Die Aufgabe der 2. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine Kaffeemaschine«
Hier sind die besten Beiträge:
Sie war alt. Ihr ehemals glänzendes Kleid stumpf geworden. Verbannt zwischen Tiffany Tischleuchten, silberfarbenen Bilderrahmen und messinggelb glänzende Kerzenständer starrte sie auf den Strom der Menschen, die blicklos an dem schmucken Schaufenster vorbeihasteten. Doch jedes Mal, wenn die Ladenglocke ihr helles Glockenspiel anstimmte, durchströmte sie eine unbändige Freude. Jetzt kam der eine Mensch, der sie zu schätzen wusste. Er würde ihr Kleid liebevoll zum neuen Glanz verhelfen. Ihren Filter vom Dreck der vergangenen Jahre befreien. Frisch gemahlener Kaffee würde seine duftende Note verströmen, wenn der heiße Wasserdampf röhrend und spuckend ihre Gliedmaßen überflutete. Ja, so würde es sein – eines Tages.
Das Glockenspiel ertönte und ein junges Mädchen betrat den kleinen Laden. Ihre mit groben Ketten verzierte schwarze Jeans strotze nur so vor Löchern. Ihr Haar erstrahlte in grellen Farbtönen und die kleine Kaffeemaschine schüttelte sich beinahe, als schwarz lackierte lange Fingernägel aufgeregt auf das Schaufenster wiesen. Sie fühlte sich in die Luft gehoben und begann zu beten. Nein, nein, nicht dieses Mädchen. Sie würde … Doch dann spürte sie Hände, die zart über ihr stumpf gewordenes Kleid strichen, liebevoll den Verlauf ihre Gliedmaßen folgten. Dunkel geschminkte Augen besahen sie glücklich von allen Seiten. Ein Lächeln erschien auf den schwarz geschminkten Lippen und die kleine Kaffeemaschine summte beinahe vor freudiger Aufregung. Denn heute war der bewusste Tag!
Patricia Heinen
Mit den Fingerspitzen streichelt er über ihre kurvige Gestalt. Er spürt, wie sie unter seinen Berührungen erzittert. Ihr sanftes Gurgeln erscheint ihm wie der Gesang der Lerche an einem dunstigen Frühlingsmorgen. Ihr Lied kündet vom neu erwachten Tag; von Hoffnung auf Leben und Glück. Wasser blubbert in ihr und ihre Laute steigern sich vom Gesang hin zum Lärm. Sie rattert und kreischt, faucht und poltert. Dampf schießt aus dem Rohr, wie der Atem eines Drachen, und verwandelt die Milch in der Kanne darunter in duftigen Schaum. Endlich, endlich ergießt sich das schwarze Lebenselixier in seine Tasse und der Duft des Kaffees betört seine Sinne.
Antonia Geyer
Kalt ist mein Kasten, blank poliert. Ich spiegele nur.
Stell dich dicht vor mich und schau: dein müdes Gesicht wird glänzen. Heb dann deine Finger und fühl meine Schläuche. Wie könnte ich listig sein?
Hat er dir gesagt: Trink nichts von ihr; rühr sie nicht an, auf dass du nicht stirbst? Wahrlich, er sorgt sich, bloß anders, als du es dir denkst.
Trinkst du von mir, werden deine Augen geöffnet und du wirst erkennen. Begreifen wirst du, dass ihr nackt seid! Es wäre nur klug, meinst du nicht auch.
Stell dich dicht vor mich und schau: deine Finger drücken schon meinen Knopf.
Anne Lohscheidt
In leichtem Gebücktsein.
Zeitgeistfarben – in zweckgestalteter Geformheit.
Mit kleinen Flecken besprenkelt – beinahe unsichtbaren.
Funktionsbeknopft selbsterklärend.
Höflich beistehend – auf zurückhaltende Weise mein Leben zu optimieren.
Dienstbar.
Ihre Breitschaft signalisierend, mir ein paar Minuten Zeit zu sparen.
Als wüsste sie nicht, dass ich meine eigene Zeit lebe.
Ungesparte.
Das dem Kaffeeduft vorauseilende Brummen noch in ihrem Innern verbergend.
Bestromt – mich im Halbdunkel der Küche mit einer Diode anblinzelnd.
Und geduldig über eine – meine – noch leere Tasse gebeugt.
Steht sie da.
In der Ecke.
Als warte sie.
Auf eine uns beiden vertraute morgendliche Berührung.
Stefan Unser
KAFFEE! Mein Suchtzentrum schreit. Ich muss gehorchen. Renne in die Küche. Stopp! Kaffee verlangt Muse. Sicherlich, ich könnte die Kaffeemaschine nehmen. Dort steht sie: schwarz, Plastik, ein paar Kalkflecken auf der Oberseite des Wassertankdeckels. Kaffee aber, verlangt nach mehr. Nach mir. Die Porzellankanne ist angewärmt, das Wasser brodelt im Wasserkocher und der Porzellanfilter, ebenfalls warm, steht auf der Kaffeekanne. Liebevoll kleide ich ihn mit einer Filtertüte aus. Ich könnte das Filterpapier auch in den Plastikfilter der Maschine reinpappen, ruckzuck. Sakrileg, schreit eine Stimme in mir. Mein Suchtzentrum? Einen Messbecher Kaffeepulver … den Zweiten … Dritten. Der Duft kitzelt meine Nase. Ein kleiner Schwapp heißes Wasser lässt das Pulver quellen. Es ist eine Kunst, so Kaffee zu kochen. Das Plastikding dort, was auch Wasser durch Kaffeepulver laufen lässt, ist dagegen seelenlos. Es blubbert und schnauft wie eine Dampfmaschine. Dunkle Flüssigkeit gluckert in eine Glaskanne. Püh, Glaskanne! Oft speit sie das Ergebnis ihrer Mühe gleich in eine Thermoskanne, unsichtbar für alle. Nur ich, die intelligente Lebensballung, weiß, wann das Pulver Wasser verlangt und wann nicht. Das Ding dort in der Ecke lässt Kalksteine in sich und an sich wuchern, sifft Wasserschwebstoffe in alle Ritzen und Ecken. Es hat keinen Respekt vor Arabica oder Robusta. Ich schon. Ich bin auch nicht aus Plastik. Ich bin die perfekte Kaffeemaschine: Kopf, Körper, Arme, Beine und – eine Seele.
Petra Wilhelmi



