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Schreibaufgabe – Runde 1

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Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Es war Licht, das mich weckte. Nicht das Sonnenlicht des Morgens, sondern der Schein des Vollmondes füllte das Zimmer. Ich konnte noch nicht lang geschlafen haben, vielleicht eine halbe Stunde, vielleicht weniger. Die Tür stand offen. Mein Hund schritt unruhig vom Flur zur Küche und zurück, schleifte mit den Krallen über die Fliesen. Langsam schob ich die Decke beiseite und verließ mit einem gedanklichen Seufzer das Bett, das Zimmer, das Haus.

Wir gingen dem Mond entgegen – der Hund voraus – in den Wald hinein, zum Teich. Ich setzte mich auf eine hölzerne Bank. Am gegenüberliegenden Ufer wurzelten alte Bäume, schwarze Giganten im Silberlicht. Ihre Arme, müde und kahl, hielten meine Gedanken. Ich dachte an dich.
Laub raschelte, Kronen knarrten. Mich schauderte. Du setztest dich neben mich, ganz dicht, und legtest deinen Arm um meine Schultern. Ich spürte deine Stärke, fühlte mich geborgen, mochte dich unbedingt etwas fragen. Der Wald schläft nie und doch wagte ich nicht zu sprechen.

Was kann ich dir geben, wovon du nicht genug hast. Gesundheit? Ich bin keine Ärztin. Reichtum, woher? Zufriedenheit? Du kannst sie nur allein finden.

Der Hund weilte bei mir, die ganze Zeit. Er hätte laufen, stöbern, jagen können – er war frei! Er wärmte meine Füße, zeigte mir Nähe mit Nahesein, verstand nie, warum ich etwas tat. Ihn kümmerte nur, wie wohl er sich in meiner Gegenwart fühlte, als garantiere es: Alles wird gut.

Ja.
Ich nahm deine Hand und drückte sie, fest.

Julienne Fibeau

Dong, dong, dong, dong. Die Kirchturmuhr schlägt vier. Kein weiteres Geräusch stört die nächtliche Idylle in diesem Bergkaff. Seit Mitternacht liege ich schon im Bett. Hellwach. Mein Körper ist schlaff, die Muskeln entspannt. Aber mein Geist arbeitet auf Volltouren. Jedesmal, wenn ich versuche meine Augen zu schliessen, tanzen unzählige Bilder durch mein ruheloses Gedächtnis. Sie ergeben jedoch keinen richtigen Sinn. Nicht zu dieser späten Stunde. Sie fügen sich bloss zu einer endlosen Abfolge gelebter Momente und fiktiver Visionen zusammen. Der leichte, gleichmässige Atem meines Partners dringt an mein Ohr. Wenn ich ihn anschaue, wie er so friedlich neben mir schläft überkommen mich Neidgefühle. Wieso nur habe ich nicht auf ihn gehört? Warum muss ich es immer besser wissen als er? Während ich mir tausend Fragen stelle und doch keine Antwort darauf zulassen will, zieht sich die Nacht langsam bis zum Morgen dahin. Draussen beginnt es nun bereits zu dämmern. In einem letzten fast verzweifelten Versuch, drücke ich die Augen zu und probiere Schlaf zu finden. Und endlich, endlich scheint es zu klappen! Bevor ich einschlafe, verspreche ich mir selbst nie wieder Red Bull vor dem Schlafengehen zu trinken!
Drin, drin, drin – der Wecker klingelt. Mühsam öffne ich die Augen, die mir eben erst zugefallen sind. Mit der schrecklichen Gewissheit, dass dies ein unendlich langer Tag werden wird, schleppe ich mich aus dem Bett.

Miryam Fiori

Das Tropfen draußen gibt den Rhythmus an: Ein Doppelherzschlag für den Aufprall einer Wasserperle auf dem Gartentisch. Für jeden dritten Aufprall ein Atemzug ein, aus. Der Regen hat vor einer halben Stunde aufgehört, seither: 30 Minuten Herzschlag und Atem. Und schwarze Tiere an der Zimmerdecke, wann immer Autogeräusche das Tropfen übertönen. Zweimal sind schon Hyänen vorübergejagt, einmal eine Motte oder eine Libelle, genau konnte ich es nicht sehen, weil ich geblinzelt habe. Weil ich dachte, ich höre die Tür.
Ich hätte fast den Rhythmus verloren: ein Doppelherzschlag pro Tropfen. Aber das Insekt kam von einem alternden Fahrrad, ein lautes Tier, es klang wie Tropfen auf dem Tisch. Sicher waren die zwei Schläge nicht aus dem Rhythmus. Sicher trafen zwei Tropfen den Tisch.
Für das Umdrehen gibt es einen Takt: die Kirchuhr. Jede Viertelstunde ein kleiner Schlag, also eine Vierteldrehung. Die Richtung ist egal, solange die Decke nicht zu laut raschelt. Zu jeder vollen Stunde eine Drehung beliebig weit. Als es zwei Uhr war, habe ich mich sogar verkehrt herum gelegt. Und dann musste ich bis drei Uhr warten, um wieder zu meinem Kopfkissen zu kommen. Man hört mit dem Kopf am Fußende das Summen des Kühlschranks lauter. Alle 16 Doppelherzschläge brummelt er 5 mal und ist dann still. Vielleicht hat er Asthma. Wie du. Dann brummt es in deinen Lungen: bei jedem sechsten Atemzug das Tiefe, das Pfeifen. Das ist lauter als die Kirchuhr, der Kühlschrank: die Tiere an der Decke zähmt es.

Kati Fräntzel

Der Schein des Mondes wirft seine Schatten durch das Fenster an die Wand des Schlafzimmers. Keine Faser seines Körpers ist willig in den geruhsamen Schlaf zu sinken. 02:15. Wie der Pulsschlag der Schlaflosigkeit blinkt der Doppelpunkt seines Weckers. In 4 Stunden wird dieser seinen erlösenden Schrei ausstossen und die Stille durchbrechen.

02:20. Jetzt hätte Huber Lust mit seiner Frau zu schlafen. Einfach so, inmitten der Nacht, im Schein des Mondes, im Angesicht der Sterne. Ungestüm und hemmungslos. Ihr gleichmässiges Atmen verrät ihm aber, dass der Wunsch wohl Gedanke bleiben wird. Jedenfalls für diese Nacht…

Wie friedlich sie daliegt. Ob sie wohl im Sommer auch so friedlich in Gustavo’s Bett lag? 02:55. Die Zeit scheint stillzustehen, nicht zu gehen, nur zu warten. Ob sie wohl geschrien hat in seinen Armen. Huber könnte Schreien. Jetzt. Einfach so die Ruhe der Nacht durchbrechen. 03:15. Wenn er jetzt losfahren würde, dann wäre er genau zum Morgenkaffee dort. Eine gute Zeit, um ihm die Fresse zu polieren. Das hätte Huber schon längst tun sollen. Was Gustavo wohl jetzt gerade macht? Schläft wahrscheinlich ruhig und träumt von ihr.

04:16. Irgendwo liegt doch noch die Schrotflinte seines Grossvaters. Ein Erbstück. Huber erinnert sich: Unten im Keller im blauen Schrank. Wie oft sie es wohl mit ihm gemacht hat? Huber steht auf und fährt los. Lässt die Stille hinter sich und gähnende Leere….unten im Keller im blauen Schrank.

Bruno Fries

Wieder stand sie in ihrem durchgeschwitzten Nachthemd am offenen Fenster und sah raus. Sie ignorierte das Frösteln, wahrscheinlich würde siie krank werden, sich eine Lugenentzündung holen, sie wusste es nicht und es war ihr auch egal. Müde rieb sie sich die Augen und sah hoch zu dem riesigen Vollmond. Wie ein Nachtlicht, ging ihr durch den Kopf. Irgendwo muhte eine einsame Kuh. Seit sie auf dem Land war konnte sie atmen. Richtig atmen, ohne dabei ihre Lungen mit Abgasen, Zigarettenrauch und diversen Imbissbudengerühen zu füllen. Sie massierte sich den steifen Nacken und sah zu ihrem Mann rüber, der wie ein Baby schlief. Das ist nicht fair, murmelte sie.
Sie hatte alles was sie je wollte: Einen Mann der sie liebte, ein Traumhaus auf dem Land, wie sie es sich immer erträumt hatte. Und dennoch, etwas fehlte.
Sie war ein Stadtkind und würde es wahrscheinlich auch immer sein. Sie brauchte die Hektik, die Anomität auf der Straße, den Verkehrslärm, der für sie fast wie ein Wiegenlied war.

Caglanur Gencer

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