde … Doch dann spürte sie Hände, die zart über ihr stumpf gewordenes Kleid strichen, liebevoll den Verlauf ihre Gliedmaßen folgten. Dunkel geschminkte Augen besahen sie glücklich von allen Seiten. Ein Lächeln erschien auf den schwarz geschminkten Lippen und die kleine Kaffeemaschine summte beinahe vor freudiger Aufregung. Denn heute war der bewusste Tag!

Patricia Heinen

Mit den Fingerspitzen streichelt er über ihre kurvige Gestalt. Er spürt, wie sie unter seinen Berührungen erzittert. Ihr sanftes Gurgeln erscheint ihm wie der Gesang der Lerche an einem dunstigen Frühlingsmorgen. Ihr Lied kündet vom neu erwachten Tag; von Hoffnung auf Leben und Glück. Wasser blubbert in ihr und ihre Laute steigern sich vom Gesang hin zum Lärm. Sie rattert und kreischt, faucht und poltert. Dampf schießt aus dem Rohr, wie der Atem eines Drachen, und verwandelt die Milch in der Kanne darunter in duftigen Schaum. Endlich, endlich ergießt sich das schwarze Lebenselixier in seine Tasse und der Duft des Kaffees betört seine Sinne.

Antonia Geyer

Kalt ist mein Kasten, blank poliert. Ich spiegele nur.
Stell dich dicht vor mich und schau: dein müdes Gesicht wird glänzen. Heb dann deine Finger und fühl meine Schläuche. Wie könnte ich listig sein?
Hat er dir gesagt: Trink nichts von ihr; rühr sie nicht an, auf dass du nicht stirbst? Wahrlich, er sorgt sich, bloß anders, als du es dir denkst.
Trinkst du von mir, werden deine Augen geöffnet und du wirst erkennen. Begreifen wirst du, dass ihr nackt seid! Es wäre nur klug, meinst du nicht auch.
Stell dich dicht vor mich und schau: deine Finger drücken schon meinen Knopf.

Anne Lohscheidt

In leichtem Gebücktsein.
Zeitgeistfarben – in zweckgestalteter Geformheit.
Mit kleinen Flecken besprenkelt – beinahe unsichtbaren.
Funktionsbeknopft selbsterklärend.
Höflich beistehend – auf zurückhaltende Weise mein Leben zu optimieren.
Dienstbar.
Ihre Breitschaft signalisierend, mir ein paar Minuten Zeit zu sparen.
Als wüsste sie nicht, dass ich meine eigene Zeit lebe.
Ungesparte.
Das dem Kaffeeduft vorauseilende Brummen noch in ihrem Innern verbergend.
Bestromt – mich im Halbdunkel der Küche mit einer Diode anblinzelnd.
Und geduldig über eine – meine – noch leere Tasse gebeugt.
Steht sie da.
In der Ecke.
Als warte sie.
Auf eine uns beiden vertraute morgendliche Berührung.

Stefan Unser

KAFFEE! Mein Suchtzentrum schreit. Ich muss gehorchen. Renne in die Küche. Stopp! Kaffee verlangt Muse. Sicherlich, ich könnte die Kaffeemaschine nehmen. Dort steht sie: schwarz, Plastik, ein paar Kalkflecken auf der Oberseite des Wassertankdeckels. Kaffee aber, verlangt nach mehr. Nach mir. Die Porzellankanne ist angewärmt, das Wasser brodelt im Wasserkocher und der Porzellanfilter, ebenfalls warm, steht auf der Kaffeekanne. Liebevoll kleide ich ihn mit einer Filtertüte aus. Ich könnte das Filterpapier auch in den Plastikfilter der Maschine reinpappen, ruckzuck. Sakrileg, schreit eine Stimme in mir. Mein Suchtzentrum? Einen Messbecher Kaffeepulver … den Zweiten … Dritten. Der Duft kitzelt meine Nase. Ein kleiner Schwapp heißes Wasser lässt das Pulver quellen. Es ist eine Kunst, so Kaffee zu kochen. Das Plastikding dort, was auch Wasser durch Kaffeepulver laufen lässt, ist dagegen seelenlos. Es blubbert und schnauft wie eine Dampfmaschine. Dunkle Flüssigkeit gluckert in eine Glaskanne. Püh, Glaskanne! Oft speit sie das Ergebnis ihrer Mühe gleich in eine Thermoskanne, unsichtbar für alle. Nur ich, die intelligente Lebensballung, weiß, wann das Pulver Wasser verlangt und wann nicht. Das Ding dort in der Ecke lässt Kalksteine in sich und an sich wuchern, sifft Wasserschwebstoffe in alle Ritzen und Ecken. Es hat keinen Respekt vor Arabica oder Robusta. Ich schon. Ich bin auch nicht aus Plastik. Ich bin die perfekte Kaffeemaschine: Kopf, Körper, Arme, Beine und – eine Seele.

Petra Wilhelmi

Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:

Erstmal ein Kännchen schwarzen Tee – und Ruhe. Ich will über eine Maschine nachgrübeln. Eine raffinierte Kiste, die in der Lage ist, Wasser in Wein, nein, in Kaffee zu wandeln. Wie ich eingangs schon andeutete, erfrische ich mich in einer anderen Geschmacksliga und befinde mich sozusagen in Opposition zur KA-FF-EE Fraktion. Trotzdem wage ich in deren Kaffeesatz zu lesen. Blinde reden ja mitunter auch vom Licht. Dabei kommt mir der Filmklassiker »Die Feuerzangenbowle« mit dem leicht modifizierten Erkenntnissatz in den Sinn:»Watt issene Kaffeemaschin? Da stelle mer uns janz dumm!« Bevor diese Technik der thermischen Extraktion zur ernüchternden Darstellung kommt, stelle ich mir die Gewissensfrage, ob auch die letzten Geheimnisse der Genussgewinnung gelüftet werden sollten. Das aus dem Zylinder gezauberte Karnickel verlangt ja auch nicht nach Aufklärung. Bleiben wir draußen vor; geben wir uns vielmehr dem Sickergeräuschen, die den Veredelungsprozess begleiten, mit weit geöffneten Ohren hin. Unsensibelle Naturen empfangen lediglich Blubbertöne. Obwohl ich den besprochenen Erfrischungsoffenbarungen unaufgeschlossen gegenüber stehe, berichtete mir neulich ein leidenschaftlicher Koffeinjünger, ein einfühlsamer Maschinist dieser Technik, feinsinnig vom Klangbild eines sprudelnden Quellwassers. Weiterhin erlauscht er mühelos das kehlige Balzgeräusch eines Auerhahns. Ich verstehe – fast erotische Anklänge. Demnach wären weitere Erklärungsversuche von hier an nur kalter Kaffee.

Hans-Joachim Walter

Ich liege auf der Seite, zwischen Plastiktüten voller Müll. Die Glaskanne ist von meiner Warmhalteplatte gerutscht und ist von mir durch eine stinkende Babywindel getrennt. Ich versuche, sie mit meinem Kabel einzufangen und sie zu mir zu ziehen, doch es gelingt mir nicht. Wir bleiben ungewollt auf Distanz, sind keine Einheit mehr. Neben mir im Müllcontainer sehe ich einen leeren Karton hoch aufragen. Das Hochglanzbild eines Hightec-Kaffeeautomaten schaut auf mich herab. Tchibo Cafissimo steht darüber. Und weiter unten in kleinerer Schrift: Cappuccino, Caffè Latte, Espresso, Latte Macchiato. Ich kann nur Kaffee. Den dafür aber sehr gut.
Doch anscheinend war das nicht genug. Mein Nachfolger ist doppelt so breit wie ich, schwarz und besitzt viele Knöpfe. Er sieht aggressiv aus. Ich kann mir vorstellen, wie er faucht und zischt. Ich dagegen besitze statt Knöpfe nur einen einzigen roten Wippschalter. Zu wenig, um den Spieltrieb meiner ehemaligen Besitzer zu befriedigen. Auch ist mein beigefarbenes Outfit wohl aus der Mode geraten. Und statt eines Zischens kann ich nur ein leises Plätschern bieten. Ich möchte weinen, doch mein Wassertank ist leer.

Angelika Bahr

Alle meine Freundinnen habe eine. Und schwärmen von ihr. Und von ihm. Dem Mann in der Werbung. Mich lässt dies kalt. Denn ich habe eine, die ich um nichts auf der Welt hergeben würde. Meine italienische Kaffeemaschine. Geerbt von meiner Großmutter. Alt schon. Und unansehnlich. Sie passt nicht einmal richtig auf eine meiner Herdplatten.
Schon beim Aufschrauben der zweiteiligen Kanne steigt feiner Geruch vom letzten Kaffeegenuss hoch. Wie eine alte Verheißung. Handgelenk mal Pi fülle ich Wasser ein, bis zu Markierung im Innern. Die ich eher errate, als wirklich zu sehen. In das Sieb passen drei gehäufte Esslöffel Kaffee. Feinst gemahlen. Vor dem Zusammenschrauben muss ein kleines rundes Zwischensieb eingesetzt werden. Beim Reinigen fällt es jeweils heraus. Ich war mir nie ganz sicher, wie ich es wieder einsetzen muss. Bis ich mich einmal vertan habe. So dass es beim Kochen zischte und spritze und sämtliche Küchenschränke mit brauner Brühe besprüht wurden. Vor lauter Schreck brauchte ich einen Cognac. Das Kaffee trinken ließ ich an jenem Tag sein.
Der schwarze Bakelitgriff der Kanne erzählt mir Geschichten. Beschwört Bilder hoch. Von meiner Großmutter. Wie sie in der Küche stand. Feuer machte. Und auf dem heißen Ofen Kaffee in dieser Maschine brühte. Meinen ersten hab ich bei ihr getrunken. Nie hat er besser geschmeckt. Und mir scheint, sie schaut mir heute noch zu. Wenn ich ganz entspannt da sitze, aus dem Fenster schaue. Und meinen Espresso trinke.

E. I.

Der Wecker dudelt, wie üblich, viel zu früh los und ich tapse barfuß in die Küche. Schon der erste Fehler, die Dielen sind eiskalt. Aber ich will unbedingt zu meiner morgendlichen Geliebten, noch bevor ich ins Bad weiterwandere. Sie trägt elegantes Schwarz, durchsetzt mit etwas Chrom, und wartet geduldig darauf, mir meine frühmorgendlichen Gelüste zu erfüllen. Ich streiche ihre angenehmen Formen, rund aber stellenweise auch etwas kantig, mit den Fingern nach. Bevor sie allerdings gewillt ist, meinen Wünschen nachzugeben, muss ich ihr etwas Wasser geben, nicht zu viel, aber doch genug. Das tue ich gerne, schließlich ist sie täglich für mich da, jeden Tag in der Woche, zu jeder Tages- oder Nachtzeit, sie erwartet keinen Urlaub, keine Sonderzuschläge, nur ein wenig Pflege: meine Kaffeemaschine!

Regina Neumann

Ich liebe Kaffee. Ohne Kaffeemaschine geht nichts in meinem Leben. Sie sieht so elegant aus .Ihr glänzendes schwarz und die silbernen Linien sind einfach top modern. Der Übergang zwischen Ihren Rundungen, Ecken und Kanten sind wie bei einer Frau verteilt. Ich glaube der Designer holte sich die Anregung aus der Frauenwelt. Das Geräusch beim mahlen von den italienischen Kaffeebohnen ist wie ein Liebeslied von Eros Ramazotti. Wen ich dann meine modern designte Kaffeetasse darunter stelle entwickelt sich ein Duft, der einem alle Sinne raubt. Ich schaue Ihr zu, wie sie mein braunes Lebenselixier zubereitet. Es läuft langsam in meine Tasse. Der leicht bräunliche Schaum ist der krönende Abschluss meines geliebten Kaffees. Meine Maschine erfüllt mir jeden Kaffeetraum. Am Morgen einen feinen Cappuccino, nach dem Essen einen Espresso und wenn ich will auch einen Latte Macciato .Den Sie kann auch himmlischen Milchschaum machen. Zwischen all den feinen Kaffees will Sie natürlich auch mal wieder gereinigt werden. Ich mache das mit der gleichen Liebe, wie Sie für mich den Kaffee macht. Riecht Ihr schon den Kaffee? Ob Ihr es glaubt oder nicht, ich liebe meine Kaffeemaschine wirklich.

Susanne Dähler

Sie ist so präsent und das schon am Morgen. Schwarz glänzend heißt sie mich willkommen. Ihr Erscheinungsbild ist elegant und doch von rubensgleicher Üppigkeit. So weckt sie Tag um Tag Freude in mir wie in jedem ihrer Betrachter. Was sag ich, Freude? Es ist reine Sucht, fast schon ein zittriges Verlangen, das meine Hand an ihren glatten Körper führt. Hier die vertraute Mulde, da das chromfunkelnde Band, das ihre Körpermitte ziert und ihren verheißungsvollen Inhalt be-greif-bar macht. Allein ihr Duft weckt alle meine Lebensgeister, ihre Akustik zelebriert den Alltag zum Fest, ihre Hitze verbrennt fast meine Lippen. Dankbar proste ich ihr zu; wäre doch kein Tag denkbar ohne sie. Bin ich auch ihr Halter, so hat sie mich doch längst zu ihrem Sklaven gemacht. Auch heute habe ich nur noch einen Wunsch: noch einen Kaffee bitte. Ihre Kapazität garantiert mir sechs weitere Tassen!!!

Karin Angerer

Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:

Fassungslos starte Georg auf seine Kaffeemaschine. Nun war etwas unvorhersehbares eingetreten. Weil es nicht eintreten durfte. Wie immer hatte er den Glasbehälter ausgewaschen und eine neue Filtertüte eingelegt. Anschließend maß er das Wasser mit einer Porzellantasse ab und goss es in das Glasgefäß. Mit der Vorratsbüchse für das Kaffeepulver und dem abgemessenen Wasser in dem Glasgefäß drehte er sich wieder zur Kaffeemaschine um. Dann füllte er gewissenhaft das Wasser in den Vorratsbehälter. Das Wasser reichte für zwei Tassen. Mit je zwei Maßlöffel gestrichen voll mit gemahlenem Kaffee erscheint der fertige Kaffee etwas stark. Hinzu kommt, dass bei dem Zubereitungsprozess sich ein kleiner Teil des Wassers als Dampf verflüchtigt. Für seine Ehefrau nahm er die Porzellantasse. Er selber benutzte noch immer seine etwas größere Kunststofftasse. Die hatte er bei seinem Reservistendienst Anfang der 80er Jahre mitgehen lassen. Der fertige Kaffees wurde brüderlich auf beide Tassen verteilt. Dann blieb noch Platz für einen großen Schluck Milch. Damit besaß der Kaffee in den Tassen dann die richtiger Stärke, um den Tag optimistisch zu beginnen. Das rote Licht leuchtete und täuschte eine intakte Maschine vor. Es fehlte aber das zischend brodele Geräusch des sich erhitzenden Wassers. Und es tropfte keine Flüssigkeit aus dem trichterförmigen Behälter mit dem Kaffeemehl. Weder im ersten Drittel stark braun gefärbt mit den belebenden Wirkstoffen noch fast klar in den verbleibenden zwei Dritteln.

Ro McGer

Mein Freund, ich muss dir unbedingt von meiner neusten Errungenschaft erzählen. Ich habe sie kürzlich aus vielen anderen ausgesucht, weil sie schnurrt, wie ein Kätzchen. Sie ist temperamentvoll und verbreitet einen verführerischen Duft. Kaum hatte ich sie das erste Mal gesehen, war ich ganz verrückt nach ihr. Ich sage dir im Geheimen, wer sie nicht liebt, der kennt sie nicht. Ich besuche sie jeden Tag und erlabe mich an ihr. Sie hat verführerische Rundungen und törnt mich mächtig an mit ihrem würzigen Duft. Sie hat ein hitziges Temperament und holt das Letzte aus sich heraus, wenn ich etwas von ihr möchte. Sie ist ungewöhnlich ausdauernd, ihre Technik ist unübertrefflich und ich liebe sie über alles. Ich glaube, ich könnte nicht mehr ohne sie leben. Sie ist heißblütig und doch auf ihre Art wieder sanft. Ich könnte mich den lieben langen Tag an ihr vergehen. Wenn ich niedergeschlagen bin, rettet sie meine Laune, sie ist unersetzlich für mich. Sie hat zwar ihre Ansprüche, aber die gehören wohl zu so einem schnittigen Ding. Sie will gepflegt werden und wenn man sie vernachlässigt, wird sie eifersüchtig. Doch wenn ich ihr meine Treue beweise und sie jeden Tag besuche, gibt sie alles, was sie hat. Der Geschmack, der von ihr ausströmt, ist ein Gedicht für meinen Gaumen. Sie hält mich wach, versüßt mir das Leben und beruhigt mich immer dann, wenn ich es gerade brauche. Mit ihr gehe ich fremd, denn ich bin Engländer und sollte Tee trinken. Meine heiß geliebte Kaffeemaschine.

Peter Cawley

Die Kaffeemaschine ist ein Ding… also ein Gerät… das halt mit Hilfe von Strom… Naja also ‘ne Kaffeemaschine macht halt Kaffee, ne. Sagt ja schon der Name. Man drückt auf einen Knopf und nach viel Zischen und Brummen kommt dann unten der Kaffee raus.
Ach was soll ich hier rum eiern: Ich hab keine Ahnung von Kaffeemaschinen! Und es interessiert mich auch nicht. Wieso auch? Ich hasse Kaffee! Versteh gar nicht, wie man mit so einem Gebräu seinen Tag anfangen kann. Da ist schlechte Laune doch schon vorprogrammiert. Wenn so `ne Kaffeemaschine Kakao machen könnte, wär das ja was ganz anderes. So ein Kakao, am besten aus echter Schokolade und lecker Sahne oben drauf, mmh, lecker. Aber wenn eine Kaffeemaschine Kakao machen könnte, hieße sie ja wahrscheinlich auch Kakaomaschine und nicht Kaffeemaschine, ne?
Wenn man sich das genau überlegt, sind Kaffeemaschinen ja ganz schön diskriminierend. Ich mein, wenn das Heißgetränkemaschinen wären, dann wär das ja was anderes, dann wär ja wahrscheinlich für annähernd jeden was dabei. Aber so… Elitärer Quatsch! Halten sich wahrscheinlich für was Besseres diese Kaffeetrinker. »Schaut her, ich trinke Kaffee. Pff, du magst keinen Kaffee, dann geh doch leer aus!« Wenn ich es mir genau überlege, hasse ich nicht nur Kaffee sondern auch Kaffeemaschinen. Die dividieren die Menschheit in Kaffeetrinker und Nicht-Kaffeetrinker. Kaffeemaschinen gehören verboten! Deswegen sag ich, Kampf den Kaffeemaschinen! Ja genau, Kampf den Kaffeemaschinen!

Jana Zöll

Es ist eins dieser chromglänzenden Ungetüme, die einem wahrscheinlich ein Vier-Gänge-Menü kochen würden, wenn man nur in der Lage wäre den richtigen Knopf zu erwischen. Ich dagegen bringe es nicht einmal fertig der Maschine einen Becher lauwarmen Kaffee zu entlocken. Den leeren Plastikbecher in der Hand starre ich die fleckige Wand an und komme mir unsäglich dumm vor.
Nicht genug damit, dass ich wie ein Schulmädchen gestottert habe, als ich versuchte dem Mechaniker zu erklären was mit meinem Auto nicht stimmt – dabei weiß ich es genau, es ist eine undichte Stelle am Kühler. Der Mechaniker nickte, lächelte väterlich und schob mich mit der freundlich aber bestimmt geäußerten Frage, ob ich nicht Lust auf eine Tasse Kaffee hätte, ins Hinterzimmer der Werkstatt ab.
Nun stehe ich hier, schaue mir zerknitterte Rennwagenplakate an und rede mit einer Kaffeemaschine. ”Du hast nicht etwa vor in nächster Zeit diesen Becher zu füllen, oder?” frage ich so höflich wie möglich. Genau in diesem Moment kommt der Mechaniker herein und schaut von dem leeren weißen Plastikbecher in meiner reflexartig erhobenen Hand zu der fröhlich blubbernden Maschine. Ein dampfender Kaffeestrahl schießt aus einer Öffnung, überflutet das Abtropfrost, läuft in dünnen Rinnsalen über die glänzende Chromfront und bildet schließlich eine Pfütze auf dem grauen Linoleum. Der Blick des Mechanikers spricht Bände. Wenigstens in einer Sache aber hatte ich recht – an meinem Wagen ist tatsächlich der Kühler defekt.

Tabea Petersen

Hey, macht kein Scheiß, meine ist eh die Coolste!
Meine ist so richtig retro, uralt, extrem hässlich und der Kaffee, den sie ausspuckt, ist einfach grässlich!
Sie macht einfach alles falsch! Als ob sie so viel zu tun hätte…haha! Der Vorsatz, in den man den Filter steckt, hält bei ihr leider nicht mehr hundertprozentig – das heißt, immer wenn man es besonders eilig oder aber wichtigen Besuch hat, entschließt sich meine Kaffeemaschine dazu, sich ihres Filtervorsatzes zu entledigen. Woraufhin der komplette Kaffeesatz auf dem Küchenboden landet. Schöne Schweinerei!
Je nach Laune beglückt sie mich mit ominösen Geräuschen… die von versautem Sexstöhnen bis zum Geknister von Brandgeräusche gehen… und je nachdem dreht der Nachbar natürlich am Rad und rennt verrückt auf dem angrenzenden Balkon herum um mich zu cashen oder aber Panik zu verbreiten. Was er natürlich auch jedes Mal schafft, nachdem er zwei Minuten lang in ohrenbetäubender Lautstärke meinen Namen in die Welt geschrien hat.
Immer, wenn er endlich fertig mit seinem Monolog ist, hat es meine Kaffeemaschine geschafft, sich irgendwie von selbst auszuschalten und offeriert mir ihren sowieso schon widerlichen Kaffee auch noch als Eiskaffee… hmm, da kommt Freude auf!
Ich liebe sie! Sie weckt in mir die Assoziation meiner eigenen Person! Faul & dummlabernd! Hinterfotzig & intrigant-lustig! Die Prägnanz ihrer Hässlichkeit lässt sie schon fast wieder schön erscheinen! Sie ist grässlich & gleichzeitig unwiderstehlich! Unwiderstehlich cool!

Johanna Dämmrich

So, wie sie das steht, könnte es sich auch um eine Minidusche für hygienebewusste Hamster handeln oder die Bühne für gesangstalentierte Rennmäuse. Aber nein, es ist meine Kaffeepadmaschine. Statt einem knalligem Gelb oder einem leuchtendem Rot, habe ich das schlichte Anthrazit gewählt. Sie soll nicht gut aussehen, sondern guten Kaffee produzieren. Und dieser wird über den außen liegenden Wassertank, die innen liegenden Leitungen und das vorher eingelegte Kaffeepad garantiert. Dem langsam lauter werdenden Geräusch des aufheizenden Wassers, folgt das maschinentypische Röcheln, wenn das Selbige auf Betriebstemperatur gebracht wurde. Wenn man dann den Knopf für die richtige Kaffeetassengröße gewählt hat, deren zwei vorhanden sind, erinnert der recht unkoordiniert austretende Wasserstrahl eher an einen Zimmerbrunnen zur Luftbefeuchtung, denn an eine Kaffeemaschine. Doch auch hier gilt…auf das Produkt kommt es an und das dampft einen am Ende genussbringend an.

Holger Spiecker

Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:

Warm, fast wie ein Stück Haut, fühlte sich der kupferne Kessel der Pavoni an, wenn sie aufheizte. Das war besonders im Winter angenehm, wenn das alte morgendunkle Haus einen mit seiner Kälte ankroch und der Zeiger des Manometers noch fest auf dem kleinen Stift ruhte. Auch er noch müde und ungelenk. Leises Zischeln, wie wenn man an einem Glas Mineralwasser zuhört, dann Zischen, begleitet von einem hauchfeinen
Niesel aus undichten Stellen, waren die Vorboten des Ausbruchs. Oben rechts befand sich ein Ventil, primitiv und doch listig, wie alles an der Maschine. Es war eine Feder die eine kleine Metallkugel im Zaum hielt. Wenn der Druck im Innern des Kessels für das Milchschäumen
ausreichte, brach sich der Dampf den Weg durch das Ventil frei. Früher war das ein wütender Ausbruch von Kraft und Trotz, jetzt, wo sie alt geworden war, röchelte sie nur noch. Ja, sie sabberte sogar, wie alte, zahnlose Menschen das manchmal tun. Um dieser Zügellosigkeit zuvorzukommen wachte ich und begann mit dem Erhitzen der Milch bevor es soweit kam. Überhaupt musste man wachsam sein, damit sich mit dem Alter keine Nachlässigkeiten einstellten. Insbesondere, wenn der Mensch alleine ist, stellen sich diese Dinge ein. Warum soll das einer Kaffeemaschine anders gehen? Deshalb wachte ich. Ich war bei ihr im Moment, da sie sich vergaß.

Leo Sternenseh

Klein, kompakt, rot und heiß geliebt! Sie steht im Wintergarten gleich neben dem Radio und spielt eine zentrale Rolle bei allen Gesprächen und Diskussionen die hier stattfinden. Weil sie Quadratisch ist hat es oben noch Platz zum Tassen vorwärmen. Als Kapselgerät überlässt sie dem Nutzer die Auswahl von Kaffeesorte und Stärke. Sogar drei verschiedene Koffeinfreie sind erhältlich. Nur der Wassertank und der Kapselbehälter könnten etwas grösser sein. Manchmal wünsche ich, wir hätten uns für ein grösseres Gerät entschieden. Aber, wenn sie grösser wäre, hätte sie kaum Platz. Vorne auf der Front prangt der Schriftzug »Stürmifüüdle«. Diesen Namen hat sie seit in unserer Frauenrunde Verena die Bemerkung machte: »Deine Kaffeemaschine ist ein ‘Stürmifüüdle’, sie verleitet mich immer zum noch mehr Kaffee trinken.« Prompt hat Carmen beim nächsten Treffen einen Kleber mitgebracht und ihn der kleinen, roten auf die Front geklebt. Wenn jetzt jemand noch einen Kaffee will heisst es: »die Kleine ‘stürmt’ wieder« oder: »schau mal, das ‘Stürmifüüdle’ hüpft wieder«.
Ich bin zwar jetzt allein, aber das hält unser ‘Stürmifüüdle’ nicht ab vom hüpfen und auf sich aufmerksam machen. Deshalb …. mhhhhmmmm!

Madeleine Martin

Wie lange ist es her, dass ich braune Tropfstreifen abgewischt habe? Immer und immer wieder. Wie aus dem Nichts waren sie am weißen Gehäuse der Kaffeemaschine. Wie selbstverständlich nahmen sie ihren Platz ein. Als ob sie dazu gehörten, sagen wollten: Seht her, sie hat schon wieder verschlafen!
Keine Zeit verlieren! Maschinen müssen her und alles geht wie von selbst. DER Kaffee soll schmecken? Wie bei allem, was neu, andersartig ist, steht die Skepsis als Zwillingsgedanke dicht daneben. Vorprogrammiert, ein Knopfdruck und die Liebe zum Detail bleibt auf der Strecke. War es eine weibliche Erfindung? Die Idee, aus der Not geboren, begründet in der Putzperfektion, führte edles Schwarz ein. Passend farblicher Gegensatz zu postmodernen, sterilweißen Küchenmöbeln. Es gluckert in der Ecke, unsichtbar läuft brauner Wachmacher in die Kanne. Sie tropft immer noch. Ganz gleich, wie man sie hält. Früher war das nicht so! Bei Kaffeekannen aus Porzellan! Wart’s ab!
Ein findiger Kopf, spielerisch, gepaart mit Optimsmus: es wird nie wieder tröpfeln! hat den Grundstein gelegt für den Kaffeekult. Direkt in die Tasse faucht und spuckt es aus schmalen Stahlröhrchen. Die Liebe zum Detail ist wiederentdeckt, von den Baristas, den Kaffeekünstlern. Normaler Kaffee ist passé. Die Bezeichnungen sind so vielfältig wie die Verzierungen, die Geschmacksnerven und besonders das Auge immer wieder in Verzückung bringen.
Bis die Sicherung rausspringt, die Maschine durchknallt.

Henriette Jorjan

Sie hatte es satt. Jeden Morgen dasselbe Spiel. Ein Knochenjob und ganz ohne jeden Anspruch. Sie war doch nur Mittel zum Zweck, Handlangerin!
Sie machte ihre Sache gut, verdammt gut sogar. Jedes Detail war perfekt abgestimmt, jeden Handgriff saß – ein von Anfang bis Ende klarer, sauberer und geschliffener Prozess, den sie im Schlaf hätte herbeten können. Schlaf, den sie kaum noch fand, seit um sie herum die Sorgen zunahmen.
Morgens war es meist Tim, der sie aufsuchte. Gegen halb fünf hörte sie ihn mit müdem Schritt näher kommen. Unrasiert, mit zerzaustem Haar und abgestanden Atem. Meist war er mit den Gedanken woanders, konzentrierte sich nicht auf sie. Dann lief ihr das Wasser am Bauch entlang, rieselten ihr die braunen Flocken auf den Schoß. Wenn sie fertig waren, ergriff er seine Beute und verschwand. Ließ sie in ihrer Pfütze stehen.
Abends erbarmte sich Svea ihrer, legte sie trocken und befreite sie von den Spuren des Morgens. Das waren schöne Momente: Aufmerksamkeiten ohne Forderung nach einer Gegenleistung.
Nachts kam sie dann noch mal vorbei, hatte getrunken, zu viel geraucht. Wie immer dieser Tage. Und konnte nicht schlafen, wollte es nicht. Svea suchte die Freundin auf, damit diese ihre Trost spende. Sie strengte sich dann immer besonders an, wollte, um Svea eine Freude zu machen. Es gab Espresso, einen doppelten mit Milchschaum. Und ein kleines Lächeln, das über ihre beiden Gesichter huschte.
In diesen Momenten liebte sie es, eine Kaffeemaschine sein.

Melanie Voß

»Neu« nennt er das Ding, aber die Kaffeemaschine spotzt und röchelt und keucht wie ein alter Mann. Am ersten Tag mit Monsieur Vieux, wie er die Maschine nennt, hat er das Spotzen und Keuchen mit einem Diktiergerät aufgenommen –damit er üben kann für die Zeit, wenn er selbst ein Monsieur Vieux ist. Er sieht auch bald so aus. Ein glanzpoliertes Äußeres (ihm gehen hinten am Kopf schon die Haare aus) und mit Schaltern, Knöpfen und anderer Technik, innen wie außen: Hörgerät, künstliche Hüfte, Herzschrittmacher und Bypass. Und die Maschine keucht dann immer noch und mahlt knurrend die Bohnen klein, prustet kochendes Wasser durch die mit der Zeit verkalkenden Aderröhren.
Aber noch glänzt Monsieur Vieux, reckt ungeniert seinen spiegelnden Glasbauch vor, während der Kaffee duftend hineintröpfelt, zwinkert mit den Lämpchen für Milchschaum und Espresso.
Er kichert bei der Vorstellung, dass man ihn, später, auch nach Wunsch einstellen kann: eine Zeitschaltuhr fürs pünktliche Aufstehen, ein Cappucchinoknopf für den Schaumschläger in ihm, eine Latte-Macchiato-Einstellung für die Damen. Und immer in elegantem Schwarz, denkt er, und tätschelt dem spotzenden Monsieur Vieux die Kunststoffhaut.

Kati Fräntzel

Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:

Kaffeemaschine? Die gab es bei uns zu Hause nicht. Das erste Mal war deswegen eine prekäre Angelegenheit. Als Schülerpraktikantin beim Lokalkäseblatt hieß es: »Kaffä is oben in Schrank und Filtertüten inner Schublade.” Kommando von der Lau, selbsternannte Chefin vom Dienst. Wo kam die Filtertüte rein, wo das Wasser? Ich betrachtete das Kunststoffgehäuse, in das eine Glaskanne integriert war. Mit zusammengekniffenen Augen sah das Gebilde aus wie eine komprimierte Nähmaschine. In die Kanne waren große und kleine Tassen eingraviert und waagerechte Striche. Über der Kanne thronte ein konischer Behälter. Ich fingerte daran herum. Gewalt half. Der Behälter brach zur Seite aus. Aha! Filtertüte rein, der Kaffee roch köstlich, Wasser in die Kanne und aus der Kanne auf das Pulver, Behälter zurück in Grundstellung. Kanne dito. Kippschalter »on«. »Wasn das für ne Sauerei!« Ich, rot angelaufen, der Filterbehälter übergelaufen. »Ich weiß nicht genau, wie das hier funktioniert.« »Praktikanten sind echt ne Pest.« Die Lau wischte, schimpfte, hantierte. Wo kam das verdammte Wasser rein? Wie nichts jemals zuvor in meinem Leben, ich musste es wissen. Mit spitzen Fingern öffnete die Lau das Gehäuse von oben. Wahnsinn, ein Deckel! »War das zu viel verlangt?«, ätzte sie. Ich hatte eh verschissen. »Wie wird denn das Wasser in den Filter gepumpt?« Als hätte ich ihr gesagt, sie habe einen fetten Arsch, schnappte die Lau ein: »Woher soll ich das wissen!« Ihr Arsch war richtig, richtig fett.

Astrid Weiss

Was für ein Leben. La vita è bella. In ein Kaffeehaus gehen, am Morgen, hautfühlend durch den beginnenden Tag die Stimmung ergreifen. Gute Entscheidung. In ein Kaffeehaus gehen.
Sich am Tresen ihr gegenübersetzen. Stille liegt wie Watte über dem Raum. Die Trägheit zerdehnt die Zeit, mit der die Maschine betrachtet wird, mit gewollt fremden Augen, aufmerksam und begehrlich, welche Schönheit! Kaffeepulver bereit für die Schale, der Griff wird zur Nase, keck nach rechts, nach links bewegt, die Knöpfe als Schmuck in würdevoller Eleganz, verchromter Selbstverliebtheit. Das Vorspiel wird synchron mit ihrem Gegurgel und Gezische, dem Duft bitterer Exotik, die Kräfte ahnend, derer sie so mächtig ist. Eine Maschine mit Seele, sagt man? Die eigene Seele! Das helle, blecherne Geräusch ist das Aufsetzen der Tasse auf dem Rost, die Musik der Erlösung. Keine Beachtung schenkend dem edelmetallenen Knie, lasziv sich von der Maschine wegstreckend, den heißen Dampf fördernd. Danke. Wir trinken schwarz.

Ricarda Eicher

Gewiss – sie zählt nun zum so genannten best age. Schlank ist sie auch nicht und die Spuren der Zeit lassen sich unschwer verbergen. Auf modischen Schnickschnack verzichtet sie, jedoch nicht auf eine stets adrette Erscheinung. Mit den Youngsters aus Edelstahl kann sie nicht konkurrieren. Stattdessen ist sie eifrig und zuverlässig. Und dafür wird sie geliebt. An jedem Morgen erwartet sie ausgeruht das tägliche Ritual. Geduldig lässt sie sich den zerbrechlichsten der unverzichtbaren Anteile ihrer multiplen Persönlichkeit entnehmen – die gläserne Kanne. Diese wird beim Befüllen mit kaltem Wasser richtig wach, bevor ihr im letzten Akt eine tragende Rolle zukommt. Doch zunächst sind die anderen an der Reihe. Bereitwillig nimmt der Tank das kühle Nass in sich auf, der Filter lässt sich bis zum Anschlag zur Seite schwingen und spürt, wie sich die sorgsam gefaltete Filtertüte an seine Wände schmiegt, bevor das aromatisch duftende Pulver in dieselbe rieselt. Mit Schwung gelangen sie gemeinsam zurück an den Punkt, von dem aus gleich das große Finale beginnt. Das Signallämpchen leuchtet bereits vor Aufregung. Jetzt ist es Zeit für den entscheidenden Part der Hauptdarstellerin. Ihre Heizspiralen erglühen wie in jungen Jahren. Sie schnurrt, schwitzt und dampft aus allen Poren. Erhitzte Tropfen sinken eifrig in das braune Pulver, bis ihr das Wasser ausgeht und sie vor Wonne nur noch stöhnt. Die inzwischen erhitzte Glaskanne hat das köstliche Gebräu in Empfang genommen und wartet zufrieden.

Monika Rausch

Was des isch? Ha, e Kaffeemaschien! Guck, do hinne auf der schwarze Platt, do isch son runder Behälter, obbe druff hattan Deckel, wo rechts son Nippel hat, damit kannschen hochhebe, de Deckel. – Hasches? – Und no machsch Wasser nei. – Wieviel? Ja wieviel Kaffee willschen trinke? – Also gut, machsch halt vier Tasse voll nei! – Hasches? – Gut! Jetzat kommt de Kaffee: Obbe vor dem runde Behälter, da hängt doch ebbes runta, sisch au rund – genau – und des hat links fascht am runde Behälter son längliches flaches Ding do, schwarz isches, – wennd do mit deinere Finger von de linke Hand hintedran gehsch und e weng zu dir ziehsch, no klappt son rundes Teil raus – richtich! In dem runde Teil ischs so e weng schräg, siehsches? Da kommt e Filterguck nei. Die findsch im Schrank obbe drübba rechts unne, Melitta heißt des, musch eins raushole, ufffalte und in des Schräge vom Uffgeklappte neilege. – Prima! – Jetzat bisch fascht fertich. In die Filterguck musch jetzat Kaffe nei mache, die Doos müsst im Schrank obbe drübba links nebem Melitta stehe – genau! – Ha, i tät fimf Leffele nemme, eina fürd Kann, vier für de Kaffee – Hasches? – Jetzat musch des Uffgeklappte wieder zurückklappe – So: Jetzat fehlt noch d Kann! Die isch im Schrank obbe drübba rechts obbe ganz links – genau, e Glaskann mitme Deggl – Die schiebsch jetzat auf die schwarze Platt unter das Zurückgeklappte – Un nu noch an dem rote Schalter vorne an de Platt aufs I drücke, un warte, bisses nimma blubbert.

Malte Bremer (außer Konkurrenz dabei)

Lindy ist meine beste Freundin. Und seit gestern ist sie verschwunden.
Mein Freund Paul kann nicht verstehen, warum Lindy mir so viel bedeutet. Sinnlos, ihm erklären zu wollen, dass sie viele meiner Krisen entschärft und noch mehr meiner Hochs mit mir geteilt hat. Ebenso sinnlos, ihm von den vielen Reisen zu erzählen, auf denen sie mich begleitete.
Paul hat Lindy nie gemocht. Weil sie nicht mehr die Jüngste ist, nicht besonders gut aussieht und angeblich »nicht zu mir passt«. Deshalb war die Vermutung, dass er mit ihrem Verschwinden zu tun haben könnte, nahe liegend.
Als ich ihn darauf ansprach, wurde er wütend. Ich zog es daraufhin vor, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, und machte mich auf die Suche nach ihr.
Plan hatte ich keinen. Wo sollte ich anfangen? Lindy konnte überall sein. Wenn Paul doch die Finger im Spiel haben sollte, war es noch schwieriger.
Langsam ging ich durch den Ort, und einer Eingebung folgend, betrat ich das Brockenhaus. Und das Unfassbare: ich entdeckte meine Lindy auf einem Regal mit verschiedenem Küchenzubehör.
Die 10 Franken, die für sie verlangt wurden, zahlte ich gerne. Das war nichts gegen die Freude, sie wieder bei mir zu wissen.
Zu Hause stand bereits eine chromglänzende, nagelneue Kaffeemaschine. So ein Teil mit Kapseln und Auffangbehälter und einem halben Dutzend Lämpchen, die hektisch blinken.
Ich füllte Lindy mit Wasser und Espressopulver, schraubte sie zusammen und stellte sie auf den Herd.
Paul ist mir eine Erklärung schuldig.

Eva Philipp

Das geht zu weit. Mir reichts. Ich bin eine solide wenn auch etwas ältere Kaffeemaschine, habe immer sauber und zuverlässig guten Kaffee gekocht, aber das geht zu weit. Mich in eine Kiste zu packen, zusammen mit stinkenden Sportschuhen, Putzlappen und so Zeug! Genau das hat mein neuer Besitzer heute getan. Er hat mich in eine Sporthalle geschleppt, zu einem Turnier oder Heimspiel oder was das war, ich sollte für Hinz und Kunz Kaffee kochen, ob mein Besitzer ihn nun kannte oder nicht. Dieser Lärm! Dieser Schmutz um mich herum! Mehr als ich je im Leben gesehen habe. Man stellte mich auf eine alte zerkratzte Turnbank voller Sand und Staub, mein Kabel schleifte im Dreck. Empörend! Meine vorigen Besitzer haben mich immer gut behandelt und gepflegt, ich hatte meinen festen Platz in der Küche, es war sauber und ordentlich, wie es sich gehört. Ja, und dann wollten sie mich loswerden. Die haben sich so ein großes teures silbernes Monstrum gekauft, das sich zwar Kaffeemaschine nennt, aber – Kaffee? Den kann sie nicht. Nur so etwas wie Ex, oder Presso, oder Latti macki oder wie das nun heißt. Das ist doch kein Kaffee. Nein. Neumodische italienische Plörre. Da haben sie mich verkauft, an diese WG hier. Jetzt muss ich Tag und Nacht bereit sein, nie weiß ich, wann ich eingeschaltet werde. Aber dass ich nun auch noch in Kisten gepackt und im Dreck herumgeschleppt werde, das geht zu weit. Ich will zum Schrottplatz …

Gisela Farenholtz

Jeden Morgen, bevor ich meinen Platz im Büro besetze, werfe ich einen Blick in unsere kleine Küche auf die Lebenserhaltungsmaschine, ohne die Computerarbeit nicht denkbar wäre, um herauszufinden, wie weit der Kaffee schon gelaufen ist, wenn sich denn ein Kollege erbarmt hat ihn aufzusetzen. Meistens dampft und brodelt sie, ächzend werden die letzten Tropfen in den Filter gepresst, um gerade wenn ich denke, jetzt ist sie durch, einen neuen Anlauf zu nehmen, der mich zwingt zu warten, um an wachen Tagen wahrzunehmen, wie unansehnlich die ehemals weiße, strahlende Maschine, von Kalk und Kaffeeresten besetzt, nun meinen Einsatz herausfordert, der mangels sauberem Lappen und fehlender Energie, nicht statt findet. Dann, wenn sie mich endlich an sich heranlässt, ziehe ich die fleckigen Filter zur Seite, nehme die erste Glaskanne von der Heizplatte, gieße mir einen Schluck in die vorbereitete Tasse, leere dann den Rest sowie die zweite Kanne in einen Thermobehälter, spüle kurz Gläser und Filter und begebe mich endlich an meinen Arbeitsplatz.

Rolf Drautzburg

Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
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‘Wassertank füllen’. Die Worte blitzen mir entgegen und ich bin genervt. Kann eigentlich nie mal jemand vor mir diese vermaledeite Maschine anwerfen? Irgendwas fehlt immer. Bohnen. Wasser. Entkalken. Ok, bei letzterem ist etwas zu viel. Trotzdem ärgerlich.
Die Maschine steht im Büro ganz hinten in der Küche. Ganz unbeteiligt. Als ginge sie nichts etwas an. Als wäre sie nicht verantwortlich für Koffein-Kicks und Duft-Schwaden, die uns am Nachmittag zu verlängerten Pausen verführen. Kaffeeklatsch. Nachmittagsgeschwafel. Arbeitspause.
Und immer ist der Wassertank leer. Oder die Bohnen. Und überhaupt. Warum steht eigentlich nie George Clooney in unserer Küche und bietet den Damen mit smartem Grinsen Kapselkaffee an? Im Grunde ist die Marke egal, solange nur er den Kaffee kredenzt.
Ein Knopfdruck. Ein langes Zischen. Mit meiner Tasse in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen entschwinde ich zu meinem Arbeitsplatz. Ach George, so oder so hast Du mir den Tag versüßt.

Katy Kalt

»Du hättest sie nicht rausschmeißen dürfen!« – »Wen?« – »Luigis ‚Liebste?.«
Oje, seit wir Omi in die Seniorenresidenz umgesiedelt haben, streift sie nicht nur stundenlang durch die Stadt, jetzt redet sie auch noch wirres Zeug.
»Schau, was ich gestern entdeckt habe.« Stolz streckt sie mir ein handtellergroßes Etwas entgegen, einen gusseisernen Ring mit vier abgespreizten Füßen. »So was hätte Luigi mir vor 50 Jahren auch noch geben sollen, nicht nur seine geliebte Kaffeemaschine.«
Luigi? Vor 50 Jahren? Omis erste Liebe, ein Gastarbeiter. Sie hat oft von ihm geschwärmt: wie er das Espressozubereiten zelebrierte, wie er sich dafür den besten caffè schicken ließ, wie er ihr seine MokaExpress schenkte, als er nach Neapel zurückkehrte …
»Sie ist dir beim Ausräumen bestimmt aufgefallen. Eine achteckige Kanne aus Aluminium. Oben musste man das Pulver reingeben und unten Wasser in den Behälter füllen. Das wurde dann zusammengeschraubt und auf den Gasherd gestellt.«
Ja, die Kanne habe ich auf ihrem Speicher gefunden. Knapp 12 cm hoch, vielleicht 200 g schwer, Fassungsvermögen gerade mal für eine Tasse.
»Bring mir so eine wieder. Jetzt kann ich sie endlich nutzen. Früher ist sie mir immer zwischen die Metallstreben auf die Flamme gerutscht, weil der Sockel zu schmal war. Aber wenn ich sie auf den Ring hier stelle, passiert das nicht mehr.«
Mach ich doch gern. Und wenn Omi sich so viel Kaffee brüht, dass sie nicht mehr schlafen kann, soll sie eben mit offenen Augen von ihrem Luigi träumen.

Helga Blum

Da steht sie vor Eduard, die Kaffeemaschine des Betriebs, zwar ein altmodisches Filterkaffeegerät, keine dieser Senseo-Padaufbrüher, aber ihre Form aus gebürstetem Aluminium gibt ihr ein modernes Erscheinungsbild. Eduard öffnet die Abdeckung des Tanks und gießt das Wasser bis hin zum Strich bei “4″ ein. Schnell den Deckel zu und den Filterhalter auf. Er fingert den Filter aus der Pappschachtel, legt ihn in den Halter und gibt 8 Löffel Kaffeepulver hinein.
Röchelnd springt die Maschine an. Heißer Dampf quillt aus dem Schlitz zwischen Filter und Deckel, in dem die Heißwasserleitung ist, als die heißen Tropfen in den Kaffee fallen. Eduard hört den frisch gebrühten Kaffee in die Kanne tropfen. Als Kind hatte er dem zugeschaut, weil die Maschine seiner Eltern eine Glaskanne hatte. Die hier ist eine Thermoskanne aus Metall und Plastik.
Eduard hört dem gluggernden Geräusch der Kaffeemaschine eine Zeit lang zu, schließlich holt er seine Tasse.
Gerade ist der Kaffee durch, frotzelnd spuckt die Maschine die letzten Tropfen Wasser aus, da tritt Gaby Mosbach in die Kaffeeküche. Eduard Stolzenbrecher ist nicht überrascht darüber, denn ihr Kollege hatte es ihm gesagt, sodass er schnell den Kaffee hatte aufsetzen können.
»Möchten Sie einen Kaffee? Er ist frisch.«
Sie sagt nichts sondern lächelt nur beiläufig, während sie ihre Tasse holt.
»Danke.«
Eduard gießt erst ihre dann seine Tasse voll und stellt die Kanne zurück in die Maschine. Gaby nimmt einen Schluck.
»Guten Kaffee machen Sie.«

Timo Kozlowski

Sie stand da und gab keinen Ton von sich. Sonst hatte sie um diese Zeit mit ihrem Schnaufen auf das monotone Ticken der Küchenuhr geantwortet. Doch jetzt stand sie still und untätig auf dem Küchentisch. Ich setzte mich neben sie, um sie ein letztes Mal zu betrachten. Schön war sie nicht, war es nie gewesen. Auch wenn sie Elite hieß, wie der Schriftzug auf dem Filter verkündete, war sie nichts Besonderes. Meine Großmutter hatte sie vor vielen Jahr gekauft, als sie als Sonderangebot zu haben war. Jetzt war sie alt. Ihr einst strahlend weißer Körper hatte über die Jahre eine bräunliche Färbung angenommen. Der Boden der Glaskanne war vom Kalk getrübt. Das tägliche Betätigen hatte den Schalter zum Ein – und Ausschalten abgenutzt.
Ich klappte den Deckel des Wassertankes hoch, um Wasser einzufüllen. Die Innenwände überzog eine unappetitliche, gelbliche Kalkschicht, die an manchen Stellen abbröckelte. Mir war der Zustand der Kaffeemaschine egal. Ich brauchte einen Kaffee. Hinter der Maschine stand eine Blechdose mit Blumenmuster, aus der ich Kaffeemehl nahm, daneben fand ich die Filtertüten. Ich stopfte eine Filtertüte in den Filter, tat Kaffeemehl drauf, schloss den Deckel des Wassertanks und schaltete die Maschine ein. Sobald der Kaffee fertig wäre, würde ich die Maschine in den Müll werfen. Meine Großmutter brauchte jetzt keine Kaffeemaschine mehr.

Verena Juette

Ein Leben ohne sie kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. Schon als Kind habe ich ihren Duft geliebt und ungeduldig auf mein erstes Mal gewartet.
Seitdem bin ich ihr und ihresgleichen mit Haut und Haaren verfallen. Am besten gefallen sie mir in einem knalligen Rot. Stets ist sie für mich da, bedient mich zu jeder Tageszeit, wann immer ich es möchte. In langen arbeitsreichen Nächten hilft sie mir wach zu bleiben und nach einer kurzen Nacht ist es ihr Duft der mich zum Aufstehen bringt. Müsste ich auf eine einsame Insel würde sie ganz oben auf meiner Liste stehen.
Nur sehr ungern tausche ich sie gegen eine Jüngere aus, was aber über die Jahre leider unvermeidlich bleibt.
Zischende Geräusche und ein ständig stärker werdender fader Beigeschmack sind die ersten Vorboten des nahenden Endes einer harmonischen Beziehung. Da ich aber ein unverbesserlicher Genussmensch bin und nicht einmal einen Tag auf ihre Dienste verzichten möchte, beginne ich natürlich früh genug mit der Suche nach einer Neuen.
Unermüdlich teste und vergleiche ich und meine angeborene Liebe zum Detail macht das Ganze nicht wirklich einfacher. Doch dann ist es endlich soweit! Modern und elegant steht sie vor mir, garantiert ein überwältigendes Geschmackserlebnis und das grandioseste »eine einfache Handhabung.«
Überglücklich und mit ungeduldiger Erwartung auf unser erstes Mal begebe ich mich mit meiner »Neuen« auf den Weg nach Hause.

Joachim Kübler

Das Stöhnen aus der Küche hat immer etwas Unheimliches. Tief aus dem Bauch heraus und dumpf, als würde jemand geschlagen, einmal auf die Brust, ein zweites Mal in den Bauch und am Boden liegend nochmal getreten.
Nach dem dritten Seufzen stehe ich auf, dann sitzt du in der Küche am Frühstückstisch, lachst mich an, wenn ich reinkomme und ich kann nicht anders als verliebt in dich zu sein. Immer fragst du, ob ich auch einen Kaffee möchte, ich möchte nur in deiner Nähe sein, mag das schwarze bittere Gesöff nicht, das die verdreckte Stöhnmaschine fabriziert.
Heute stehe ich in der Küchentür und sehe deinen Körper und seinen, die diese Geräusche machen. Es klingt feuchter als die Kaffeemaschine sonst, du stehst gebeugt vor der Spüle, dein Gesicht verzerrt und er stößt dich.
Ich bleibe stehen, bitter im Magen, und schaue eure glänzenden Körper an. Die Kaffeemaschine ist gefüllt, aber nicht angeschaltet. Ihr runder Leib reflektiert das Sonnenlicht, mir fällt auf, dass sie voller fleckiger Fingerabdrücke ist.
Wenn ich in dir bin, klingst du anders, weniger feucht, meine Hände und meine Zunge bringen dich zum dampfen, du riechst dann intensiv und dunkel. Aber du machst mir immer klar, dass du nicht wie ich bist. Ich bin Teetrinker und trinke deinen Kaffee, um bei dir sein zu können. Du magst keinen Tee, das machst du deutlich. Und wenn ich bei dir liegen möchte, in dem feuchten Bett, das nach bitterem Saft riecht, stehst du auf und willst Kaffee machen. Ja, vermutlich tust du das grade.

Marie Moulin

Die Stottermaschine
Ich hasse sie. Jeden Morgen verdirbt sie mir die Laune. Wie sie schon da steht. Von Design kann keine Rede sein. Wenn sie farblich überzeugen könnte, wäre alles halb so wild, aber die Fehlfarbe aus Blau und Grün beleidigt meine Augen. Wirkt irgendwie billig. Überhaupt nicht einladend. Gar nicht mein Stil. Schon seit einiger Zeit lasse ich sie verkommen. Braune Kaffeetropfen wische ich nicht mehr weg. Kaffeemehl-Reste verkrusten auf dem Filterdeckel. Die bauchige Glaskanne präsentiert sich mit einer bräunlich-matten Ablagerung. Gut so, sage ich mir, wenn es den Kaffeegeschmack irgendwie verbessert.
Jeden Morgen gieße ich so viel Wassern in den Wasserbehälter, bis die Zahl vier in der Anzeige erreicht ist. Dann stopfe ich eine braune Filtertüte in den Schwenkfilter, füge Kaffeemehl hinzu, schlage den Filter hart in die Verankerung zurück und stelle den Schalter auf Betrieb. Sie beginnt recht schnell mit dem Wasserdurchlauf. Fast geräuschlos. Doch wenig später höre ich sie keuchen, prusten und stottern. So, als müsste sie ihr Wasser aus einem metertiefen Brunnen nach oben saugen. Es folgt ein asthmatisches Röcheln, ein lautes Schnarchen und Herausspritzen von Luft, gefolgt von einem gemächlicheren Zischen und elegantestem Sirren. Sofort kehrt morgendliche Stille ein. Ich atme auf und hole mir den Kaffee. Eines Tages werde ich sie aus dem fahrenden Auto heraus von einer hohen Brücke werfen. Zur Strafe. Natürlich könnte ich sie auch verschenken.

Rajo Winter

Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
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Mein Flötenlehrer war ein Professor, bekannt und angesehen in der ganzen Stadt. Er legte Wert auf sein Äußeres, war immer frisch rasiert, trug Anzug und Krawatte.
Sieben Jahre lang teilte er mich jeden Montagnachmittag als seine erste Schülerin ein. Mit meinem Eintreten um 13.15 Uhr lief der fertige Kaffee zischend und brausend auf einen Rutsch durch den teflonbeschichteten Wassertank und die Rundfilterblätter in die Glaskanne seiner Krups T8. Sie thronte auf einem zahnweißen Tischtuch.
Die T8 bringe das Wasser zum Kochen, bevor es durch den eigenen Dampfdruck durch den Kaffee gepresst werde. Dadurch schmecke der Kaffee noch besser als von Hand aufgebrüht.
Ich lehnte trotzdem ab.
Der Professor nahm eine Tasse vom Stapel, stellte sie auf einen Unterteller, schenkte Kaffee ein, versenkte eine ganzes und ein halbes Stück Würfelzucker mithilfe einer Zuckerzange und machte abgezählte drei Löffelumdrehungen.
Nach sechs Minuten hatte er die Tasse leer getrunken – ich durfte die Tonleiter wechseln, er stellte das gebrauchte Geschirr in einen Plastikkorb und nahm sich neue Tasse, Untertasse, Unterteller, Löffel.
Die T8 füllte exakt acht Tassen. Nachdem er sie leer getrunken hatte, holte er einen Mentholspray aus der Innentasche seines Sakkos, sprühte sich damit in den Rachen, legte mir seine Hand zwischen die Schulterblätter, begleitete mich zur Tür und schob mir seine dicke pelzige Zunge in den Hals. Ich starrte auf die Tischdecke – wieder war sie weiß geblieben.

Irmgard Kramer

»Ob ich ein monogames Verhältnis zu ihr habe?«. Kurt schaut fast entrüstet auf. Er steckt sich eine Zigarette an und nimmt einen tiefen Zug, bevor er weiter spricht. »Natürlich lebe ich monogam! Sie ist ja etwas Besonderes für mich. Und glauben Sie mir, es ist nicht immer einfach monogam zu leben. Sie brauchen ja nur morgens ins Büro zu gehen und da … na ja, es macht ja jeder! Ist ja völlig normal!« Kurt klopft seine Asche ab, nimmt einen schnellen Zug und spricht schon währenddessen wieder weiter: »Aber nicht für mich! Und das war schon klar, als ich sie das erste Mal gesehen habe! Damals, vor mittlerweile fast 2 Jahren, kurz nachdem ich mich von meiner alten getrennt habe. … Also eigentlich hat sie sich ja von mir verabschiedet. Einfach so, ohne Vorwarnung, von einer Sekunde auf die andere. Es war verdammt hart! Ich hätte es fast nicht überwunden. Mir hat ja keine andere gefallen. Und es geht ja nicht nur ums Gefallen – es sollte ja auch der Inhalt stimmen. Ich wollte schon fast aufgeben! Und dann plötzlich … plötzlich war sie da! Ich habe sie gesehen und gewusst: Das ist sie!!! Formvollendet, wunderschön. Sie war einfach perfekt! Ich habe sie gleich nach Hause mitgenommen, sie langsam und behutsam ausgepackt und sie sofort ausprobiert.« Kurt seufzt, dämpft seine Zigarette aus und lässt seinen Blick mit einem Lächeln auf den Lippen in die Ferne schweifen. »Ja, sie ist einzigartig – meine Kaffeemaschine!«

Silke Solly

behäbig, raumfüllend steht sie da auf dem tresen in der küche. Und begrüßt mich, silberglänzend und vielversprechend. In antizipatorischer freude drücke ich den einschaltknopf und das schönste surren der welt erfüllt die küche. Es geht über in das geschäftige geräusch des mahlens der frischen kaffeebohnen. Und nun der beste moment des morgens: geruch nach frisch gemahlenem kaffee erfüllt meine küche. Ich schliesse die augen und wähne mich in italien. In einer bar, am tresen. Vanillecroissants auf einer platte vor mir. Der glutäugige italienische barista schiebt mir eines davon zu. Paradiso! Neben mir zischt etwas. Ich öffne die augen. Erblicke meine küche mit meiner kaffeemaschine drin. Der kaffee ist fertig und dampft in der tasse. Kein barista. Aber, der kaffee ist köstlich. Ich liebe meine kaffeemaschine ….

Monika Paitl

Kaffee, mein Lebenssaft. Wenn ich des morgens aufwache ist mein erster Gang zu meiner Kaffeemaschine. Rund mit bunten Knöpfen einem Wasserbehälter und einem Fach um dort den Kaffeefilter samt seinem Kaffeepulver aufzufangen. Im Halbschlaf bereite ich den Kaffee zu, stelle die Glaskanne unter den Filter und drücke den Knopf. Ich schlurfe zur Couch. Mit halb geöffneten Augen schiele ich hinüber in die Küche zu diesem mir meinen Sprit spendenden Gerät. Blubber chrrrrrrrrr blubber chrrrrrrrrr blubber meine Ohren fangen an wach zu werden welch ein liebliches Geräusch. Meine Nase beginnt die ersten angenehmen Düfte wahrzunehmen. Dann ist es soweit mit den mir zur Verfügung stehenden mitteln torkle ich in die Küche zurück und schenke mir meinen Kaffee ein. Schwarz so muss er sein. Der erste Schluck, meine Lebensgeister werden geweckt die Augenlider welche sich bisher auf Halbmast befanden werden wie eine Jalousie hochgezogen, mein Gehirn beginnt zu arbeiten. Jetzt geht mir das röcheln der Kaffeemaschine auf den Geist. Ich nehme mir vor meine Kaffeemaschine demnächst zu entkalken.

Robert A. T.

Der Kauf meiner Royal Professionell, war das Beste, was mir ja eingefallen ist. Das auch Sie von meinem Einfall profittieren, möchte ich Ihnen ihre Vorzüge schildern: Das Prachtstück verschönert in mattiertem Chrome meine Küche und ist auf Knopfdruck einsatzbereit, da sie Tasse, für Tasse frisch zubereitet. Nach dem Aufstellen, befüllen Sie die beiden hinteren Behältnisse, wobei Sie den rechten mit geeigneten Kaffebohnen und den linken mit frischem Wasser auffüllen. Nun suchen Sie an der linken Seite unten den Schalter, der die Apparatur in Gang setzt. Nach einer kurzen Aufwärmzeit meldet das Display vorne rechts: Das Gerät ist Betriebsbereit. Nun könne Sie wählen, es sind drei Tassengrößen voreingegeben, Sie erhalten Ihre wunderbar frische Tasse Kaffe indem Sie die Entsprechende Taste drücken; rechts für Espresso, in der Mitte für eine kleine Tasse Kaffee und links, für den großen Kaffebecher. Für Cappuccinofans kommt nun der Clou. An der linken Seite des Gerätes befindet sich die Cappuccinatore. Sie nehmen nun den kleinen Schlauch dieser genialen Erfindung, stecken Ihn in eine handelsübliche Milchtüte, vorzugsweise 1,5 prozentige Milch, stellen eine Tasse unter die Öffnung und drücken die kleine Taste unter dem Display, die mit einem Miniaturbild der Cappuccinatore gekennzeichnet ist und schon läuft feinster Milchschaum in Ihre Tasse. Nun müssen Sie nur noch eine Tasse Espresso durch Knopfdruck zaubern und ihn in den Milchschaum gießen – fertig.

rosemarie henze

Wie immer treffen sie sich in den frühen Morgenstunden am runden Tisch an der Kaffeemaschine. Sie sitzen sich gegenüber und warten auf das erste Wort.
Die glänzend polierte Maschine steht still und will das Schweigen nicht brechen. »Kaffee?« »die Maschine ist nicht an« »Oh!« Einer von beiden steht auf, um den Schalter der im Mittelpunkt hervorragt, zu drücken. »War deine Jagd erfolgreich?« »Kaffee?« »Meine Ausbeute waren zwei junge Mädchen, sehr anregend kann ich dir sagen« wieder steht einer von beiden auf, um Tassen zu holen. Die Maschine läuft in vollem Gange. Der herausnehmbare Behälter mit Kaffeepulver ist zu diesem Zeitpunkt voll gefüllt. Er hält sich versteckt hinter einer Metallplatte und wahrt sein Geheimnis. Die Wassertropfen bahnen sich ihren Weg durch gemahlenes und vereinigen sich in der unten stehenden Glaskanne. Die Farbe der Maschine ist blutrot, abgesetzt mit einem polierten Metallrahmen. »Warum ist der Filtereinsatz eigentlich schwarz?« »Weil du dann an deine verlorene Seele erinnert wirst.« »Eher denke ich an Deine erfolglosen Nächte, wenn ich den Wasserbehälter hinten wieder füllen muss.« Sie nehmen beide einen Schluck der bereiteten Brühe zu sich. Die hervorstehenden Eckzähne der Gesprächspartner glänzen sich gegenseitig an. Die Maschine verschluckt sich.
»Beeil dich die ersten Strahlen kommen bald.« Als sie in ihren Sarg steigen, ist der letzte Tropfen gefallen. Die Sonne bahnt sich ihren Weg ins Zimmer und strahlt den frischen Kaffee an. Ein Guter Morgen!

Sabrina Bender

Er hat mehrere Augen, eins davon blinzelt manchmal lange.
Die Menschen im Haus fummeln mehrmals am Tag an ihm herum; dann kommt er mächtig in Schwung, gibt verdächtige Geräusche von sich und faucht wie verrückt. Wenn ich vorbei schleiche, rieche ich den vertrauten Duft von Milch, aber ein unangenehmer Geruch ist immer dabei.
Als er neu war, sprang ich einmal zu früher Stunde aufs Küchenpult. Ich musste Gewissheit haben, deswegen gab ich ihm mit der Pfote vorsichtig einen Stups:
er war toter, als eine tote Maus.
Also nicht gefährlich – nur ein Angeber.
Schön schnurren kann er auch nicht.

Anna Rybinski

Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:

Mein Kaffeebruzler ist wie ich. Der funkelfeuerrote Lack splittert und jeden Tag lassen wir ordentlich Dampf ab. Wir haben unsere Kanten, Macken und Launen. Rostflecke tummeln sich auf denselbigen. Wir sprechen nur, wenn wir gedrückt werden und der Filtertopf gut gefüllt ist. Lachen und schweigen gemeinsam. Und der Kaffeeduft breitet sich wohlig in der Küche aus. . Eine Kostbarkeit für jede Nase.
Rechts unten gibt es einen Schalter mit einer Kontrollleuchte. Sie leuchtet nur, sofern wir dazu auch Lust verspüren. Unsere obere Klappe hält selten was sie verspricht. Manchmal mögen wir einfach nicht. Wir drucksen und röcheln, strecken unsere Glieder in alle möglichen Richtungen und trotzdem finden wir keine Kraft für unsere Energie.
Beide lieben wir es gehätschelt zu werden. Oft muss eine Schraube angezogen werden. Regelmäßige Entkalkung ist erforderlich. Zuwendung pur. Auch Seelengucker brauchen hie und da eine Frischekur.
Wir sind im Besitz einer Warmhalteplatte. Sie wärmt den Kaffee und unser Innenleben. Eine auf Hochglanz gebrachte Glaskanne ziert ihre Mitte. Der dazugehörige schwarze Henkel zeigt ungefragt immer in meine Richtung. Egal wo ich mich befinde.
Für explodierende Rückschläge in unserem Leben gibt es dazugehörige Ventile. Denn nur mit ordentlichem Schwung und Temperament gelingt es uns, unsere Arbeit zu verrichten..
Meine Kaffeemaschine und ich. Zwei schrullige und liebenswerte Wesen.

Gabriele Hubatsch

Sie ist weiblich. Aber sie besaß keine der Eigenschaften, die man dem weiblichen Geschlecht meist zuschreibt: zickig, kokett, launisch. Sie war mir vertraut und absolut zuverlässig. Seit zwölf Jahren waren wir oft stundenlang im selben Raum. Beide stumm. Sie nur manchmal mit dem schnorchelnden Geräusch, das Schnupfengeplagte an sich haben, wenn sie schnäuzen wollen. Sie tat, was ich wollte.
In der Wohnung gegenüber geht es morgens sehr hektisch zu, da alle gleichzeitig aus dem Haus gehen. Die Frau sagte mir: »Die Kinder müssen da einfach funktionieren!« Ich empfand danach so etwas wie Dankbarkeit. Vertrautheit und Zuverlässigkeit waren für mich schon selbstverständlich geworden. Erst da wurde mir ganz bewusst: Sie funktioniert immer!
Ich berührte sie fast liebevoll. Nicht zu dick, nicht zu dünn, klassisch schön proportioniert, jedem Modetrend irgendwie angepasst. Alter und Vergänglichkeit? Nein, noch keine Spur von Verkalkung!
In der Wohnung gegenüber gab es Streit. Es kam zum Eklat. Die Frau explodierte förmlich. Irgendetwas – wahrscheinlich hatten die Kinder nicht funktioniert – brachte, wie man so sagt, das Fass buchstäblich zum Überlaufen. Allerdings haben sie sich da drüben wieder beruhigt.
Kurz darauf – unvorhergesehen, völlig unerwartet, nahezu gnadenlos katastrophal – ereignete sich bei mir genau dasselbe. Mit dem Unterschied zum Drama in der Wohnung gegenüber: Der Schaden war irreparabel. Und es lag nicht nur an einem falsch gefalteten Filter!

Irmgard Rivero Salavert

»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«, hat der Seminarleiter an die Tafel geschrieben. Meine Mitstreiterinnen beugen sich über ihre Hefte und schreiben los, keine, die ratlos an die Decke oder aus dem Fenster schaut, keine, die gedankenverloren am Bleistift kaut. Was für ein Thema! Typisch VHS! Ich will Geschichten schreiben, keine Gegenstandsbeschreibung üben wie im siebten Schuljahr. Was für eine Kaffeemaschine überhaupt? Diese Kaffeemaschine aus ineinander gesteckten Glaszylindern, die den Betrachter an ein Experiment erinnert wenn er zuschaut, wie Wasser zu Dampf wird und hofft, dass sich im oberen Glasbehälter der Dampf, nun durch Zauberei dunkelbraun und aromatisch, in Flüssigkeit zurückverwandelt? Oder die Kaffeemaschine, die das Prinzip des Aufgießens nachahmt, indem sie das erhitzte Wasser unter Stoßen, Dampfen und Gluckern von oben auf das Kaffeemehl tropfen lässt und es, der Schwerkraft vertrauend, auf die Reise durch Kaffeemehl und Filter in die Kanne schickt? Oder eine dieser Kaffeeautomaten, bei der nichts dem Zufall überlassen bleibt, bei der immer die gleiche Menge Wasser mit dem immer gleichen Druck durch die immer gleiche Menge gerade frisch gemahlenen Kaffees geschossen wird, so dass es den immer gleich schmeckenden Kaffee mit der immer gleichen Crema gibt? Ach was! Ich packe meine Sachen zusammen und werde den ersten milden Frühlingsnachmittag auf der Terrasse eines Cafés verbringen und einen wunderbaren Eisbecher genießen.

Claudia Pütz

Ich habe mich vor meine Kaffeemaschine gesetzt, für 15 Minuten. Was man nicht alles im Namen der Recherche tut. Mal schauen, was sollte man denn schon großartig beobachten?
Eine Maschine, die einen An- und Ausknopf hat. Und die Maschine funktioniert immer je nachdem wie man den Knopf betätigt. Und wie man sie präpariert, also Filter reintun, Kaffeepulver richtig dosieren und das Wasser nicht vergessen. Sobald der Mensch an sich etwas Falsches macht, wird der Kaffee ungenießbar, im schlimmsten Falle kann die Maschine sogar kaputt gehen. Aber wenn wir diese richtig behandeln, wird sie uns nie enttäuschen.
Und etwas anderes ist mir in diesen 15 Minuten aufgefallen. Die Maschine steht einfach da, sie macht die gewöhnlichen Geräusche, wenn wir sie anschalten. Doch wenn wir sie ausschalten, dann ist da etwas, das ich ungewöhnlich finde. Nämlich Stille. Diese Beobachtung ist mir allerdings nicht gelungen ohne mich selbst dabei zu beobachten. Denn ich habe festgestellt, dass ich nie still bin. Wir nehmen so viel Informationen und Emotionen in uns auf, dass unser System einfach überlastet ist und uns nicht mehr spüren lässt, was von den Informationen tatsächlich wichtig ist.
Aber die Kaffeemaschine steht einfach da und macht nichts. Sie ist still. Unabhängig davon, was um sie herum gerade geschieht.
Wo also ist dieser An-und Ausschalter in uns? Das ist vielleicht eine wichtige Lektion hier, die wir dank unserer Kaffeemaschine lernen können.

Ildikó Varga