Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:
Warm, fast wie ein Stück Haut, fühlte sich der kupferne Kessel der Pavoni an, wenn sie aufheizte. Das war besonders im Winter angenehm, wenn das alte morgendunkle Haus einen mit seiner Kälte ankroch und der Zeiger des Manometers noch fest auf dem kleinen Stift ruhte. Auch er noch müde und ungelenk. Leises Zischeln, wie wenn man an einem Glas Mineralwasser zuhört, dann Zischen, begleitet von einem hauchfeinen
Niesel aus undichten Stellen, waren die Vorboten des Ausbruchs. Oben rechts befand sich ein Ventil, primitiv und doch listig, wie alles an der Maschine. Es war eine Feder die eine kleine Metallkugel im Zaum hielt. Wenn der Druck im Innern des Kessels für das Milchschäumen
ausreichte, brach sich der Dampf den Weg durch das Ventil frei. Früher war das ein wütender Ausbruch von Kraft und Trotz, jetzt, wo sie alt geworden war, röchelte sie nur noch. Ja, sie sabberte sogar, wie alte, zahnlose Menschen das manchmal tun. Um dieser Zügellosigkeit zuvorzukommen wachte ich und begann mit dem Erhitzen der Milch bevor es soweit kam. Überhaupt musste man wachsam sein, damit sich mit dem Alter keine Nachlässigkeiten einstellten. Insbesondere, wenn der Mensch alleine ist, stellen sich diese Dinge ein. Warum soll das einer Kaffeemaschine anders gehen? Deshalb wachte ich. Ich war bei ihr im Moment, da sie sich vergaß.
Leo Sternenseh
Klein, kompakt, rot und heiß geliebt! Sie steht im Wintergarten gleich neben dem Radio und spielt eine zentrale Rolle bei allen Gesprächen und Diskussionen die hier stattfinden. Weil sie Quadratisch ist hat es oben noch Platz zum Tassen vorwärmen. Als Kapselgerät überlässt sie dem Nutzer die Auswahl von Kaffeesorte und Stärke. Sogar drei verschiedene Koffeinfreie sind erhältlich. Nur der Wassertank und der Kapselbehälter könnten etwas grösser sein. Manchmal wünsche ich, wir hätten uns für ein grösseres Gerät entschieden. Aber, wenn sie grösser wäre, hätte sie kaum Platz. Vorne auf der Front prangt der Schriftzug »Stürmifüüdle«. Diesen Namen hat sie seit in unserer Frauenrunde Verena die Bemerkung machte: »Deine Kaffeemaschine ist ein ‘Stürmifüüdle’, sie verleitet mich immer zum noch mehr Kaffee trinken.« Prompt hat Carmen beim nächsten Treffen einen Kleber mitgebracht und ihn der kleinen, roten auf die Front geklebt. Wenn jetzt jemand noch einen Kaffee will heisst es: »die Kleine ‘stürmt’ wieder« oder: »schau mal, das ‘Stürmifüüdle’ hüpft wieder«.
Ich bin zwar jetzt allein, aber das hält unser ‘Stürmifüüdle’ nicht ab vom hüpfen und auf sich aufmerksam machen. Deshalb …. mhhhhmmmm!
Madeleine Martin
Wie lange ist es her, dass ich braune Tropfstreifen abgewischt habe? Immer und immer wieder. Wie aus dem Nichts waren sie am weißen Gehäuse der Kaffeemaschine. Wie selbstverständlich nahmen sie ihren Platz ein. Als ob sie dazu gehörten, sagen wollten: Seht her, sie hat schon wieder verschlafen!
Keine Zeit verlieren! Maschinen müssen her und alles geht wie von selbst. DER Kaffee soll schmecken? Wie bei allem, was neu, andersartig ist, steht die Skepsis als Zwillingsgedanke dicht daneben. Vorprogrammiert, ein Knopfdruck und die Liebe zum Detail bleibt auf der Strecke. War es eine weibliche Erfindung? Die Idee, aus der Not geboren, begründet in der Putzperfektion, führte edles Schwarz ein. Passend farblicher Gegensatz zu postmodernen, sterilweißen Küchenmöbeln. Es gluckert in der Ecke, unsichtbar läuft brauner Wachmacher in die Kanne. Sie tropft immer noch. Ganz gleich, wie man sie hält. Früher war das nicht so! Bei Kaffeekannen aus Porzellan! Wart’s ab!
Ein findiger Kopf, spielerisch, gepaart mit Optimsmus: es wird nie wieder tröpfeln! hat den Grundstein gelegt für den Kaffeekult. Direkt in die Tasse faucht und spuckt es aus schmalen Stahlröhrchen. Die Liebe zum Detail ist wiederentdeckt, von den Baristas, den Kaffeekünstlern. Normaler Kaffee ist passé. Die Bezeichnungen sind so vielfältig wie die Verzierungen, die Geschmacksnerven und besonders das Auge immer wieder in Verzückung bringen.
Bis die Sicherung rausspringt, die Maschine durchknallt.
Henriette Jorjan
Sie hatte es satt. Jeden Morgen dasselbe Spiel. Ein Knochenjob und ganz ohne jeden Anspruch. Sie war doch nur Mittel zum Zweck, Handlangerin!
Sie machte ihre Sache gut, verdammt gut sogar. Jedes Detail war perfekt abgestimmt, jeden Handgriff saß – ein von Anfang bis Ende klarer, sauberer und geschliffener Prozess, den sie im Schlaf hätte herbeten können. Schlaf, den sie kaum noch fand, seit um sie herum die Sorgen zunahmen.
Morgens war es meist Tim, der sie aufsuchte. Gegen halb fünf hörte sie ihn mit müdem Schritt näher kommen. Unrasiert, mit zerzaustem Haar und abgestanden Atem. Meist war er mit den Gedanken woanders, konzentrierte sich nicht auf sie. Dann lief ihr das Wasser am Bauch entlang, rieselten ihr die braunen Flocken auf den Schoß. Wenn sie fertig waren, ergriff er seine Beute und verschwand. Ließ sie in ihrer Pfütze stehen.
Abends erbarmte sich Svea ihrer, legte sie trocken und befreite sie von den Spuren des Morgens. Das waren schöne Momente: Aufmerksamkeiten ohne Forderung nach einer Gegenleistung.
Nachts kam sie dann noch mal vorbei, hatte getrunken, zu viel geraucht. Wie immer dieser Tage. Und konnte nicht schlafen, wollte es nicht. Svea suchte die Freundin auf, damit diese ihre Trost spende. Sie strengte sich dann immer besonders an, wollte, um Svea eine Freude zu machen. Es gab Espresso, einen doppelten mit Milchschaum. Und ein kleines Lächeln, das über ihre beiden Gesichter huschte.
In diesen Momenten liebte sie es, eine Kaffeemaschine sein.
Melanie Voß
»Neu« nennt er das Ding, aber die Kaffeemaschine spotzt und röchelt und keucht wie ein alter Mann. Am ersten Tag mit Monsieur Vieux, wie er die Maschine nennt, hat er das Spotzen und Keuchen mit einem Diktiergerät aufgenommen –damit er üben kann für die Zeit, wenn er selbst ein Monsieur Vieux ist. Er sieht auch bald so aus. Ein glanzpoliertes Äußeres (ihm gehen hinten am Kopf schon die Haare aus) und mit Schaltern, Knöpfen und anderer Technik, innen wie außen: Hörgerät, künstliche Hüfte, Herzschrittmacher und Bypass. Und die Maschine keucht dann immer noch und mahlt knurrend die Bohnen klein, prustet kochendes Wasser durch die mit der Zeit verkalkenden Aderröhren.
Aber noch glänzt Monsieur Vieux, reckt ungeniert seinen spiegelnden Glasbauch vor, während der Kaffee duftend hineintröpfelt, zwinkert mit den Lämpchen für Milchschaum und Espresso.
Er kichert bei der Vorstellung, dass man ihn, später, auch nach Wunsch einstellen kann: eine Zeitschaltuhr fürs pünktliche Aufstehen, ein Cappucchinoknopf für den Schaumschläger in ihm, eine Latte-Macchiato-Einstellung für die Damen. Und immer in elegantem Schwarz, denkt er, und tätschelt dem spotzenden Monsieur Vieux die Kunststoffhaut.
Kati Fräntzel



