SchreibStar und Möchtegern

Trainingscamp

Steckt auch in Ihnen ein SchreibStar? Finden Sie es heraus!» mehr

Jury

Hier erfahren Sie, wer über den SchreibStar entscheidet. » mehr

Sendung

Die anspruchsvollste Casting-Show im TV. » mehr

 

Schreibaufgabe – Runde 1

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Es gibt jene schlaflosen Nächte, an denen ich Aufregenderes zu tun habe, als zu schlafen. Wirke ich müde und genervt am nächsten Tag? Nicht die Spur! Voller Euphorie und mit einem Lächeln im überraschend frisch wirkenden Gesicht schwebe ich durch den Tag, gedopt durch die Ereignisse vergangener Nacht. Doch ich kenne auch jene Nächte, an denen man sich über alles Mögliche den Kopf zerbricht und auch nach dem hundersten gezählten Schäfchen noch wach ist. Die rote Digitalanzeige des Weckers hält mir schonungslos und unmissverständlich vor Augen, wie lange ich schon grübelnd daliege. Schuld daran sind weder Voll- noch Leermond, sondern die Ratschläge, die ein 30-jähriger Single Tag für Tag erhält. Glauben Sie mir, darum bin ich nicht zu beneiden. Bei diesen verbalen Überfällen handelt es sich um angeblich gut gemeinte Tipps, die dazu führen sollten, wieder einmal eine schlaflose Nacht der positiven Art zu erleben. Kleider- und Kosmetikschrank neuen Schwung verleihen, ein paar Pfunde verlieren, sich auf Paarship anmelden und was wir bemitleidenswerten Geschöpfe sonst noch zu hören bekommen. Selbstverständlich sind die, welche uns mit diesen Weisheiten versorgen, glücklich und bis an ihr Lebensende vergeben. Aber wenn ich es mir genau überlege, ist es das Gejammer einer sonst Ratschläge erteilenden Kollegin, was mich wach hält. Soeben musste diese feststellen, das ihr Glück doch nicht bis in alle Ewigkeit gedauert hat.

Katja Abderhalden

dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *gähn* di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *dreh* di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *dreh* di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *gähn* di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *kratz* di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *schlürf* di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *gähn* di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di *dreh* dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *wälz* di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di *gähn* dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *kratz* di dumm di dumm di dumm di dumm di dumm *wälz* di dumm di dumm di dumm di d *ring*

Hab Abendschein

Er stirbt. Wenn ich nicht aufpasse, stirbt er. Das dunkelblaue Zimmer taucht eine grüne Lumibärlampe in Unterwasserlicht. Eintauchen und verschwinden. Fluoreszierende Klebesterne weisen dem Kind den Weg in den Himmel. Es sind besondere Kinder, hat die Beraterin gesagt. Sie werden nie Menschen erleben, die zu unbedingterer Liebe fähig sind. Der Beraterin hat sie geglaubt. Das Urteil des Arztes hat sie beiseite geschoben. Sei nicht blöd, habe ich ihr gesagt. Du weißt nicht, was du dir antust damit, habe ich ihr gesagt. Eigensinnig ist sie schon immer gewesen. Nie gehört hat sie auf mich. Liegt nebenan im Elternschlafzimmer und schläft einen komagleichen Schlaf. Vier Nächte hat sie im Unterwasserlicht gesessen. Jetzt kann sie nicht mehr. Die Chancen, dass Sie nach einem Abbruch ein zweites Mal schwanger werden, stehen fifty-fifty, hat der Arzt gesagt. Operationen im Mutterleib und am Säuglingskörper. Sie wollte es, das besondere Kind mit der unerschöpflichen Liebe. Unterwasserlicht fällt auf die blassen Kinderwangen. Der Mund ist leicht geöffnet, Luft einsaugen, so viel, wie geht. Ein Speichelfaden verlässt den Mundwinkel und tropft Pu, dem Bären, auf die Nase. Der Anfall am Nachmittag war der heftigste seit Monaten gewesen. Zwei Stunden zwischen Spucken und Schimpfen. Zwei Stunden zwischen Notarzt und Nein, es geht schon, wir kommen zurecht. Auch ohne dich. Du hast ihn ja nicht wollen. Ich sterbe, wenn ich nicht aufpasse.

Andrea Arndt

Ich saß auf der Couch im Wohnzimmer, hatte eine Decke um mich geschlungen und kaute an den Fingernägeln. Sollte ich – oder sollte ich nicht? Sollte ich mich für das Kind entscheiden – oder dagegen? Es musste inzwischen weit nach Mitternacht sein. War ich bereit, Verantwortung zu übernehmen? Mein Hirn übersandte mir ein klares Nein. Ein Kind war lästig, ein Kind machte Arbeit und ein Kind band mich ans Haus.
Also weg damit? Doch das wollte ich auch nicht. Nein, falsch, das war genau das, was ich wollte. Ich wollte jedoch, dass diese Entscheidung jemand anderes für mich übernahm. Jemand, dem ich die Verantwortung für mein getötetes Baby unterschieben konnte. Wie zum Beispiel dem Kindsvater. Ja, es wäre gut, wenn es seine Entscheidung wäre. Wenn er sagen würde, nee du, lass mal stecken, aufs Vaterwerden habe ich keinen Bock, mach es weg. Ja, dann würde ich es wegmachen lassen. Und wenn ich irgendwann Gewissensbisse deswegen bekommen sollte, dann könnte ich ihn nachts anrufen und beschimpfen, könnte ihn anbrüllen, dass es alles nur seine Schuld sei, ja genau, seine Schuld, denn ich hätte das Baby ja liebend gerne bekommen, doch dass die Verantwortung für mich allein zu groß gewesen sei, und dass er sich ja wie immer vor allem gedrückt hätte.
Ich stellte das Nägelkauen ein, griff nach meinem Handy und wählte seine Nummer. Es würde eine lange Nacht werden.

Angelika Bahr

Es ist kurz nach Mitternacht. Irgendwo in meinem Bauchraum spüre ich den ersten Anflug des Kribbelns, das ich seit zwei Wochen mit mir herumschleppe.
Und dann wird es eng in mir. Ein ziehendes Gefühl beginnt sich seinen Weg nach oben in meinen Brustraum zu bahnen. Ich aaaatme. Mein Rücken beginnt zu jucken. Meine Güte ist mir heiß! Blöde Decke; war ja von Anfang an dagegen sie zu kaufen. Wieder so eine Schnapsidee meines Mannes. Der träumt friedlich vom Schweinsbraten, der mir im Magen liegt, obwohl ich ihn nicht einmal gegessen habe. Was der in sich hineinstopft! Einmal wird er fett. Ob ich Anton wecken soll? Ich hol mir ein Glas Wasser. 3:30. Mein Magen knurrt.
Soll er, – dafür sind meine Leber und meine Galle glücklich, dass sie seit
14 Tagen engiftet werden. Morgen werde ich meinen 40.sten Geburtstag und frische, verjüngte Organe feiern. Saftkur- weiß doch jeder, dass das die Lebensqualität hebt! Nur Anton nicht. Der liegt satt im Bett und rührt sich nicht. Der ist so was von unsensibel!
Jetzt jucken mich auch schon der linke Oberarm und das rechte Knie! Ich glaub ich bin gegen ihn allergisch. Morgen lass ich mich scheiden. Ich werde … was jault denn da so penetrant, kaum dass ich eingeschlafen bin?! Anton steht über mich gebeugt und schüttelt den Kopf: “Liebling, Du bist auch im hohen Alter noch ein Kind geblieben!”. Um 6:30 materialisieren sich auf jedem Quadratzentimeter meiner Haut VARICELLEN!

Natascha Batic

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Die alte Frau sass auf dem Bett. Von Zeit zu Zeit schlug sie die Hände vors Gesicht. Krallte die Nägel in die Kopfhaut. Der scharfe Schmerz antwortete dem Gefühl der Ohnmacht und Verzweiflung, die sie davon abhielten, sich hinzulegen, die Augen zu schließen und sich in einen Schlaf zu flüchten, der wie eine schwarze Wand vor ihrer Seele stand.
Wo ist sie jetzt? Vorbei, vorbei.
Nein, nein.
Sie war eine Mutter, die Mutter der sanften, klugen Leila. Von der Straße klang das Jaulen eines Hundes herauf. Die Hitze des Tages war in den Steinen gefangen. Endlos hatten sie geredet, verzweifelt geschrien. Jetzt schliefen alle Mitglieder der Familie. Nur sie nicht. Eine Mutter kann nicht schlafen, wenn sie mit der Klarheit ihres mütterlichen Instinkts weiß, dass ihr Kind verloren ist.
In dieser Nacht wusste sie es. Sie stand auf, ging in die Küche und setzte sich an den Tisch, ohne Licht zu machen. Der Schein einer Straßenlampe fiel auf die Wand mit der Uhr. Halb drei, bewegten sich lautlos ihre Lippen. Jetzt machte sich Leila bereit. Wer war bei ihr? Die Männer hatten alles vorbereitet. Sprengstoff, Zünder, den Gürtel. Dann waren sie aus dem Raum gegangen und hatten Leila allein gelassen.
Ich muss es tun. Karim hätte es gewollt. Sie hatte es dem Bruder versprochen.

Axel P.

Scheiße. Wenn es kommt, dann gleich alles auf einmal. Gestern fliege ich im wahrsten Sinne des Wortes auf meinen A…, heute hat mich der Rotz so gepackt dass ich denke, mein Kopf zerplatzt, draußen ist Vollmond und ich liege seit drei Stunden in meinem Bett und kann nicht schlafen. Wobei liegen das falsche Wort ist, denn mein Allerwertester – na sie wissen schon.
Was sagt die Uhr? Zwei. Nach weiteren 10 Minuten stehe ich auf. Leider bringt die Nasendusche nichts, die Luft bleibt knapp. Derweil quakt unten seit fünf Minuten ein Frosch. Am liebsten würde ich mit einer Pfanne runtergehen…
Wo habe ich eigentlich die Kontoauszüge hingelegt? Ich fange an zu suchen – nichts. Du hattest die grüne Tasche! Aber auch da Fehlanzeige. Dafür finde ich mein Pendel wieder, von dem ich seit über einem Jahr glaubte, es verloren zu haben. Ob das eine Bedeutung hat?
Ein Blick zur Uhr zeigt mir, dass erst 10 Minuten vergangen sind. Das ist ja ätzend. Bleibt noch das Telefon. In Texas bei Margie geht leider nur der AB an, und auch bei Sally in Australien habe ich kein Glück.
Hm. Mein Vorratsschrank müsste mal wieder aufgeräumt werden. Allerdings gebe ich das Vorhaben auf, nachdem die Mehlpackung und das Honigglas sich auf dem Fußboden zu einer wunderbaren Masse vereinen, die ich unter wüsten Flüchen aufwische.
Viertel vor drei. Erneuter Schlafversuch, leider ergebnislos. Dann die Erleuchtung.
Ich hole mir einen Block und einen Stift und lege los, in der Schweiz war ich nämlich noch nie…

Inge Beer

Es müssen Stunden vergangen sein, seit Ilanah versucht, Schlaf zu finden. Wie oft hat sie sich schon von einer Seite auf die andere gedreht? Das Betttuch ist feucht und ihre Haut klebt. Sie setzt sich auf, die nackten Füße berühren den kühlen Boden. Schritt für Schritt Abkühlung. Sie zieht das leichte Nachtgewand um sich und geht zum Fenster. Die Hand schiebt den Vorhang zur Seite, nur gerade weit genug, um hinauszusehen. Das helle Gewand verschmilzt mit der weißen Fläche hinter ihr. Ein nächtlicher Beobachter würde nur ihr dunkles Haar und das Oval des Gesichts in der Fensteröffnung erblicken. Doch die Straßen sind menschenleer. Ilanahs Blick gleitet über die Häuser der Stadt, die unter ihr ausgebreitet sind. Die weißen Häuser, die im blassen Licht grau erscheinen, werfen undurchdringliche Schatten. Wie ein Band aus angelaufenem Silber zieht sich der große Strom zwischen ihnen dahin, als wäre das Mondlicht in ihm ausgegossen. Die markante Silhouette der Stadtmauer hebt sich deutlich gegen die Dattelpalmen ab, die sich in weichem Schwung hinauf zu den Hügeln ziehen. Wie eine Krone aus Stein fasst der dunkle Wall um die Stadt und hält sie zusammen, schützt und behütet ihre Bewohner. Doch vor der Nacht kann auch die Mauer nicht schützen. In der Dunkelheit tanzen die Gedanken, fliehen über die Befestigung und nehmen Ilanah mit, hinweg durch die graugrünen Gärten, hinauf in die Hügel und weiter über die Berge, die in der Ferne schon von der Morgenröte künden.

Sabine Biesalski

Die Uhr stürzt von ihrem Stammplatz
direkt in meinen Kopf
Widerhall des Ticken
vor Gedanken vibriert mein Schopf
Mein Bett sticht tausend Nadeln
mein Körper schmerzt
nichts scheint richtig
alles verkehrt
Die Toilette ruft meinen Namen
poltert und rauscht
ich muss sie besuchen
alles muss raus
Mein Mund ein Wüste
meine Kehle so trocken
ich brauch eine Wasserquelle
schnell mach ich mich auf die Socken
Mein Herz tanzt wild im Takt der Trommeln
meine Gedanken rasen im Kreis
in meinem Kopf nur du
das ist alles was ich weiß
vom Schaf kann ich nur träumen
der Morgen graut
wütend schließe ich die Augen
bis sich eins öffnet und auf die Uhre schaut

Nicole Binga

Wir wohnen auf dem Land, meine Prinzessin und ich. Gestern ist sie 18 geworden. Heute hat sie den Führerschein gemacht, jetzt braust sie mit meinem Corsa in die Disco. Vorher zieht sie noch eine Schleife durch die Dörfer und sammelt ihre Freundinnen ein. Ich gönn ihr den Spaß, neidisch bin ich aber auch. Weil ich nicht als Glucke dastehen will, hab ich’s mir verkniffen zu fragen, wann sie heimkommt. Vor Mitternacht bestimmt nicht. Kann gut sein, dass es drei wird oder vier.
Mein Buch hab ich durch. Was, noch nicht mal elf? Fernsehen ist öde, erst recht wenn sich die Zeit wie Kaugummi zieht. Sendeschluss. Wo bleibt sie nur? Ich tigere durch die Wohnung, öffne ein Fenster: nichts. Samstagnacht sind die Halbstarken mit ihren getunten Kisten unterwegs, hoffentlich bleiben die auf ihrer Spur! Erste Vögel künden vom neuen Tag. Kälteschauer rieseln über meinen Rücken. Ob ich mir einen Cognac gönne? Nein, ich muss fit sein, wenn die Polizei die Nachricht bringt. Oder wenn jemand aus dem Krankenhaus anruft. Ich schau mal, ob die Akkus im Telefon geladen sind. Stopp, was liegt da mitten im Flur? Das war doch vorhin noch nicht da. Ein Tempoknäuel. Ich stürze ins Kinderzimmer. „Was machst du denn hier?“
„Bin g’rade heimgekommen. Zu Fuß.“
„Hm?“
„Wir waren auf dem Hinweg für ’n paar Red Bulls in der Tanke. Dann sind alle zum Auto um die Wette gerannt. ‚Die Erste darf vorn sitzen!?, du weißt schon.“
„Und?“
„Eine hat mich angerempelt. Da ist mir der Schlüssel in den Gully gefallen.“

Helga Blum

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Leona setzte sich in den Wagen ihrer Mutter und fuhr los. „H-Schaltung“, murmelte sie, „H-Schaltung“.
Der Wagen dröhnte in der Nacht, als ihr einfiel hochzuschalten. Sie bog in die Grünwalder Straße. Kurz darauf kam sie an1860 vorbei. Wie oft hatte sie dort auf Luigi gewartet. Und jetzt, wo er in der U-23 war, kannte er sie plötzlich nicht mehr.
„Ich hab kein Sex mit Minderjährigen.“
Was für eine dämliche Ausrede.
Plötzlich befand sie sich auf der Autobahn. Noch nie war sie aus München rausgekommen. Nur virtuell. Da war sie schon überall.
„Kein Wunder bringst du es zu nichts“, hatte ihre Mutter gekeift, als sie sie beim Surfen erwischte, und eine Woche Internetverbot verhängt.
Die Autobahn gabelte sich. Sie musste sich entscheiden: Regensburg oder Nürnberg?
In Nürnberg wohnte ihr Vater. Mit vierzehn sollte sie zu ihm ziehen. Doch seit er die neue Tussi hatte, war davon nicht mehr die Rede. Sie fuhr weiter.
Eine gute Stunde später passierte sie Würzburg.
Dann kam lange nichts und sie fragte sich, ob der Wald die Welt verschluckt habe. Sie drehte das Radio auf und drückte das Gaspedal durch.
Ein Schild kündigte Hannover an.
Das war in der Nähe von Hamburg. Und in Hamburg hatte sie einen Freund auf Facebook. Genauer gesagt in Altona.
Sie erreichte den Elbtunnel. Im Schritttempo zockelte sie hindurch.
Auf der anderen Seite färbte sich gerade der Himmel rot. Es war, als ob die Welt neu entstanden wäre.
Leona atmete tief aus. Von jetzt an hätte sie vor nichts mehr Schiss.

Zara Bronsky

Sanft leg ich mich zur Ruh,
bekomm jedoch kein Auge zu,
tausend Gedanken kreisen umher,
das einschlafen fällt mir dadurch sehr schwer.
Müde lieg ich im Bett, schlaf jedoch nicht ein,
sollte aber morgen wieder ausgeschlafen sein.
Ich beginne damit, Schäfchen zu zählen,
damit mich meine Gedanken nicht weiter quälen,
doch wie sollte es auch anders sein,
davon schläft man auch nicht ein.
Ich lieg nun im Bett, müde aber munter,
zähl von hundert bis null herunter,
doch auch dieser Versuch hat nichts gebracht,
nun ist es schon mitten in der Nacht.
Ich drehe mich hin, ich drehe mich her,
warum fällt mir das einschlafen nur so schwer?
Nun stell ich mir vor, ich wäre in einem schönen Land,
gehe dort spazieren, natürlich am Strand,
meine Augen werden schwer und fallen zu,
und genau jetzt läutet der Wecker, juhu!

Anja Buchinger

Markus erwachte am Abend. Er setzte sich auf den Stuhl neben dem Fenster. Er schob einen Streifen des Vorhangs beiseite. Der Mond zeigte seinen Hintern. Markus drückte auf den Knopf am Rechner und verließ die Wohnung.

Er lief über den Weg vor dem Haus. Sand knirschte. Ein Rollladen knatterte. Er lief auf dem Rasen weiter. Auf dem Weg neben der Hauptstraße rannte er. Eine Personenlastschlage erreichte vor ihm die Straßenkreuzung. Die Ampeln waren dunkel. Markus stellte sich auf die Fahrbahn. Er lief im Kreis und hüpfte. Auf einem Dach lärmten Krähen. Markus sprang über ein Geländer. Am Bahnhof stand ein Gerät mit Bildschirm. Markus schob Münzen in das Gerät. Einige der Metalltasten klemmten, aber die Drehkugel funktionierte. Er grinste in die Kamera. Das Gerät wollte mehr Geld. Markus rannte weiter.

Gert Buschmann

“Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett…”, Zeit allein für mich. In dieser Nacht wird die Uhr auf Sommerzeit umgestellt. Was soll’s, Licht aus. Genüsslich kuschle ich mich an meinen schlafenden Mann. Im Einschlafen höre ich auf der Terrasse Stühle über den Beton ratschen. Liebestolle Katzen? – Nein, Katzen rücken keine Stühle. Im Nu bin ich am gekippten Fenster. Alles still, nur die Atemgeräusche meines Mannes. Plötzlich ein Lichtkegel, kurz danach wird das Hoflicht eingeschaltet. Wütend reiße ich das Fenster auf: “Hau ja ab!”. Jemand rennt davon, mein Mann sucht splitternackt etwas zum Anziehen. Die Tür hat standgehalten. “Komm, schlaf weiter, ich lese noch ein bisschen und bewache Dich.”

Christel Carl

Eine schlaflose Nacht erlebe ich, wenn ich die ersten Sätze einer Geschichte getippt habe. Dann befällt mich ein abwesender Blick und ich realisiere nicht mehr, was um mich herum geschieht. Ich bin mit den Figuren meiner Geschichte unterwegs und erlebe ihre Abenteuer hautnah mit. Ich werde für ein paar Stunden einer von ihnen. Ich helfe ihnen, Türen zu öffnen und Schätze zu finden. Ich bin dabei, wenn sie sich Hals über Kopf verlieben. Wenn sich zwei Liebende am Flughafen trennen oder sie sich wieder begegnen und Küsse austauschen, ich bin da. Ich stehe ihnen bei, wenn sie entführt oder ausgeraubt werden und ich befreie sie wieder aus der Klauen der Verbrecher. Ich schenke ihnen Träume und zeige ihnen den Weg zum Ziel. Und wenn sie nach einer langen Odyssee endlich in ihrem Zielhafen einlaufen, bin ich bereits dort und empfange sie mit offenen Armen. Ich freue mich mit ihnen und muss selbst die Tränen unterdrücken, wenn sich zwei Seelenverwandte wiederfinden. Ich fühle mit, wenn sich ihnen die Nackenhaare sträuben, denn meine tun es ihnen gleich. Manchmal frage ich mich, ob ich eigentlich die Fäden in der Hand halte oder die Figuren beginnen, mich zu beeinflussen. Dabei bin ich doch derjenige, der ihnen für die Länge einer Geschichte Leben einhaucht. Wenn die Geschichte und die Figuren noch eine Zeit lang in den Herzen der Leser weiterleben, haben sie ihr Ziel erreicht. Und mich macht es glücklich, denn ich durfte andere am Ergebnis meiner schlaflosen Nacht teilhaben lassen.

Peter Cawley

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Was für ein Tag. Völlig erschöpft kehre ich von der Arbeit nach Hause zurück. Mein einziger Gedanke, nur noch ins Bett. Ich kuschle mich unter die Decke. Das Telefon klingelt. Soll ich rangehen? Es dauert sicher nur fünf Minuten. Entschlossen greife ich zum Hörer. Mandy meine beste Freundin ist dran. Ich frage mich, was hat sie jetzt schon wieder für ein Problem? Total aufgelöst erzählt sie mir,das Kevin ihr Freund, seit 2 Tagen nicht nach Hause gekommen ist. Weil es nicht das erste mal ist, versuche ich sie zu beruhigen.Weil ich müde bin, vereinbare ich ein Treffen mit Ihr am nächsten morgen.Endlich Ruhe.Schnell schlafe ich ein. Was klingelt da? Etwa schon wieder das Telefon? Nein ich will nichts mehr hören. Darum verkrieche mich unter der Decke. Aber es hört nicht auf. Es ist an der Haustür. Widerwillig stehe ich auf und schaue nach. Draußen steht Mandy. Sie heult noch immer. Ich lasse Sie herein. Meine Stimmung sinkt auf den Nullpunkt. Wir setzten uns in die Küche. Zur Beruhigung trinken wir ein Glas Prosecco. Unter Weinkrämpfen erzählt Sie mir die ganze Geschichte. Was soll ich nur machen? Es ist bereits 3 Uhr früh. In 4 Stunden muss ich schon wieder aufstehen. Und Mandy hat sich immer noch nicht beruhigt. Drei Gläser später mache ich Ihr den Vorschlag bei mir zu schlafen. Widerwillig lenkt sie ein. Ich richte das Gästebett ein, bringe Sie ins Bett, und hoffe dass Sie endlich Schlaf findet.Was für eine Nacht. Aber wozu hat man eine Freundin.

Susanne Dähler

Wo bei Anderen Schafe sind, strolchen bei mir Gedanken herum.
Sie bauen in meinem Kopf schwierige Parcoure auf, mit Hürden, Gräben, zu überspringenden Mülltonnen und bestialischen Insekten, die mich immer genau dann bedrängen, wenn ich dabei bin, einen Gedanken zu fassen.
Ich könnte schreien. Immer, wenn ich wieder in eine Sackgasse gerannt bin, außer Atem erkennen muss, dass hier Schluss ist, alles wieder von Anfang angeht, wächst in mir der schier unbezwingbare Drang, zu schreien. Alles rauszuschreien, meine verflixten Gedanken, meine Schlaflosigkeit, meine Angst, mein Grausen vor dieser Schlaflosigkeit, meine Panik vor dem nächsten Tag.
Ich friere vor Angst. Mir ist heiß vor Wut.
Ich strampele die Decke weg, mir wird noch kälter. Gleichzeitig glühe ich so sehr, dass ich Angst habe, zu zerspringen.
Ich ziehe die Decke wieder über meinen Körper. Es passt nicht. Alles passt nicht.
Auch das Kopfkissen passt nicht. Meine Arme stören. Mein Bauch stört. Ich versuche alles so zu drapieren, dass es einigermaßen passt.
Bin gerade dabei, einzuschlafen, als eine besonders hohe Hürde kommt. Dieser Gedanke… er raubt mir den Atem. Ich springe auf. Ich bin wach! Eine Mücke kommt, sticht den Gedanken, er zerspringt wie eine Seifenblase.
Ich habe Angst, aber sie ist unbestimmt. Ich habe vor so vielem Angst, Panik, es raubt mir den Schlaf. Und wenn ich wieder absolut wach bin, weiß ich nicht mehr, was es war. Und wenn ich schlafen will, kommt es wieder. Ich will Schafe!!

Johanna Dämmrich

Eine gewöhnliche Schlaflosigkeit. Nicht borniert vom Tagesgeschäft, eine große Klarheit im Erkennen und Denken. Das Bedürfnis festzuhalten, hinüberzuretten. Sie hatte so viel gelesen und als solches angesehen: gelesen. Nicht gelebt. Zwei abgeschlossene, nicht fühlbar in Zusammenhang zu bringende Wahrnehmungen. Nicht lernfähig, als sei das eigene Leben fiktiv. Sie wollte gern diesen Verstand verlieren, in einen anderen tauschen, der diese Träume beherrschen, der diese Sehnsucht endlich als etwas Produktives formen konnte. Und da war auch noch ein Körper. Schön sein musste er, funktionieren sollte er. Dabei brauchte er noch nicht einmal schmerzfrei zu sein. Denn das bedeutet spürbar. Und Leben. Leben spüren. Sie hatte eine große Liebe und schlug sie ständig tot. Diese Liebe zu diesem Mann war eine Seelenverwandtschaft, eine gefährliche abhängige Sensation, die in einem sich wund reibenden genüsslichen Selbstzerstören eine Perfektion erlangte, die sie stolz machte. Die Erschöpfung war das Ergebnis, die einzige Möglichkeit, eine Art Selbstschutz, bis zu deren Grenzen sie sich hungernd hinarbeitete.
Es war vier Uhr früh. Das Denken hat sie aufwachen lassen…

Ricarda Eicher

Sie lag einfach nur da. Starrte aus dem kleinen Fenster hinein in die Dunkelheit und lauschte den Regentropfen, die leise und gleichmäßig gegen die Scheibe prasselten. Der wolkendurchzogene Himmel war noch trunken von der langen Nacht.
Es war eine angenehm warme Nacht, und trotzdem fröstelte es sie ein wenig. Sie zog die Decke noch ein Stück höher. Ein Blick auf den Wecker bestätigte, dass es noch sehr früh war – zu früh. Sie wollte sich umdrehen, um vielleicht doch noch endlich ein wenig schlafen zu können, doch ihre Gedanken hielten sie fest, ließen sie nicht mehr zur Ruhe kommen, wie sie es so oft taten.
Sie hatte einen seltsamen Traum gehabt. Sie hatte sich dabei zugesehen, wie sie allein auf einem großen Karussell in Zeitlupe Runde um Runde fuhr. Um sie herum nichts als stille Dunkelheit. Allein? Nein, nicht ganz allein. Auf der anderen Seite saß noch jemand. Sie konnte die Person nicht erkennen. Das Gesicht war zu unscharf, bestand nur aus einer mattgrauen Silhouette. Doch sie wusste, dass sie diese Person sehr gut kannte. Sie spürte es einfach und war sich sicher, die Person wusste es auch. Ein merkwürdiger Traum, der sie in letzter Zeit Nacht für Nacht einholte und jedes Mal ein trauriges Ende nahm. Sie beschloss diesmal nicht weiter darüber nachzudenken, rückte noch ein Mal ihr Kopfkissen zurecht und schlief endlich ein.

Sarah Meryem Esel

Immer wieder wälzte er sich hin und her. Sein Körper war nass. Nass vor Schweiß. Unruhe durchfloss die muskulöse Gestalt. Er träumte von ihr mit offenen Augen. Leider lag sie nicht neben ihm im Bett, denn dann wäre er sicher ganz ruhig, ganz sich selbst gewesen. Jetzt aber blieb ihm nur der Gedanke an seine wunderbare und schöne Freundin. Es war am heutigen Nachmittag. Dem Chef sagte er, er müsse dringend zum Arzt, doch das war gelogen. Eigentlich bestand sein Leben nur aus Lügen. Schon als Kind war er ein notorischer Lügner. Als er sie heute im Hotel traf und sie sich heftig liebten, war alles gut. Erst als sie sich Champagner aufs Zimmer bestellten und die ganze Flasche ausgetrunken hatten, stieg in ihm diese unheimliche Wut auf, die er so noch nie bei sich entdeckt hatte. In seinen Augen war das ganze Leben doch eine Ungerechtigkeit. Als er geduscht und das Hotelzimmer verlassen hatte, ging er in die nahegelegene Kneipe und trank weiter sinnlos in sich hinein. Jetzt lag er betrunken und schweissgebadet in seinem Bett. Nebst der Unruhe raubte ihm auch die Angst den Schlaf. Wird er seine Freundin je wieder sehen, wird er sie jemals wieder berühren dürfen? Wieso all diese Fragen, wieso diese ganze verdammte Unruhe? Er wusste es, auch wenn er es nicht wissen wollte, es verdrängte. Und als die Morgendämmerung die Stadt zum Erwachen brachte, kam ihm endlich der rettende Gedanke. Er musste sein blutiges Messer sicher und für alle Zeiten unauffindbar entsorgen.

Peter Fässler

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Es war Licht, das mich weckte. Nicht das Sonnenlicht des Morgens, sondern der Schein des Vollmondes füllte das Zimmer. Ich konnte noch nicht lang geschlafen haben, vielleicht eine halbe Stunde, vielleicht weniger. Die Tür stand offen. Mein Hund schritt unruhig vom Flur zur Küche und zurück, schleifte mit den Krallen über die Fliesen. Langsam schob ich die Decke beiseite und verließ mit einem gedanklichen Seufzer das Bett, das Zimmer, das Haus.

Wir gingen dem Mond entgegen – der Hund voraus – in den Wald hinein, zum Teich. Ich setzte mich auf eine hölzerne Bank. Am gegenüberliegenden Ufer wurzelten alte Bäume, schwarze Giganten im Silberlicht. Ihre Arme, müde und kahl, hielten meine Gedanken. Ich dachte an dich.
Laub raschelte, Kronen knarrten. Mich schauderte. Du setztest dich neben mich, ganz dicht, und legtest deinen Arm um meine Schultern. Ich spürte deine Stärke, fühlte mich geborgen, mochte dich unbedingt etwas fragen. Der Wald schläft nie und doch wagte ich nicht zu sprechen.

Was kann ich dir geben, wovon du nicht genug hast. Gesundheit? Ich bin keine Ärztin. Reichtum, woher? Zufriedenheit? Du kannst sie nur allein finden.

Der Hund weilte bei mir, die ganze Zeit. Er hätte laufen, stöbern, jagen können – er war frei! Er wärmte meine Füße, zeigte mir Nähe mit Nahesein, verstand nie, warum ich etwas tat. Ihn kümmerte nur, wie wohl er sich in meiner Gegenwart fühlte, als garantiere es: Alles wird gut.

Ja.
Ich nahm deine Hand und drückte sie, fest.

Julienne Fibeau

Dong, dong, dong, dong. Die Kirchturmuhr schlägt vier. Kein weiteres Geräusch stört die nächtliche Idylle in diesem Bergkaff. Seit Mitternacht liege ich schon im Bett. Hellwach. Mein Körper ist schlaff, die Muskeln entspannt. Aber mein Geist arbeitet auf Volltouren. Jedesmal, wenn ich versuche meine Augen zu schliessen, tanzen unzählige Bilder durch mein ruheloses Gedächtnis. Sie ergeben jedoch keinen richtigen Sinn. Nicht zu dieser späten Stunde. Sie fügen sich bloss zu einer endlosen Abfolge gelebter Momente und fiktiver Visionen zusammen. Der leichte, gleichmässige Atem meines Partners dringt an mein Ohr. Wenn ich ihn anschaue, wie er so friedlich neben mir schläft überkommen mich Neidgefühle. Wieso nur habe ich nicht auf ihn gehört? Warum muss ich es immer besser wissen als er? Während ich mir tausend Fragen stelle und doch keine Antwort darauf zulassen will, zieht sich die Nacht langsam bis zum Morgen dahin. Draussen beginnt es nun bereits zu dämmern. In einem letzten fast verzweifelten Versuch, drücke ich die Augen zu und probiere Schlaf zu finden. Und endlich, endlich scheint es zu klappen! Bevor ich einschlafe, verspreche ich mir selbst nie wieder Red Bull vor dem Schlafengehen zu trinken!
Drin, drin, drin – der Wecker klingelt. Mühsam öffne ich die Augen, die mir eben erst zugefallen sind. Mit der schrecklichen Gewissheit, dass dies ein unendlich langer Tag werden wird, schleppe ich mich aus dem Bett.

Miryam Fiori

Das Tropfen draußen gibt den Rhythmus an: Ein Doppelherzschlag für den Aufprall einer Wasserperle auf dem Gartentisch. Für jeden dritten Aufprall ein Atemzug ein, aus. Der Regen hat vor einer halben Stunde aufgehört, seither: 30 Minuten Herzschlag und Atem. Und schwarze Tiere an der Zimmerdecke, wann immer Autogeräusche das Tropfen übertönen. Zweimal sind schon Hyänen vorübergejagt, einmal eine Motte oder eine Libelle, genau konnte ich es nicht sehen, weil ich geblinzelt habe. Weil ich dachte, ich höre die Tür.
Ich hätte fast den Rhythmus verloren: ein Doppelherzschlag pro Tropfen. Aber das Insekt kam von einem alternden Fahrrad, ein lautes Tier, es klang wie Tropfen auf dem Tisch. Sicher waren die zwei Schläge nicht aus dem Rhythmus. Sicher trafen zwei Tropfen den Tisch.
Für das Umdrehen gibt es einen Takt: die Kirchuhr. Jede Viertelstunde ein kleiner Schlag, also eine Vierteldrehung. Die Richtung ist egal, solange die Decke nicht zu laut raschelt. Zu jeder vollen Stunde eine Drehung beliebig weit. Als es zwei Uhr war, habe ich mich sogar verkehrt herum gelegt. Und dann musste ich bis drei Uhr warten, um wieder zu meinem Kopfkissen zu kommen. Man hört mit dem Kopf am Fußende das Summen des Kühlschranks lauter. Alle 16 Doppelherzschläge brummelt er 5 mal und ist dann still. Vielleicht hat er Asthma. Wie du. Dann brummt es in deinen Lungen: bei jedem sechsten Atemzug das Tiefe, das Pfeifen. Das ist lauter als die Kirchuhr, der Kühlschrank: die Tiere an der Decke zähmt es.

Kati Fräntzel

Der Schein des Mondes wirft seine Schatten durch das Fenster an die Wand des Schlafzimmers. Keine Faser seines Körpers ist willig in den geruhsamen Schlaf zu sinken. 02:15. Wie der Pulsschlag der Schlaflosigkeit blinkt der Doppelpunkt seines Weckers. In 4 Stunden wird dieser seinen erlösenden Schrei ausstossen und die Stille durchbrechen.

02:20. Jetzt hätte Huber Lust mit seiner Frau zu schlafen. Einfach so, inmitten der Nacht, im Schein des Mondes, im Angesicht der Sterne. Ungestüm und hemmungslos. Ihr gleichmässiges Atmen verrät ihm aber, dass der Wunsch wohl Gedanke bleiben wird. Jedenfalls für diese Nacht…

Wie friedlich sie daliegt. Ob sie wohl im Sommer auch so friedlich in Gustavo’s Bett lag? 02:55. Die Zeit scheint stillzustehen, nicht zu gehen, nur zu warten. Ob sie wohl geschrien hat in seinen Armen. Huber könnte Schreien. Jetzt. Einfach so die Ruhe der Nacht durchbrechen. 03:15. Wenn er jetzt losfahren würde, dann wäre er genau zum Morgenkaffee dort. Eine gute Zeit, um ihm die Fresse zu polieren. Das hätte Huber schon längst tun sollen. Was Gustavo wohl jetzt gerade macht? Schläft wahrscheinlich ruhig und träumt von ihr.

04:16. Irgendwo liegt doch noch die Schrotflinte seines Grossvaters. Ein Erbstück. Huber erinnert sich: Unten im Keller im blauen Schrank. Wie oft sie es wohl mit ihm gemacht hat? Huber steht auf und fährt los. Lässt die Stille hinter sich und gähnende Leere….unten im Keller im blauen Schrank.

Bruno Fries

Wieder stand sie in ihrem durchgeschwitzten Nachthemd am offenen Fenster und sah raus. Sie ignorierte das Frösteln, wahrscheinlich würde siie krank werden, sich eine Lugenentzündung holen, sie wusste es nicht und es war ihr auch egal. Müde rieb sie sich die Augen und sah hoch zu dem riesigen Vollmond. Wie ein Nachtlicht, ging ihr durch den Kopf. Irgendwo muhte eine einsame Kuh. Seit sie auf dem Land war konnte sie atmen. Richtig atmen, ohne dabei ihre Lungen mit Abgasen, Zigarettenrauch und diversen Imbissbudengerühen zu füllen. Sie massierte sich den steifen Nacken und sah zu ihrem Mann rüber, der wie ein Baby schlief. Das ist nicht fair, murmelte sie.
Sie hatte alles was sie je wollte: Einen Mann der sie liebte, ein Traumhaus auf dem Land, wie sie es sich immer erträumt hatte. Und dennoch, etwas fehlte.
Sie war ein Stadtkind und würde es wahrscheinlich auch immer sein. Sie brauchte die Hektik, die Anomität auf der Straße, den Verkehrslärm, der für sie fast wie ein Wiegenlied war.

Caglanur Gencer

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Sonntagabend, 23 Uhr. Ich kann noch so müde sein, kaum lege ich meinen Kopf auf das Kissen, beginnt das Toben in meinem Kopf. Natürlich könnte ich das Licht anmachen und etwas lesen, oder fernsehen. Doch das eingeschaltete Licht macht mich zu einer Somnambulen. Durch die Ritzen des Rollladens ist für alle anderen Nachtwandler erkennbar: Aha, hier kann noch jemand nicht schlafen. Ich sehe nur die Straßenlaterne oben an der Straße, und hin und wieder den Bewegungsmelder der Nachbarn, wenn eine Katze durch den Garten schleicht. Ich geistere nicht allein durch die Schlafens-Zeit. Viele Augen. Viele Rolladen-Ritzen. Viele einsame Gedanken. Ich streite in meinem Kopf. Andere haben vielleicht einen wunderschönen Ort, einen sicheren Hafen, wie bei einer Hypnose, in ihrem Hirnhaus. Ich nicht. Jeden vergangenen Streit, jeden Zukünftigen führe ich Sonntagnacht. Ich überlege mir, was sie sagen könnten, was ich antworten könnte – Ich muss auf jede Situation, auf jedes Argument vorbereitet sein. Erst, wenn ich alle Szenarien durchgespielt habe, und als moralischer Sieger hervor gegangen bin, ärgere ich mich, dass ich kein Licht gemacht habe. Mit Stift und Papier hätte ich meine Argumentation fest halten sollen. Obwohl ich hellwach da liege und das Schwarz um mich herum anstarre, verschwinden die Worte, so wie sich ein Traum gleich nach dem Aufwachen auflöst. Gegen vier Uhr schaue ich ein letztes Mal erschöpft auf die Uhr. Gegen sechs stehe ich auf, gehe zur Arbeit und sage kein Wort.

Carolin Hafen

Hagen ertrug es nicht mehr. Er drehte sich in seinem Bett um, legte sich auf die linke Seite. Er spürte nun deutlich seinen Puls, wechselte erneut die Position. Sein Herz wollte er nicht noch mehr belasten. Er hatte da mal was gelesen, in so einem Internetforum. Den ganzen Abend nach der Arbeit war er vor dem Fernseher gesessen, hatte abwechselnd Chips und Gummibärchen in sich hineingestopft. Er ließ die Tüten nie an der Couch, lief für gewöhnlich immer in die Küche, um sich wieder eine Handvoll zu holen. Es machte keinen Unterschied, sein Magen grimmte und Hagen legte sich bäuchlings auf sein Kissen.

Drei Monate waren es nun, seit er das Manuskript an den Brinkmann-Verlag geschickte hatte. Keine Antwort. Dabei war es längst druckreif, so fand er. Wenn er nur daran dachte – und das tat er andauernd – wurde es ihm noch schlechter. Hagen stand auf, nahm eine Magentablette und setze sich wieder auf die Couch. Ganz automatisch schaltete er den Fernseher ein. Die Wiederholung einer Talkshow lief, die dreizehnjährige Autorin Irene Igelmann war zu Gast und stellte ihr Buch vor: „LOL, ROFL, LOL xD“ – die angeblich wahre Geschichte eines sexsüchtigen Siebzehnjährigen im Chatsumpf des Internets. Talk-Opa Herbert Müller lobte die literarische Qualität, tätschelte der Autorin dabei den Kopf. Sie erzählte, dass sie soeben ihre erste Nominierung für einen Buchpreis erhalten habe. Das war zu viel für Hagen, er ging in die Küche. Gummibärchen oder Chips, wo war er stehen geblieben?

Michael Hambsch

Der Schrei ging ihm durch Mark und Bein. Waren seine Augen geschlossen gewesen? Oh Gott, er wusste es nicht. Er begann zu zittern und lauschte auf jedes Geräusch. Doch um ihn war nur Stille. Eine Stille, die an ihm zerrte, die alles auffraß, ihn zerstören würde.
Die Augen starr auf die kleine Unebenheit gerichtet, die in der dritten Reihe des rohen Mauerwerks hervorstach, versuchte er sein Zittern zu unterdrücken. Die Kälte des kahlen Betonbodens war längst durch die verschlissene Matte bis in seine letzte Zelle vorgedrungen. Er spürte seinen Körper kaum noch. Wie lange noch? Was für ein Tag war heute – oder war es Nacht? Er wusste es nicht. Jedes Gefühl für Zeit wurde von der alles umfassenden Stille aufgesogen.
Er blinzelte, sah auf zu der nackten Glühbirne, dessen grelles Licht ihn verhöhnte. Vorsichtig ordnete er die dünne Decke neu über seine schmal gewordene Gestalt. Nicht zu hoch, das war nicht erlaubt. Das Surren der Kamera setzte ein, klang überlaut in seinen Ohren und sein Atem beschleunigte sich unwillkürlich.
Schritte, leise erst, lauter als sie sich näherten. Die Decke! Er hatte sie zu hoch gezogen oder waren ihm die Lider zugefallen? Jetzt würden sie … Die Schritte hielten inne. Ihm stockte der Atem, das Blut gefror in seinen Adern. Die Luft entweicht pfeifend seinen Lungen, als sie weiterschlurften. Er genoss die wiedergewonnene Stille, denn nun war sie sein Freund. Langsam begann er die Steine des Mauerwerks zu zählen, denn er durfte nicht einschlafen.

Patricia Heinen

Ich schlafe und während ich schlafe, erwache ich und ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr schlafen und während ich nicht mehr schlafen kann, schlafe ich, ich träume, dass ich nicht schlafen kann, ich bin wach und kann nicht schlafen, ich versuche den Traum zu verscheuchen, es gelingt mir nicht, ich sitze in der Küche oder in einem Cafe, jemand bietet mir dass Du an, das bin ich selber, ich sage, geh weg ich träume und während ich träume kann ich nicht schlafen, wenn ich nur schlafen könnte sage ich mir, aber wenn ich schlafen könnte würde ich nicht träumen und wenn ich nicht träume kann ich nicht schlafen.

Hans-Jürgen Hilbig

Leise schließt sich die Tür hinter dir. Ich liege still, simuliere Schlaf. Mein Puls schlägt Amok, ich kämpfe. Gegen Zorn, der mich lähmt, der in meinem Hals pocht und mich atemlos macht. Taub. Ich möchte kotzen. Doch da ist nur Wut, die überquillt. Ich weiß nicht wie lange ich schon nicht mehr atme. Ich lausche und lausche. Kann hören wie du den Geldbeutel auf den Tisch legst, dir die Hose ausziehst. Eine neue Welle Zorn lässt mich ein Würgen unterdrücken. Ich weiß nicht, was ich glauben soll, weiß nicht mal, wie viel Uhr es ist. Ist es Liebe, die da an dir hängt?
Ich schaudere, als du ins Bett steigst, verkrampfe. Liege da wie ein zu Hass und Zorn erstarrter Haufen tiefgefrorenes Fleisch. Deine Lügen lassen mich an mir selber zweifeln.
Du wagst es, deinen Arm um mich zu legen. Die Krämpfe lösen sich schlagartig. Ich befreie mich, merke, wie du verkrampfst. Willkommen in meiner Welt.
Wortlos stehe ich auf. Die Bettdecke, wie ein Schutzpanzer, um mich gewickelt. Mein Herz schlägt laut. Ich will schreien, dich einen elendigen Wichser nennen und fragen, wie du so dreist sein kannst. Will dich anfauchen, dass du es nicht wagen sollst, mich anzufassen. Mit diesen Händen, die nach Schwefel stinken. Doch ich bin zur Wortlosigkeit verflucht. Nichts kann ich sagen. Nicht mal, dass du dich verfickt noch mal aufs Sofa verpissen sollst.

Madeleine Hofer

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Auf Socken tappte sie durch das dunkle Wohnzimmer zum Fenster und spähte durch das kleine Loch, das sie in den Vorhang geschnitten hatte. Sie hatte es gewusst. Er war wieder da. Sie hatte es den ganzen Tag gespürt, und die Zeichen waren eindeutig gewesen: Auf dem Heimweg waren alle Ampeln rot, beim Bäcker gab es keine Roggenbrötchen mehr, ihr Parkplatz vor dem Haus war besetzt, und die erste Treppenstufe hatte sie mit dem linken Fuß betreten.
Deutlich konnte sie den dunklen Schatten auf der anderen Straßenseite erkennen. Er stand wie immer in der dunkelsten Ecke, halb hinter dem Altglascontainer verborgen und starrte am Haus hinauf. Am liebsten hätte sie das Fenster aufgerissen und ihn angeschrien, er solle verschwinden, sie endlich in Ruhe lassen. Aber natürlich blieb sie reglos stehen, spürte nur ihr Herz bis zum Hals schlagen. Auch er stand einfach nur da und beobachtete sie, die ganze Nacht. Sobald es hell wurde, war er verschwunden. So lange würde sie durchhalten müssen. So leise wie möglich setzte sie sich aufs Sofa. So gerne sie sich hingelegt und vielleicht sogar ein wenig geschlafen hätte – sitzen war sicherer. Und so saß sie in der Dunkelheit und lauschte. Erst als sich das erste Licht des Morgens durch die Vorhänge stahl und das Zimmer in ein graues Licht tauchte, stand sie wieder auf, ging zum Fenster und zog zitternd den Vorhang zurück. Der Platz neben dem Container war leer. Sie atmete auf und fürchtete sich bereits vor der nächsten schlaflosen Nacht.

Katrin Hoffmeister

Ich bin müde. Will nur eines. Schlafen. Zähne putzen lass ich ausfallen. Schwanke mit geschlossenen Augen zum Bett. Knipse mit links das Licht aus. Und bin mit einem Schlag wieder hellwach.
Gedanken vom Tag fluten mein Gehirn. Ungebeten. Das Meeting, das so anspruchsvoll war. Das Hetzen auf den letzten Bus. Der genervte Anruf meines Chefs. Meine ausstehende Antwort an Klaus. Der Ärger der letztern Wochen. Meine Zweifel über das Leben.

Sie sind mir zu viel. Diese Bilder. Wie sie auf mich einstürmen. So wie draussen die Winde. An meine Fensterläden.

Es ist Drachenflugnacht! Ich hör, wie sie aus ihren tiefen Höhlen kriechen. Die finstern Gestalten. Ihr Atem klingt wild und tief. Und mit ohrenbetäubendem Rauschen heben sie ab. In den Nachthimmel. Ziehen ihre Runden über die Stadt und zwischen die Häuser. Ihre Nüstern speien heisse Luft an die Fassaden. Und ihre uralten Blicke durchdringen die schwarze Nacht. Ihre mächtigen Flügel bringen Fensterläden zum Klappern. Sie wollen Einlass finden in die Träume der Schlafenden. Auch in die meinen. Die Luft vibriert. Sogar die Bäume im Garten biegen sich unter dieser Macht.

Mein Atem geht rasend schnell. Ich schwitze. Und murmle ein Gebet. Mögen sie, die Drachen, so schnell, wie sie gekommen, wieder entschwinden. Und vergessen sein. Jetzt, jetzt, jetzt.
Die Uhr auf meinem Nachttisch blättert derweil unendlich langsam die Ziffern weiter.

e. i.

Schneeberge hüllen die Nacht in weiße Decken. Hoch aufgetürmt reichen sie fast bis zur Fensterbank. Lassen Traumfetzen in erkalteten Kristallen glitzern. Verschlucken Motorengeräusche letzter Räumfahrzeuge. Winterhelligkeit schlängelt sich unter Gardinensäumen ins Zimmer, kriecht unter geschlossene Augenlider, kokettiert mit den Leuchtziffern des Weckers, tanzt wie Dämonen um den Kreis aus Gedanken.
Nachtschwärze lauert in Katzenpupillen, umrandet vom selben Smaragdgrün wie die Zahlen der Uhr. Atem dringt in meine Seele, die immer wach ist, nie schläft, wie die Zeit. Mutig ist in jeder Sekunde. Über Eisklumpen und Gesteinsbrocken stolpert, die unter Schneemassen begraben liegen. Nur Vorwärtsstreben kennt, Schritt für Schritt im Takt mit dem Sekundenzeiger. Unerbittlich.

Schräge Grünschlitze aus warmem Katzenkörper hypnotisieren mich. Die Spitzen der Sichelkrallen ritzen mir den Tag in die Nacht. Wie ein Metronom im selben Takt mit der Uhr. Verbündete im Geräusch der Stille. Täuschen Geborgenheit nur vor. In der Ruhe der Nacht. Dämpfen Geschäftigkeit. Entspannungszwang durch verordnete Stunden. ‚Schlafphase’ steht fett gedruckt oben auf der Tagesablaufstempelkarte.
„Nimm die Batterien raus! Binde die Zeit los!“
Morgen. Morgen ist alles anders. Nichts wird mehr zugeschüttet, keine Eisschichten mehr, die Wünsche ersticken, kein nasser Schnee, der ein Nein unter knirschenden Schritten zerdrückt.

Henriette Jorjan

Es ist 1 Uhr nachts. Ein Hund bellt. Er kläfft, er winselt, er knurrt.
Ich kann nicht schlafen.
„Halt endlich die Klappe, Köter!“ schreie ich. Der Hund ist still.
Dann hält ein Wagen vor dem Haus. Der röhrende Dieselmotor wird abgestellt. Die Türen knallen, erst eine, dann zwei, dann der Kofferraumdeckel.
„Gute Nacht!“ ruft ein Mann. Der Hund meldet sich wieder.
Um 2 Uhr schreit es „Ruhe!“ aus dem Nebenzimmer. Der Hund gehorcht vorerst.
Erleichert ziehe ich mir die Decke über den Kopf.
Kurze Zeit später läuft ein Stoßtrupp die Treppen hinauf. Dann ist endlich Stille.
Bis der Hund wieder anfängt zu bellen. Langsam wird er hysterisch.
Nebenan brüllt nun zweimal jemand „Ruhe!“ Ich glaube nicht mehr an die Wirkung von Worten und taste nach der Packung Ohropax auf dem Nachtisch neben mir. Im Dunkeln stopfe ich mir je ein Kügelchen in die Ohren.
Der Hund unterbricht sein Gebell für einen Moment.
Dann fängt er wieder an und bellt ekstatisch. Er ist offensichtlich nachtaktiv. Ich hasse ihn.
Wieso kommt der Wirt nicht mit seiner Jagdflinte und setzt auf den Kläffer an? Dann wäre endlich Ruhe.
Schließlich döse ich ein.
Der Reisewecker zeigt 4.30 Uhr, als ein Fahrer seinen Laster, den er vor dem Gasthof abgestellt hat, startet.
Und dazu bellt der Hund.
Um 5.00 Uhr hört sein Bellen plötzlich auf.
Jetzt ist so ruhig wie im Himmel. Kein Verkehrslärm, keine Autos, keine Straßenbahn.
Bis um 5.05 Uhr der Hahn seinen Weckdienst antritt.

Verena Juette

„Ich darf Sie einladen, am Salatbuffet vorbeizuschauen“, sagte die tapfere Kellnerin zwischen Terrine, Sorbet, Suppe und Ragout, Schmarren, Käseplatte. Ich habe am Salatbuffet vorbeigeschaut. Deshalb liege ich jetzt mit Blähungen im Bett und betrachte Josef. Josef ist schön und achtzehn Jahre alt. Er arbeitet als Kellner im Cafe Habsburg am Donaukanal gegenüber der Urania; ein Wespennest, in das kein Polizist freiwillig den Fuß setzt. „Der Josef ist ein Glücksfall“, sagt sein Chef, ein asoziales geldgieriges Schwein. Die Gäste sind vornehmlich Juden, Dealer und Neureiche. Josef bewohnt eine Einzimmerbude oberhalb des Habsburg und wärmt sich sein Essen selbst auf, nachdem er die Küchenschaben herausgezupft hat. Lieber noch isst er das, was die Gäste übriglassen – hastig und immer hungrig. Oft arbeitet er sechzehn Stunden, will sich beruflich verändern. Aber Josef wird krank. Aus der Lungenheilanstalt schreibt er, dass es aufwärts gehe mit ihm, er habe sogar schon ein Kilo zugenommen und der Arzt habe ihm Spaziergänge in die Stadt erlaubt, zweimal sei er schon im Mirabellgarten gewesen, der so wunderschön sei, und er werde auf alle Fälle zur Kripo gehen. Im Mirabellgarten setzt er sich auf eine Bank und stirbt. Ein Zettel steckt in seiner Brusttasche: „Falls mir etwas zustoßen sollte, ich heiße Josef P. und meine Angehörigen sind …“ Du bist der Bruder meines Großvaters, und hundert Jahre später ziehe ich das Explorer-Icon von deinem linken Ohr und klappe meinen Laptop zu.

Irmgard Kramer

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Es war Mitternacht. Gerade war Simone am Einschlafen gewesen, als Ben sie durch lautes Geschrei geweckt hatte. Nachdem er kurz an ihrer Brust gesaugt hatte, schlief er nun wieder selig. Dafür war sie hellwach. Ihr Blick fiel auf das leere Bett neben ihrem. Michael war gerade auf Geschäftsreise. Aber auch wenn er da war, schlief er im Gästezimmer. Dorthin war er schon vor Monaten gezogen, weil sie sich ständig gestritten hatten. Sie hatte keine Lust über ihre zahllosen Auseinandersetzungen nachzudenken und stand auf, um sich in der Küche eine warme Milch mit Honig zu machen. Schon lange hatte sie hier nichts mehr gekocht. Während für Ben Biogläschen aus dem Reformhaus aufgewärmt wurden, gab es für sie ein Käsebrot oder eine Tiefkühlpizza. Das einmal wöchentlich vom Bauern gelieferte Gemüse, wanderte zum größten Teil in die Biotonne. Die Milch war natürlich aus. Sie ging ins Bad, um die von der Heilpraktikerin verschriebenen Kügelchen zu nehmen. Mit der Gestalt, die ihr blass und mit tiefen Augenringen aus dem Spiegel entgegenblickte, wollte sie nichts zu tun haben. Zurück im Bett wälzte sie sich weiter ruhelos hin und her. „Es reicht beschloss sie. Ich muss hier raus.“ Sie packte das Nötigste für sich und das Baby zusammen. Gerade wollte sie den Koffer nach draußen tragen, als ihr Blick auf das blinkende Licht des Anrufbeantworters fiel. „Ihr fehlt mir!“, hörte sie Michaels Stimme. „Ihr seid doch da, wenn ich morgen Mittag nach Hause komme?“

Natalie Kratzer

Immer die gleiche Frage. Immer und immer. Wieder. Die gleichen Wörter. Die gleichen Gedanken. Manchmal verstellt. Versetzt. Verletzt fühlen sich sich an. Diese Gedanken. In dieser gedankenlosen Nacht.
Ich liege wach, hellwach in zahllosen Kissen und starre an eine Decke, die nicht die meine ist. Da, manchmal huscht er vorbei, der Schlaf. Ganz kurz, wie ein besinnungsloser Schatten. Besinnungslos und atemlos. Orientierungslos in diesem Bett. Das nicht das meine ist. Das du nicht kennst.
Ich bin hellwach und doch scheine ich zu schlafen. Ich fühle meinen Körper kaum, bin bewusstlos gefangen und versinke immer mehr. Das Gedankenkarussell dreht sich, es dreht sich und dreht sich, schneller, schneller, und zieht mich hinab in eine traumlose Tiefe.
Dann. Da. Stillstand. Stop. Plötzlich schrecke ich hoch, ringe nach Luft und versuche zu finden. Mich, wo ich bin, wo wir sind. Doch niemand ist da. Nur diese endlose Frage: War das wirklich richtig?
Mein keuchender Blick dreht sich langsam zur Seite. Ich kenne ihn nicht, so wie du sie nicht kanntest. So wie wir uns nicht kannten. Oder scheinbar nicht kennen. Wollen.
Ich kenne ihn nicht, doch seine Haut schmeckt nach Salz. Und deine nach bitteren Mandeln.
Leises Seufzen tanzt mit hungrigen Lippen. Bewegung von Links.
“Kannst Du nicht schlafen?”, ein Flüstern, dann ein zärtliches Streicheln. Elektrische Blitze. Viel zu lange vermisst. Ich schließe die Augen. Genieße. Versinke. Und vertreibe die Frage.
Bis zum nächsten Moment.

Desiree Leiprecht

Da liegst du zwischen Himmel und Erde und die Erde ist wüst und leer. Kein Laut, kein Halt, nichts ist geschaffen, bloß Tiefe um dich herum. Es werde Licht, versuchst du zu wünschen, doch es wird kein Licht. Denn ich bin die Nacht und ich sehe, dass ich gut bin.
Meine Augen sind schön, zu schön, um sie zu schließen. Meine Wimpern flattern in den Beugen deiner Knie. Wie fruchtbar ich bin, ich will mich mehren, auch wenn du schwitzt. Ich schiebe mich auf dich, mein Maul an deinem Ohr. Du drehst dich fort, das Laken klebt dir lästig am Rücken.
Wo ist das Feste im dunklen Wasser?
Du wirst es nicht finden. Denn ich bin die Nacht und ich sehe, dass ich gut bin, ich woge und ströme, die schlaflose Nacht, vertraue auf mich.

Anne Lohscheidt

…man könnte einen Mord begehen – das Motiv liegt klar auf der Hand; das Scheißgeschnarche auf der anderen Seite!!! – dann wäre Ruhe.
Man könnte ein Kapitel im Lieblingskrimi lesen – damit wären wir aber wieder bei „Mord“.
Es ist ein elendes Gewälze. Von Westen nach Osten, nur Norden und Süden lasse ich aus.
Ich grummle, überzeugt davon, völlig unverdient mit diesem nervigen Zustand geschlagen zu sein, vor mich hin.
Vielleicht war ich kurz weggedämmert. Vielleicht war da sogar der Hauch eines schönen Traumes… irgendwo. Vielleicht war es der Rotwein. Vielleicht war es das keine Pils mit Mint-Geschmack vor dem Rotwein.
„Hmmm“, grunze ich. Genervte Unzufriedenheit. Es hört mich ohnehin niemand, der Kerl schnauft und grölt. Gehör- und Gefühllos im Nirwana.
Ich habe nichts falsches gegessen, oder??? Nein. Ich habe gar nichts gegessen. DASS muss es gewesen sein.
Eine Weile liege ich still da, lasse die Gedanken ziehen, die nichts mit dämlichen Schäfchen zu tun haben. Dann liege ich nicht mehr still da, weil mir einfällt, was ich tun könnte…
Es geht es um Liebe. Geht es immer. Damit verdiene ich mein Geld.
Ich bin käuflich. Irgendwie. Sie können mich auch… wo mein Gatte meist nicht kann oder kein gesteigertes Interesse hat.
Ein paar Seiten Liebe und Leidenschaft, wären jetzt doch gar nicht so übel. Groschenromane. Ich schreibe sie.
Woher kommt überhaupt diese Bezeichnung? Wie viel war ein Groschen wert?
Ich könnte nachschauen. Aber jetzt aufstehen… Womöglich würde ich gleich einschlafen.

Ina May

Ein schöner Sommertag neigte sich seinem Ende zu. Die Eltern besuchten ältere Bekannte. Von seinem Geburtstag lag noch Dan Browns „Verlorenes Symbol“ herum. Egon griff nach dem Buch und wählte eine besonders bequeme Stellung auf dem Sofa.

Die Dunkelheit im Zimmer lies sich nicht mehr übersehen. Die große Wanduhr zeigte bereits die neunte Stunde. Er legte die Klappe des Einbands als Lesezeichen in das Buch und strebte in die Küche. Seine Mutter hatte ihm ein paar Zutaten und zwei Bier für das Abendbrot im Kühlschrank bereit gestellt.

Um 23 Uhr legte er das Buch zur Seite und bereitete sich zur Nacht vor. Im Bett zogen die letzten Tage noch einmal vor seinem geistigen Auge vorbei. Am Montag beginnt seine Lehre in der Nachbarstadt. Beide Väter hatten sich darauf geeinigt.

Das Ende der Geisterstunde nahte. Schon ein Uhr und er hatte noch kein bisschen geschlafen. Um drei Uhr begann das Bier doch etwas zu drücken. Zurück von der Toilette setzte sich auf die Bettkante. ‘Die Nacht endet bald und noch kein bisschen geschlafen.’

Gegen fünf Uhr drückte ihn eine gehörige Portion Müdigkeit in die Matratze. Aber ein Gefühl des Einschlafens kam nicht auf. ‘Ich müsste endlich die Fotografiereinrichtung für meinen persönlichen Modelleisenbahnkalender fertig stellen.’

‘Es ist gerade mal sieben Uhr’, stellte er nach dem Blick auf seinen Wecker fest. Seine Eltern haben bei den Bekannten geschlafen und werden dort auch frühstücken. Er fühlte sich so, als ob nicht eine einzige Minute geschlafen hätte.

Ro McGer

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Die Bettdecke drückte heute wie eine Grabplatte, wie sollte ich da schlafen können?
Der Blick auf die Uhr ist schon Routine. Diese Angewohnheit gibt mir Gewissheit,
dass der Schlaf wieder einmal auf sich warten lässt. Gedanken, Gedanken, Gedanken.
Sie halten mich wach. Wie soll ich dagegen angehen? Schäfchen zählen, ist dabei das ungeeignetste Mittel. Nach 30 Schafen ist mein Zimmer angefüllt mit dem Blöken dieser Hammel, ganz zu schweigen von dem Geruch. „Soll ich etwa noch einen Lammbraten in die Mikrowelle werfen?“
Also die guten Tipps zum Einschlafen, gleich welcher Art, führen in einen Teufelskreislauf.
Denken an das Schlafen bedeutet nur. Ich will schlafen, aber kann nicht. Dieses Mantra begleitet mich nun die folgenden Stunden. Statt loslassen bedeutet es festhalten am Wachzustand.
Die Zimmerdecke ruht schon, nur ich nicht. Der Schrank spricht stumm mit mir. „Schließe deine Augen wie ich meine Türen“. Meinem Schlafbedürfnis hilft das nicht. Wo ist der Schlafschalter?
Ich versuch es mal mit einem Gang zum Kühlschrank. Laufen soll ja gesund sein, schlafen aber auch! Dies gleichzeitig zu vereinbaren soll nach verschiedenen Studien nicht unmöglich sein. Was hilft das mir im Augenblick? Die Nachtangebote im Kühlfach wecken bei mir leider nur die Lebensgeister. Eine warme Milch war auch schon schmackhafter, als nachts um 3 Uhr.
Zurück im Bett drehe ich mich jetzt nach links und denke – nichts. Leider nur ein Gedankenspiel, das mir durch den Kopf geht. Also weiter wachen.

Michael Milcz

Das wird wieder so eine Nacht. So eine endlose. Ich bin ins Bett gegangen und hoffte auf erholsamen Schlaf, und nun wälze ich mich wieder durch meine Kissen. Eigentlich kann ich wieder aufstehen und etwas sinnvolles tun. Oder wenigstens etwas ablenkendes. Mal sehen, wer um diese Zeit so im Chat ist. Kaum bin ich angemeldet, steht schon der erste Dialog in meinem Fenster: “Naaa, bist du auch gerade scharf?”
“Ja, ungefähr so scharf wie das Skalpell für deine Vasektomie!” Pling, weg ist er!
Funktioniert soetwas tatsächlich? Ich glaube nicht. Welcher Mensch würde in der realen Welt auf so einen Satz eine Antwort erwarten? Naja, vielleicht im Swingerclub… Ich gehe in die Küche, mache mir Tee. Draussen ist es fast samtschwarz, aber vom Küchenfenster sehe ich tausende von Sternen. Ein Vorteil, wenn man auf dem Land wohnt. Niemand ist wach, nur ich und die Sterne. Ich könnte Musik anmachen, volle Lautstärke, und niemanden würde es stören. Werde ich aber nicht, in einer solchen Nacht muß man leise sein. Ich werde meinen Tee mit den Sternen trinken und auf den Morgen warten.

Regina Neumann

Vorweg wie ein Traum. Eine Einwegflasche? Nein, im besten Fall eine Mehrweg. Dann drehte ich mich abermals auf die andere Seite. Manchmal berührten Teile meines Körpers beinah abgründig die Bettkante. Abwenden liess sich damit dieser Gedanke nicht. Das Ticken des Weckers auf meinem Nachttisch klopfte mir seit Stunden miese, dann wieder gute Gedanken in meinen zerrissenen Kopf. Wie um alles in der Welt würde ich mich aus der Schlinge befreien, die mein Herz seit jenem Tag gefangen hält. Die Rolle der Geliebten eines verheirateten Mannes ist doch nichts anderes als ein müdes Klischeé. Manche träumen davon. Es ist mir, als hörte ich schon die Vögel singen.

Lea Niederer

Ja, es geht mir gut, danke. Das sage ich jedem, der fragt. Hab alles unter Kontrolle. Weine vielleicht ab und zu ein bisschen. Nachts.

Sachte, leise kommt der Feind aus seinem Versteck. In mir. Ich kenne seine Stimme so gut. “Hässlich bist du”, sagt sie.”Hässlich, dumm”, und lacht. Verhöhnt meine Tränen. Der Spott, scharf und sicher wie ein Pfeil
Trifft jedes Mal. ”Hässlich.”

Ich schaue in den Spiegel. Kann nicht anders. Sehe ein schmales, verweintes Gesicht. “Hässlich.” Spitze Nägel malen rote Striche auf meine Haut. Wieder und wieder. Wie ich mich danach sehne den Spiegel zu zerschlagen. Will spüren wie die Scherben in meine Haut dringen, den Schmerz lindern, der in mir ist. Und wage es doch nicht. “Hässlich, feige.”

Ich krieche ins Bett, rolle mich zusammen unter der Decke.
Beisse die Zähne fest aufeinander und schmecke Blut. Er, der neben mir liegt, darf nichts hören. ”Wenn er wüsste, wie du bist, würde er gehen, na klar. Hässlich, dumm, feige.” Er, der neben mir liegt, regt sich leicht, und ich halte den Atem an. Dann ist er wieder still. Schläft.

Schlafen. Nie mehr die höhnische Stimme hören. Wie viele Pillen braucht es? Ob man sie spürt, die Kälte des Wassers unter der Brücke? Ich friere. ”Feige.” Schlafen.
Ich träume wirr. Laufe, falle, laufe wieder. Warum?

Am Morgen sind rote Striemen auf meinem Gesicht.
Muss mich gekratzt haben, im Schlaf, auf die Lippe gebissen. Aber sonst geht es mir wirklich gut, danke. Hab alles unter Kontrolle.
In seinem Versteck sitzt der Feind.
Und wartet.

Tabea Petersen

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. „Verdammt, beten bringt auch nichts“, Miriam umgreift ihre quietschgelbe Ente. Verzweifelt wälzt sie sich zwischen ihre Bettlagen. Das Kopfkissen stinkt nach Schweiss. „Die Augen schliessen, sich vorstellen, die Prüfung wäre in sechs Wochen, sich dabei die Prüfungssituation genau ausmalen.“ So stand es zumindest im Jugendmagazin „Jetzt“. Schon der Gedanke daran beschert ihr neben Herzrasen und Zittern so nasse Hände, dass sie meint, ihr gelbes Entchen würde auf einem Rinnsal aus Angstschweiss davon schwimmen. Von wegen sechs Wochen, in knapp fünf Stunden ist sie dran und sie bekommt kein Auge zu. „Deadline“, ein schönes Wort für diesen Zeitpunkt. Das ist der Moment, an dem sie tausend Tode sterben wird. Wo hat sie nur das Johanniskraut hingesteckt, das ihre Mutter gestern in heller Aufregung mit dem Satz auf den Küchentisch geknallt hat: „Es ist gut wenn du Angst hast. Sogar Mario Adorf sagt, dass er ohne Lampenfieber nur halb so gut wäre.“ Scheiss auf Mario, sie braucht das Zeug, jetzt, sonst dreht sie noch durch. Sie schluckt gleich zwei Tabletten.
Miriam starrt ihre Ente an. Die hat ihr Thomas vorhin noch als Glücksbringer für ihr Englisch-Examen geschenkt. Echt süss kann er manchmal sein. Der Sex mit ihm hat aber auch nicht geholfen. Vielleicht hätten sie es öfter tun sollen? Durchgefallen. Dieses Wort hallt in Miriams Kopf nach wie ein nimmer endendes Echo. Ihr wird kotzübel.

Kety Quadrino

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Draussen zog ein eisiger Wind um die Häuser. Die grossen, grauen Wolken hat er weggeblasen um dem Mond platz zu machen. Rund strahlt dieser vom Sternenbedeckten Himmel.
Lisa hat sich in die warme Decke gehüllt, und lauscht dem Wind. Schon viermal hat Sie die Schäfchenherde gezählt. Viermal eine andere Zahl bekommen. Sie kann, wie schon so oft, nicht einschlafen.
Diesmal hat auch Ihr Einschlafritual nicht geholfen. Sie legt immer eine grosse, Decke unter Ihr Bett. Blau-grün-rot kariert, wie ein Netz. Damit in der Nacht die Haifische nicht um Ihr Bett schwimmen können. Einmal, da vergass Sie die Decke. Neun grosse Haifische waren da. Jeder mindestens so gross wie eine Kuh. Im Uhrzeigersinn umkreisten Sie das Bett. Ganz nah.

Diesmal lag die Decke unter ihrem Bett. Aber sicher war Sie nicht mehr. Sie zog die Beine noch näher zur Brust, und versuchte ruhig zu bleiben.
Ob Sie unters Bett schauen sollte? Nein, dann könnten ja die Haifische ihren Kopf packen. Sie getraute Sich nicht Licht zu machen. Dies würde die Haifische nur noch mehr anziehen. Sie zitterte. Ein kalter Schauer durchlief Sie, Ihr Herz stand für eine Sekunde still. Blitzschnell griff Sie unter Ihr Bett. Sie spürte etwas Kaltes, Glitschiges. Laut schrie Sie auf, und fiel rückwärts aus ihrem Bett. Unter ihrem Bett lag die Decke. Auf Ihrem Wecker stand 07:11. Zeit zum aufstehen.

Jacqueline Rähm-Gerber

Ich stosse an. An irgendwas, irgendwem. An einem einzigen Gedanken. An immer den gleichen Gedanken. An einer Mauer aus Ängsten, Sorgen, Ungerechtigkeiten, Unstimmigkeiten, Unverdautem, Unverarbeitetem. Eine Mauer. Unsichtbar, Unüberwindbar.
Ich schrecke auf. Werde heraus gerissen. Meines Schlafes beraubt. Mitten in der Nacht. Schweissgebadet. Vom Aufprall, dem Zusammenstoss. Soll ich oder soll ich nicht? Aufstehen. Wozu auch? Es ist Nacht. Und ist es nicht so, dass diese Zeit nach Ruhe, nach Schlaf, verlangt und ja danach schreit. Ich wälze mich im Bett hin und her. Warten, abwarten, horchen ins Dunkel, in die Stille. Mein Herz pocht heftig. Ein Hund bellt in der Ferne. Motorengeräusch. Dann wieder nichts als Stille. Ich konzentriere mich auf meinen Atem. Es nützt nichts, funktioniert nicht.
Der Mond dringt durch die gezogenen Vorhänge. Kühl und mahnend. Neben mir strahlt das Licht der Nachttischlampe. Hell und unwirklich ins Dunkel des Zimmers. Da hocken bizarre Formen, düstere Gestalten lauern auf mich. Hie und da ein Knistern, Räuspern, als ob sie tuschelten. Ein Schnarchen zieht durch`s Haus. Ich bin allein, verlassen von meinen Lieben. Hilfe! Der Schrei erstickt mir in der Kehle.
Die Nacht, sie wird zur Falle. Ohne Aussicht, Ohne Einsicht, Ausweg. Ein Verzweifeltes sich fragen, Was nun? Wie weiter? Warum ich? Ein mühsamer langer Kampf folgt…… Es geht mir echt an die Substanz. ….. bis in den Morgen.

Bernadette Scheuber

Grenzenlos hatte sich das satte Tiefblauschwarz des Himmels bereits vor Stunden mit dem Ozean vermählt. Der Horizont war ertrunken. Wogen ohrenbetäubender Stille brachen über sie herein und entrissen ihrer beinahe berstenden Brust Atemzüge.

Die Ruhe, die mit Vogelspinnenbeinen langsam ihren Rücken hoch kroch, wich wachsender Beklommenheit. Vor ihrem inneren Auge schwammen Aquarellbilder, flossen Farben in Konturen. Je langsamer die Minuten verronnen, umso rasender strömten ihre Phantasien, verschmolzen mit Wünschen und Erinnerungen.

Ihr Leben glitt vorbei. Dennoch war sie unfähig, es zu berühren, oder gar festzuhalten. Sie wusste nicht, wie sie diesem Gedankenaquarium entkommen konnte, verharrte an der Glasscheibe. Die ganze Nacht fand sie keinen Schlüssel zu ihrem Schlaf, war hilflos und gefangen.

Da war es plötzlich: Zuerst zart, fast unhörbar. Dann eine Pause, als hätte es bereits aufgegeben. Schließlich durchdringender, fordernder, beinahe angriffslustig – dieses Pochen.

Es war ihre Herzensuhr. Zaghaft und vorsichtig fand sie die ersten Strahlen, die ihre nackten Zehen streichelten und über den schwarzen Lockenwald tanzen und ihr Lebensfreude einhauchten. Der Spuk der Nacht war vorbei. Mit geblähten Sonnensegeln fand sie zurück ins Leben.

Petra Schoen

Unruhig drehte sich Anne von einer Seite auf die andere, bis sie endlich die richtige Schlafposition fand. Es war still im Haus und doch störte sie das leise Ticken ihrer Armbanduhr auf dem Sideboard. Leicht genervt schwang sie sich wieder aus dem Bett und brachte die Uhr hinaus in den Flur. Ein flüchtiger Blick auf das Ziffernblatt verriet ihr, es war kurz nach Mitternacht. Der Montag war da und in weniger als acht Stunden würde sie neben Pia in der Schule sitzen. Schnell schlüpfte sie zurück unter die Bettdecke, zog sich diese über den Kopf und versuchte so den Gedanken daran abzuwehren. Es gelang ihr nicht. Sie bekam nach wenigen Minuten keine Luft mehr, schlug die Decke zurück und atmete tief durch. Unweigerlich musste sie, trotz weit aufgerissenen Augen, dem Film in ihrem Kopf folgen. Unerträglich war die Szene, in der Pia allein durch einen Blick in Annes Augen wusste, mit wem ihr Tim am Samstag fremdgegangen war. Anne richtete sich erschrocken auf, schaltete das Licht auf dem Nachtisch ein und eilte prüfend vor den großen Spiegel in ihrem Zimmer. Außer dem dunklen Braun, mit schwarzem Punkt in der Mitte, war darin jedoch nichts zu erkennen. Erleichtert legte sie sich zurück ins Bett und knipste das Licht aus. Der Film lief erneut ab, diesmal in leicht abgewandelter Form aber nicht weniger schlimm. Alles Drehen und Wälzen im Bett war vergebens. Verzweifelt konzentrierte sie sich nur auf den lauten Herzschlag in ihrer Brust bis sie endlich der klingelnde Wecker erlöste.

Sylvia Schönfelder

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Dann hörte ich die Sirenen und bevor ich fliehen konnte, sprang die Tür auf und ein Polizist mit gezogener Pistole sprang in das Gartenhaus.
„Hände hoch“ verlangte er.
Ein zweiter folgte. Pech gehabt. Mit einer Leiche sollte man sich nicht erwischen lassen.
Ein Arzt horchte Axa Kill ab. „Bemühen Sie sich nicht“, sagte ich. „Die ist tot.“
Er warf mir einen bösen Blick zu.
Und natürlich verfrachteten sie mich ins Polizeirevier.
Dafür stellten sie mir Fragen. Drohten und schmeichelten.
„Die war doch auf Heroin. Sie haben ihr nur den Schuss gesetzt und der war unglücklicherweise ein Schuss zuviel. Geben Sie´s zu und dann sind sie aus dem Schneider. Nix mit Mord.“
Wie hätte ich ihnen sagen können, dass ich ihr den Schuss nicht gesetzt, ihr das Heroin nicht gegeben hatte?
Wer hatte mir das eingebrockt? Einem drittklassigen Blogger? Mir kam es komisch vor, als sie mich anmailte und um ein Treffen bat. Die junge Skandalautorin und der alte Blogger? Ich lehnte ab, aber sie drängte, sie wolle auspacken und in den Zeitungen ginge das nicht. „Ihr Blog wird berühmt und Sie auch.“
Seltsam, dass ich nicht müde wurde. Stattdessen drehten sich die Gedanken. Ja, ich würde berühmt werden. Gab es im Knast Internet? Wohl nicht. Hört endlich auf, zu reden, ihr Idioten. Hörten sie natürlich nicht. Sondern fragten, redeten, schmeichelten, drohten.
Und irgendwann stand ein Kaffee vor mir und ich begriff, dass es sieben Uhr morgens war.

Peter Stephan

Halb drei! Ich wälze mich umher…Panik steigt in mir auf. In vier Stunden muss ich aufstehen. Ich schaue auf den Wecker, beobachte, wie die Sekunden davon rennen. Das Blinken der Uhrzeitanzeige steigert meine Nervosität. Bitte! Nicht schon wieder so eine Nacht! Ich bin total verschwitzt und trotzdem friere ich…ich bin erschöpft.
Ich habe aufgehört zu zählen. Wann habe ich das letzte Mal richtig geschlafen? Wann werde ich das nächste Mal wieder richtig schlafen? Mein Herz rast. Ich muss schlafen! Jetzt! Mein Körper zittert…ich bin zu erschöpft mich dagegen zu wehren. Ich schließe die Augen, denke mir „Jetzt schaffst dus!“ und versuche meine Gedanken nicht abschweifen zu lassen. Versuche mich zu entspannen. Nach gefühlten 2 Stunden öffne ich die Augen. 2:36. Mir kommen die Tränen…ich kann das Schluchzen nicht verbergen. Lasse meiner Verzweiflung freien Lauf. Was mach ich jetzt? Aufstehen? Nein! Zu Kraftlos! Liegen bleiben? Nein! Ich kann nicht mehr! Die Unruhe steigert sich. Vermischt mit Aggressivität.
Ich versuche mich zu beruhigen. Einatmen. Ausatmen. Beruhig dich! Ich schließe erschöpft die Augen. Ich bete, dass auch diese schlaflose Nacht irgendwann ein Ende hat.

Sarah Tuczynski

Die Hände vor ihrem Gesicht, atmet sie tief ein.
Es riecht nach ‘so gut’.
Nach Erfüllung.
Das ist und war nichts und mehr, als sie sich je hätte erdenken können.
Es waren mit Blicken, Worten und Händen zur Berührung geformte Verehrungen. Zärtlichkeiten. Reale Unvorstellbarkeiten. Die alle zweifelsfrei ihr galten. Ihr ganz allein. Worte, wie Vertrauen, Nähe und Ergebenheit, haben heute neue Bedeutung erhalten.
Seit Stunden liegt sie schon wach. Aufgewühlt – zwischen den aufgewühlten Kissen. Wissend, dass sie morgen bei der Arbeit neue Maßstäbe setzen wird. In Müdigkeit. In Zerzaustheit. Und in tagträumendem Glücklichsein.

Wo er wohl sein mag? Jetzt.
Immer wieder hat sie seine sms gelesen. Er hat geschrieben, kurz bevor er in seinen Flieger gestiegen ist. Einen Wirklichkeitsbeweis.
In jedem seiner Worte vermag sie zu lesen, wie sie selbst augenblicklich empfindet – worin sie sich in Gedanken ergeht. Und was sie auf so wunderbare Weise um ihren Schlaf bringt.

vollkommene Beliebtheit
hast mich besext
kann Dich noch riechen schmecken
bist mir so berührbar
dein Körper
dein Geist
nie gefühltes Wohlfühlen
bestrahlst mich
ich schwebe
nehme Dich mit durch die Nacht

Wenn ihr auch nur ein einziges Wort in den Sinn kommen würde. Für das, was dieser Mann heute in ihr erweckt hat. Dann würde sie es jetzt denken.
Bis ihr eines einfällt, wird sie es einfach nur fühlen.
Das Kissen umarmend – lächelnd – mit offenen Augen.
Es riecht nach ‘so gut’.

Stefan Unser

Es entsteht ein Protokoll der Lustlosigkeit, wenn die Nacht stockdunkel, aber die Sinne von neonhellem Flutlicht der Ruhestörung überstrahlt werden.
Und das geht so: Personen der Notgemeinschaft von Mehrbettzimmern in Krankenhäusern, entdeckten zu individuellen Zeiten das Ende ihrer Wachphasen, wollen von der Tagesteilhabe hinüberwechseln in den Regenerationsbereich des Schlafens. Ein Erster wird Inaktiv und will den Tag der Nacht übergeben, inklusive sich selbst. Jedoch umso tiefer diese zur Ruhe entschlossene Person in Hypnos Arme sinkt, umso mehr erzeugt sie akustischen Abfall. Der mit wilden phonetischen Mustern gezeichnete Geräuschteppich, unter dem alle Schnarchgeschädigten ihren Schlafwunsch kehren können, liegt wie eine Tinnitus aurium Auslegware in allen Gehörgängen.
Der langsam aufsteigende Nächstenhass, brütet immer intensivere Ruheideen, welche in Wahrheit blanke Gewaltfantasien sind, aus. Eine massiv herbeigeführte Ruhigstellung ist leider strafbewehrt. Zumindest sollte in der Rechtspflege der Tatbestand des Schlafdiebstahls unter Strafandrohung gestellt werden.
Die morgendliche Frage von dem Schlafegoisten nach der allseits genossenen Nachtruhe, geht in Richtung groben Unfugs. Das er sich der knirschenden Verneinung anschließt, schlägt dem Bett die Matratze aus.
Hiermit steht einmal mehr fest, dass Schallmissbildungen wie Schnarchen, einer hörbar gemachten Knoblauchausdünstung gleichzusetzen ist, den nur der Verursacher nicht als störend empfindet.

Hans – Joachim Walter

Es ist mal wieder so weit, ich kann nicht schlafen. Der quälende Gedanke, der mich immer wieder wach hält ist einfach nicht aufzuhalten. Was ich auch mache, er kommt immer wieder. Soll ich wohl Schäfchen zählen? Das halte Hausrezept meiner Oma – warme Milch und Honig? Oder doch lieber das neu wiedergefundene Wissen der Kräuter anwenden und ein Lavendeltee trinken? Ich kann mich nicht entscheiden ob dieser vielfachen Möglichkeiten. Und da kommt er schon wieder, dieser Gedanke. Warum kann er mich nicht einfach in Ruhe lassen. Letztens habe ich eine Freundin sagen gehört, dass es hilft einfach aufzustehen und alles auf ein Blatt Papier zu schreiben. Aber ich mag eigentlich gar nicht aufstehen, jetzt! Es ist so kalt außerhalb meines gemütlichen Bettes. Und dann wieder etwas überwerfen. Aber bei der Gelegenheit könnte ich mir doch einen Lavendeltee machen. Hm… dieser Gedanke ist gar nicht mal so schlecht. Apropos Gedanke, mein quälender Gedanke ist ja gar nicht mehr da. Na super, aber darfür bin ich jetzt auch putz munter, nach dieser Gedankenodysse. Was mache ich denn jetzt? Bleibt mir wohl nichts anderes übrig als wirklich aufzustehen und zu mindest diesen Tee zu trinken, wenn ich schon keine Zeilen mehr schreiben brauch´. Der Tee wärmt auch schön. Ach was soll´s. Dann steh ich einfach auf und mach´ mir diesen Tee und dann wieder ab ins Bett. Gesagt getan. Der Tee war köstlich und ich bin so richtig schön bettschwer und müde. Es war ein angenehmer wohliger Schlaf.

Anja Walter

Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

….da war sie wieder, diese schlaflose Nacht! Da lag ich in meinem Bett und ging im Dunkeln jeden Zentimeter meiner Schlafzimmerdecke durch. Denn für jeden Zentimeter meiner Decke gab eine Sache die mich beschäftigte. In der einen Ecke war es der merkwürdige Typ, der der immer wieder indirekten und unpersönlichen Kontakt suchte, aber sobald er mich sah, immer wieder weg lief! Warum fragte ich mich und meine schlaflose Nacht wurde länger. Ein weiterer Zentimeter galt der Bahn, die immer nur dann pünktlich kam, wenn ich zu spät war! Warum immer nur dann? Oder die Ecke links auf der Seite, die die meinen “Bad Hairs” gehörte! Warum wollen die nie so wie ich, besonders dann wenn es wichtig war! Meine Güte, warum nur? Oder gleich über mir der Zentimeter, der, der gehört der Pfütze, vor der ich letztens stand, als der Bus kam. Ach ja, und da hinten rechts der Zentimeter der gehört der “falschen” Kassenschlange, an die ich mich grundsätzlich anstelle! Und dann war da noch der Zentimeter, der, der schlaflosen Nacht gehörte. Warum nur hatte ich mal wieder diese schlaflose Nacht? Na, wenigstens diese Frage konnte ich mir beantworten!! Guten Nacht!

Stefanie Weber

Irgendwo unten, im Wohnzimmer, tickt eine Uhr. Je nachdem, welchem Tick man zuerst lauscht, ergibt sich ein unterschiedlicher Takt. Das Kind liegt da und passt seinen Atem an das Geräusch an. Im Abstand zwischen den Bewegungen des Sekundenzeigers lauert die Nacht.
Der Körper ist mit Sägespänen der Erschöpfung ausgestopft, ein schweres, schlaffes Ding, das heiß gegen die zerwühlten Laken drückt. Die Gedanken regen sich kaum noch. Wie Luftballons, aus denen langsam die Luft gewichen ist, liegen sie in der Höhle des Kopfes und zucken schwach. Sie wissen: Die Uhr tickt am Zeitpunkt vorbei, an dem Einschlafen noch möglich war.
Das dünne, zischende Schnarchen der Mutter kriecht die Treppe hoch. Das Kind wälzt sich herum, alle Glieder sind taub gelegen. Es meint, das Echo seiner zusammenhangslosen Gedanken von den Wänden der Nacht widerhallen zu hören. Die Eltern sind unten, aber sie sind wie Möbel und antworten nicht.
Das Kind schiebt sich hoch, salzig atmet es Tränen und ziellose Müdigkeit.
Im Wohnzimmer klingt das Ticken noch lauter und härter, es ist der Pulsschlag der Nacht. Mit schwerfälligen Schritten durchquert das Kind die eingesunkene Teppichfläche und steht vor dem Fensterbrett.
Töpfe stehen nebeneinander aufgereiht. Aus ihnen ragen verrenkte und verzerrte Gestalten mit fleischigen Auswüchsen und festen Knoten. Das Kind neigt sich darüber und lauscht.
Nachts atmen Pflanzen. Wenn es ganz leise ist, kann es zwischen dem starren Puls ihre Atemzüge hören.

Martha Wilhelm

Mia starrte auf ihren Laptop. Was sollte sie schreiben? Die erste Aufgabe und schon eine Hürde: Wie anfangen? Höchstens 1500 Zeichen durfte ihre Geschichte beinhalten. In dieser Kürze sollte sie eine Nacht beschreiben, in der sie nicht geschlafen hatte. Ihre schlaflosen Nächte waren länger gewesen. Wie die Nacht, als sie für die dreitägige Arbeit der Lizentiatsprüfung Seiten über Seiten geschrieben hatte, sie hatte nie begriffen, wozu dies hatte gut sein sollen, auch wenn die Note am Ende gut gewesen war. Oder die Nacht, die sie zur Hälfte mit einem Fussballer durchgetanzt hatte, die andere Hälfte der Nacht hatten sie sich in seinem Bett vergnügt. Oder eine traurige Nacht, als sie sich mit Schmerzen im Unterleib ins Spital hatte gehen müssen und am nächsten Morgen leer und trostlos entlassen worden war? Diese schlaflosen Nächte in nur 1500 Zeichen erzählen? Leerzeichen mitgezählt. Vielleicht sollte sie ein Gedicht schreiben, die minimale Kürze war nicht vorgegeben. Früher hatte sie Gedichte geschrieben, doch seit über zehn Jahren waren keine mehr aus ihren Fingern geflossen. Warum sollte ihr dies gerade heute gelingen? Mia blickte auf die Uhr. Sie hatte sich über eine halbe Stunde verplempert. In fünfundzwanzig Minuten musste sie ihren Text abgeben. Somit schrieb sie auf, was ihr gerade durch den Kopf gegangen war. Eine schlaflose Nacht wird zu einer geschichtslosen Stunde setzte sie als Titel über ihr Geschriebenes.

Sascha-Irena Wilkesmann

Verschlafen blinzelte ich auf den Wecker – Mitternacht.
00:00 Uhr, seltsam, ging es mir durch den Kopf. Geisterstunde! Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken.
Seit Jahren faszinierten mich übersinnliche und unerklärliche Phänomene. Nachdem ich ein Medium aufgesucht hatte, war ich außerdem davon überzeugt, dass die Seelen von Verstorbenen uns manchmal aufsuchten.
Wurde ich durch ein Geräusch geweckt? Der Gedanke, dass ein Wesen aus der Schattenwelt neben meinem Bett stehen und auf mich herabsehen könnte, ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Ich zwang mich, nicht weiter darüber nachzudenken.
Andererseits … Schlaf jetzt!, befahl ich mir innerlich. Aber in meinen Gehirnwindungen drehte sich alles um Möglichkeit, dass jemand bei mir war, den ich nicht sehen konnte. Ich wälzte mich hin und her und konnte einfach nicht in den erholsamen Dämmerzustand sinken.
Als ich endlich eingeschlafen war, schrillte auch schon der Wecker. Müde quälte ich mich aus dem Bett und rieb mir die Augen. Dabei neigte ich den Kopf zu Boden und hielt plötzlich inne. Neben meinen Hausschuhen lag eine große weiße Feder.
Woher war sie nur gekommen? Ich besaß keinen Vogel!

Jutta Wölk

Und jetzt dieser Mensch neben mir, von dem ich vor wenigen Wochen noch nicht mal gewusst habe, dass es ihn gab. Völlig überspannt bin ich mir meiner selbst plötzlich sehr bewusst. Jede Bewegung die ich mache, jedes Geräusch, das ich verursache – atme ich zu laut? Diese kleinen Schnarcher die ich manchmal beim Ausatmen mache, sind die abstoßend? Mein Magen grummelt. Hoffentlich denkt er jetzt nicht, ich pupse! Eigentlich würde ich mich jetzt gerne auf die andere Seite drehen. Aber die Decke reicht nicht. Und ich will auch nicht, dass er denkt, ich würde mich von ihm abwenden oder so. Sein Arm ist ziemlich schwer auf meiner Schulter, irgendwie ist mir das jetzt zu unbequem. Ich dreh mich jetzt um. Ist okay so, auch ohne Decke. Jetzt könnte ich langsam einschlafen. Irgendwas ist anders. Die Schmetterlinge in meinem Bauch tanzen Samba – oder so. Dieses Glücksgefühl ist schon fast wieder unangenehm. Aber nur fast. Jedenfalls – so kann ich nicht einschlafen. Aufstehen kommt aber auch nicht in Frage – ich will ihn nicht wecken. So neben ihm zu liegen fühlt sich viel zu gut an. Ich bin ein-fach solche Nähe nicht mehr gewöhnt! Ich bin auch gar nicht müde. Das sind die Momente, die man einfach festhalten sollte. Viel zu schade, um sie zu verschlafen! So glücklich werde ich vielleicht nie mehr wieder sein…

Stefanie Wolter

Sie schlug die Augen auf und starrte ins Dunkel. Wie lange lag sie jetzt schon hier? 10 Minuten oder 2 Stunden? Sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass sie seit einer gefühlten halben Ewigkeit diese Gedanken nicht los wurde. Diese Worte… So etwas hatte noch keiner zu ihr gesagt, nicht so, nicht in dieser Konstellation. Ungeduldig drehte sie sich auf den Rücken. Sie wollte schlafen, nicht mehr denken. Sie schloss die Augen. „Atmen, ruhig liegen, entspannen. 1, 2, 3…“ Sie begann weg zu dämmern. Zufrieden lächelnd dachte sie: „Endlich, ich schlafe“ und damit war sie wieder hellwach. Innerlich fluchend drehte sie sich auf die Seite, bloß nicht auf die Uhr gucken. Sie kuschelte sich in ihre Lieblingsschlafposition. Bilder stiegen in ihr auf. Sie und er zusammen, das wäre schön.
Und schon wieder rannten die Gedanken, aber dagegen ankämpfen hatte sowieso keinen Sinn.
Einander halten, füreinander da sein, untrennbar, bedingungslos, das war es wonach sie sich sehnte.
Schlief sie schon oder war sie noch wach?
Ein Gedanke, den sie nicht ganz fassen konnte, durchfuhr sie mit Schrecken und riss sie erneut aus dem Halbschlaf. Das hatte keinen Zweck. Schließlich warf sie die Decke von sich, stand auf und schaltete den PC ein. Es war 4 Uhr, zu spät um noch wach zu sein, zu früh um wach zu bleiben. Vielleicht war er ja online. Vielleicht würde er ja mit ihr reden und vermutlich würde er wieder Dinge sagen die ihr Innerstes aufwühlten. Aber er wäre wenigstens da, irgendwie…

Jana Zöll