Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:
Leona setzte sich in den Wagen ihrer Mutter und fuhr los. „H-Schaltung“, murmelte sie, „H-Schaltung“.
Der Wagen dröhnte in der Nacht, als ihr einfiel hochzuschalten. Sie bog in die Grünwalder Straße. Kurz darauf kam sie an1860 vorbei. Wie oft hatte sie dort auf Luigi gewartet. Und jetzt, wo er in der U-23 war, kannte er sie plötzlich nicht mehr.
„Ich hab kein Sex mit Minderjährigen.“
Was für eine dämliche Ausrede.
Plötzlich befand sie sich auf der Autobahn. Noch nie war sie aus München rausgekommen. Nur virtuell. Da war sie schon überall.
„Kein Wunder bringst du es zu nichts“, hatte ihre Mutter gekeift, als sie sie beim Surfen erwischte, und eine Woche Internetverbot verhängt.
Die Autobahn gabelte sich. Sie musste sich entscheiden: Regensburg oder Nürnberg?
In Nürnberg wohnte ihr Vater. Mit vierzehn sollte sie zu ihm ziehen. Doch seit er die neue Tussi hatte, war davon nicht mehr die Rede. Sie fuhr weiter.
Eine gute Stunde später passierte sie Würzburg.
Dann kam lange nichts und sie fragte sich, ob der Wald die Welt verschluckt habe. Sie drehte das Radio auf und drückte das Gaspedal durch.
Ein Schild kündigte Hannover an.
Das war in der Nähe von Hamburg. Und in Hamburg hatte sie einen Freund auf Facebook. Genauer gesagt in Altona.
Sie erreichte den Elbtunnel. Im Schritttempo zockelte sie hindurch.
Auf der anderen Seite färbte sich gerade der Himmel rot. Es war, als ob die Welt neu entstanden wäre.
Leona atmete tief aus. Von jetzt an hätte sie vor nichts mehr Schiss.
Zara Bronsky
Sanft leg ich mich zur Ruh,
bekomm jedoch kein Auge zu,
tausend Gedanken kreisen umher,
das einschlafen fällt mir dadurch sehr schwer.
Müde lieg ich im Bett, schlaf jedoch nicht ein,
sollte aber morgen wieder ausgeschlafen sein.
Ich beginne damit, Schäfchen zu zählen,
damit mich meine Gedanken nicht weiter quälen,
doch wie sollte es auch anders sein,
davon schläft man auch nicht ein.
Ich lieg nun im Bett, müde aber munter,
zähl von hundert bis null herunter,
doch auch dieser Versuch hat nichts gebracht,
nun ist es schon mitten in der Nacht.
Ich drehe mich hin, ich drehe mich her,
warum fällt mir das einschlafen nur so schwer?
Nun stell ich mir vor, ich wäre in einem schönen Land,
gehe dort spazieren, natürlich am Strand,
meine Augen werden schwer und fallen zu,
und genau jetzt läutet der Wecker, juhu!
Anja Buchinger
Markus erwachte am Abend. Er setzte sich auf den Stuhl neben dem Fenster. Er schob einen Streifen des Vorhangs beiseite. Der Mond zeigte seinen Hintern. Markus drückte auf den Knopf am Rechner und verließ die Wohnung.
Er lief über den Weg vor dem Haus. Sand knirschte. Ein Rollladen knatterte. Er lief auf dem Rasen weiter. Auf dem Weg neben der Hauptstraße rannte er. Eine Personenlastschlage erreichte vor ihm die Straßenkreuzung. Die Ampeln waren dunkel. Markus stellte sich auf die Fahrbahn. Er lief im Kreis und hüpfte. Auf einem Dach lärmten Krähen. Markus sprang über ein Geländer. Am Bahnhof stand ein Gerät mit Bildschirm. Markus schob Münzen in das Gerät. Einige der Metalltasten klemmten, aber die Drehkugel funktionierte. Er grinste in die Kamera. Das Gerät wollte mehr Geld. Markus rannte weiter.
Gert Buschmann
“Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett…”, Zeit allein für mich. In dieser Nacht wird die Uhr auf Sommerzeit umgestellt. Was soll’s, Licht aus. Genüsslich kuschle ich mich an meinen schlafenden Mann. Im Einschlafen höre ich auf der Terrasse Stühle über den Beton ratschen. Liebestolle Katzen? – Nein, Katzen rücken keine Stühle. Im Nu bin ich am gekippten Fenster. Alles still, nur die Atemgeräusche meines Mannes. Plötzlich ein Lichtkegel, kurz danach wird das Hoflicht eingeschaltet. Wütend reiße ich das Fenster auf: “Hau ja ab!”. Jemand rennt davon, mein Mann sucht splitternackt etwas zum Anziehen. Die Tür hat standgehalten. “Komm, schlaf weiter, ich lese noch ein bisschen und bewache Dich.”
Christel Carl
Eine schlaflose Nacht erlebe ich, wenn ich die ersten Sätze einer Geschichte getippt habe. Dann befällt mich ein abwesender Blick und ich realisiere nicht mehr, was um mich herum geschieht. Ich bin mit den Figuren meiner Geschichte unterwegs und erlebe ihre Abenteuer hautnah mit. Ich werde für ein paar Stunden einer von ihnen. Ich helfe ihnen, Türen zu öffnen und Schätze zu finden. Ich bin dabei, wenn sie sich Hals über Kopf verlieben. Wenn sich zwei Liebende am Flughafen trennen oder sie sich wieder begegnen und Küsse austauschen, ich bin da. Ich stehe ihnen bei, wenn sie entführt oder ausgeraubt werden und ich befreie sie wieder aus der Klauen der Verbrecher. Ich schenke ihnen Träume und zeige ihnen den Weg zum Ziel. Und wenn sie nach einer langen Odyssee endlich in ihrem Zielhafen einlaufen, bin ich bereits dort und empfange sie mit offenen Armen. Ich freue mich mit ihnen und muss selbst die Tränen unterdrücken, wenn sich zwei Seelenverwandte wiederfinden. Ich fühle mit, wenn sich ihnen die Nackenhaare sträuben, denn meine tun es ihnen gleich. Manchmal frage ich mich, ob ich eigentlich die Fäden in der Hand halte oder die Figuren beginnen, mich zu beeinflussen. Dabei bin ich doch derjenige, der ihnen für die Länge einer Geschichte Leben einhaucht. Wenn die Geschichte und die Figuren noch eine Zeit lang in den Herzen der Leser weiterleben, haben sie ihr Ziel erreicht. Und mich macht es glücklich, denn ich durfte andere am Ergebnis meiner schlaflosen Nacht teilhaben lassen.
Peter Cawley



