Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:
Mein Kaffeebruzler ist wie ich. Der funkelfeuerrote Lack splittert und jeden Tag lassen wir ordentlich Dampf ab. Wir haben unsere Kanten, Macken und Launen. Rostflecke tummeln sich auf denselbigen. Wir sprechen nur, wenn wir gedrückt werden und der Filtertopf gut gefüllt ist. Lachen und schweigen gemeinsam. Und der Kaffeeduft breitet sich wohlig in der Küche aus. . Eine Kostbarkeit für jede Nase.
Rechts unten gibt es einen Schalter mit einer Kontrollleuchte. Sie leuchtet nur, sofern wir dazu auch Lust verspüren. Unsere obere Klappe hält selten was sie verspricht. Manchmal mögen wir einfach nicht. Wir drucksen und röcheln, strecken unsere Glieder in alle möglichen Richtungen und trotzdem finden wir keine Kraft für unsere Energie.
Beide lieben wir es gehätschelt zu werden. Oft muss eine Schraube angezogen werden. Regelmäßige Entkalkung ist erforderlich. Zuwendung pur. Auch Seelengucker brauchen hie und da eine Frischekur.
Wir sind im Besitz einer Warmhalteplatte. Sie wärmt den Kaffee und unser Innenleben. Eine auf Hochglanz gebrachte Glaskanne ziert ihre Mitte. Der dazugehörige schwarze Henkel zeigt ungefragt immer in meine Richtung. Egal wo ich mich befinde.
Für explodierende Rückschläge in unserem Leben gibt es dazugehörige Ventile. Denn nur mit ordentlichem Schwung und Temperament gelingt es uns, unsere Arbeit zu verrichten..
Meine Kaffeemaschine und ich. Zwei schrullige und liebenswerte Wesen.
Gabriele Hubatsch
Sie ist weiblich. Aber sie besaß keine der Eigenschaften, die man dem weiblichen Geschlecht meist zuschreibt: zickig, kokett, launisch. Sie war mir vertraut und absolut zuverlässig. Seit zwölf Jahren waren wir oft stundenlang im selben Raum. Beide stumm. Sie nur manchmal mit dem schnorchelnden Geräusch, das Schnupfengeplagte an sich haben, wenn sie schnäuzen wollen. Sie tat, was ich wollte.
In der Wohnung gegenüber geht es morgens sehr hektisch zu, da alle gleichzeitig aus dem Haus gehen. Die Frau sagte mir: »Die Kinder müssen da einfach funktionieren!« Ich empfand danach so etwas wie Dankbarkeit. Vertrautheit und Zuverlässigkeit waren für mich schon selbstverständlich geworden. Erst da wurde mir ganz bewusst: Sie funktioniert immer!
Ich berührte sie fast liebevoll. Nicht zu dick, nicht zu dünn, klassisch schön proportioniert, jedem Modetrend irgendwie angepasst. Alter und Vergänglichkeit? Nein, noch keine Spur von Verkalkung!
In der Wohnung gegenüber gab es Streit. Es kam zum Eklat. Die Frau explodierte förmlich. Irgendetwas – wahrscheinlich hatten die Kinder nicht funktioniert – brachte, wie man so sagt, das Fass buchstäblich zum Überlaufen. Allerdings haben sie sich da drüben wieder beruhigt.
Kurz darauf – unvorhergesehen, völlig unerwartet, nahezu gnadenlos katastrophal – ereignete sich bei mir genau dasselbe. Mit dem Unterschied zum Drama in der Wohnung gegenüber: Der Schaden war irreparabel. Und es lag nicht nur an einem falsch gefalteten Filter!
Irmgard Rivero Salavert
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«, hat der Seminarleiter an die Tafel geschrieben. Meine Mitstreiterinnen beugen sich über ihre Hefte und schreiben los, keine, die ratlos an die Decke oder aus dem Fenster schaut, keine, die gedankenverloren am Bleistift kaut. Was für ein Thema! Typisch VHS! Ich will Geschichten schreiben, keine Gegenstandsbeschreibung üben wie im siebten Schuljahr. Was für eine Kaffeemaschine überhaupt? Diese Kaffeemaschine aus ineinander gesteckten Glaszylindern, die den Betrachter an ein Experiment erinnert wenn er zuschaut, wie Wasser zu Dampf wird und hofft, dass sich im oberen Glasbehälter der Dampf, nun durch Zauberei dunkelbraun und aromatisch, in Flüssigkeit zurückverwandelt? Oder die Kaffeemaschine, die das Prinzip des Aufgießens nachahmt, indem sie das erhitzte Wasser unter Stoßen, Dampfen und Gluckern von oben auf das Kaffeemehl tropfen lässt und es, der Schwerkraft vertrauend, auf die Reise durch Kaffeemehl und Filter in die Kanne schickt? Oder eine dieser Kaffeeautomaten, bei der nichts dem Zufall überlassen bleibt, bei der immer die gleiche Menge Wasser mit dem immer gleichen Druck durch die immer gleiche Menge gerade frisch gemahlenen Kaffees geschossen wird, so dass es den immer gleich schmeckenden Kaffee mit der immer gleichen Crema gibt? Ach was! Ich packe meine Sachen zusammen und werde den ersten milden Frühlingsnachmittag auf der Terrasse eines Cafés verbringen und einen wunderbaren Eisbecher genießen.
Claudia Pütz
Ich habe mich vor meine Kaffeemaschine gesetzt, für 15 Minuten. Was man nicht alles im Namen der Recherche tut. Mal schauen, was sollte man denn schon großartig beobachten?
Eine Maschine, die einen An- und Ausknopf hat. Und die Maschine funktioniert immer je nachdem wie man den Knopf betätigt. Und wie man sie präpariert, also Filter reintun, Kaffeepulver richtig dosieren und das Wasser nicht vergessen. Sobald der Mensch an sich etwas Falsches macht, wird der Kaffee ungenießbar, im schlimmsten Falle kann die Maschine sogar kaputt gehen. Aber wenn wir diese richtig behandeln, wird sie uns nie enttäuschen.
Und etwas anderes ist mir in diesen 15 Minuten aufgefallen. Die Maschine steht einfach da, sie macht die gewöhnlichen Geräusche, wenn wir sie anschalten. Doch wenn wir sie ausschalten, dann ist da etwas, das ich ungewöhnlich finde. Nämlich Stille. Diese Beobachtung ist mir allerdings nicht gelungen ohne mich selbst dabei zu beobachten. Denn ich habe festgestellt, dass ich nie still bin. Wir nehmen so viel Informationen und Emotionen in uns auf, dass unser System einfach überlastet ist und uns nicht mehr spüren lässt, was von den Informationen tatsächlich wichtig ist.
Aber die Kaffeemaschine steht einfach da und macht nichts. Sie ist still. Unabhängig davon, was um sie herum gerade geschieht.
Wo also ist dieser An-und Ausschalter in uns? Das ist vielleicht eine wichtige Lektion hier, die wir dank unserer Kaffeemaschine lernen können.
Ildikó Varga



