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Schreibaufgabe – Runde 1

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Die Aufgabe der 1. Schreibaufgabe lautete:
»Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht«
Hier sind die besten Beiträge:

Die alte Frau sass auf dem Bett. Von Zeit zu Zeit schlug sie die Hände vors Gesicht. Krallte die Nägel in die Kopfhaut. Der scharfe Schmerz antwortete dem Gefühl der Ohnmacht und Verzweiflung, die sie davon abhielten, sich hinzulegen, die Augen zu schließen und sich in einen Schlaf zu flüchten, der wie eine schwarze Wand vor ihrer Seele stand.
Wo ist sie jetzt? Vorbei, vorbei.
Nein, nein.
Sie war eine Mutter, die Mutter der sanften, klugen Leila. Von der Straße klang das Jaulen eines Hundes herauf. Die Hitze des Tages war in den Steinen gefangen. Endlos hatten sie geredet, verzweifelt geschrien. Jetzt schliefen alle Mitglieder der Familie. Nur sie nicht. Eine Mutter kann nicht schlafen, wenn sie mit der Klarheit ihres mütterlichen Instinkts weiß, dass ihr Kind verloren ist.
In dieser Nacht wusste sie es. Sie stand auf, ging in die Küche und setzte sich an den Tisch, ohne Licht zu machen. Der Schein einer Straßenlampe fiel auf die Wand mit der Uhr. Halb drei, bewegten sich lautlos ihre Lippen. Jetzt machte sich Leila bereit. Wer war bei ihr? Die Männer hatten alles vorbereitet. Sprengstoff, Zünder, den Gürtel. Dann waren sie aus dem Raum gegangen und hatten Leila allein gelassen.
Ich muss es tun. Karim hätte es gewollt. Sie hatte es dem Bruder versprochen.

Axel P.

Scheiße. Wenn es kommt, dann gleich alles auf einmal. Gestern fliege ich im wahrsten Sinne des Wortes auf meinen A…, heute hat mich der Rotz so gepackt dass ich denke, mein Kopf zerplatzt, draußen ist Vollmond und ich liege seit drei Stunden in meinem Bett und kann nicht schlafen. Wobei liegen das falsche Wort ist, denn mein Allerwertester – na sie wissen schon.
Was sagt die Uhr? Zwei. Nach weiteren 10 Minuten stehe ich auf. Leider bringt die Nasendusche nichts, die Luft bleibt knapp. Derweil quakt unten seit fünf Minuten ein Frosch. Am liebsten würde ich mit einer Pfanne runtergehen…
Wo habe ich eigentlich die Kontoauszüge hingelegt? Ich fange an zu suchen – nichts. Du hattest die grüne Tasche! Aber auch da Fehlanzeige. Dafür finde ich mein Pendel wieder, von dem ich seit über einem Jahr glaubte, es verloren zu haben. Ob das eine Bedeutung hat?
Ein Blick zur Uhr zeigt mir, dass erst 10 Minuten vergangen sind. Das ist ja ätzend. Bleibt noch das Telefon. In Texas bei Margie geht leider nur der AB an, und auch bei Sally in Australien habe ich kein Glück.
Hm. Mein Vorratsschrank müsste mal wieder aufgeräumt werden. Allerdings gebe ich das Vorhaben auf, nachdem die Mehlpackung und das Honigglas sich auf dem Fußboden zu einer wunderbaren Masse vereinen, die ich unter wüsten Flüchen aufwische.
Viertel vor drei. Erneuter Schlafversuch, leider ergebnislos. Dann die Erleuchtung.
Ich hole mir einen Block und einen Stift und lege los, in der Schweiz war ich nämlich noch nie…

Inge Beer

Es müssen Stunden vergangen sein, seit Ilanah versucht, Schlaf zu finden. Wie oft hat sie sich schon von einer Seite auf die andere gedreht? Das Betttuch ist feucht und ihre Haut klebt. Sie setzt sich auf, die nackten Füße berühren den kühlen Boden. Schritt für Schritt Abkühlung. Sie zieht das leichte Nachtgewand um sich und geht zum Fenster. Die Hand schiebt den Vorhang zur Seite, nur gerade weit genug, um hinauszusehen. Das helle Gewand verschmilzt mit der weißen Fläche hinter ihr. Ein nächtlicher Beobachter würde nur ihr dunkles Haar und das Oval des Gesichts in der Fensteröffnung erblicken. Doch die Straßen sind menschenleer. Ilanahs Blick gleitet über die Häuser der Stadt, die unter ihr ausgebreitet sind. Die weißen Häuser, die im blassen Licht grau erscheinen, werfen undurchdringliche Schatten. Wie ein Band aus angelaufenem Silber zieht sich der große Strom zwischen ihnen dahin, als wäre das Mondlicht in ihm ausgegossen. Die markante Silhouette der Stadtmauer hebt sich deutlich gegen die Dattelpalmen ab, die sich in weichem Schwung hinauf zu den Hügeln ziehen. Wie eine Krone aus Stein fasst der dunkle Wall um die Stadt und hält sie zusammen, schützt und behütet ihre Bewohner. Doch vor der Nacht kann auch die Mauer nicht schützen. In der Dunkelheit tanzen die Gedanken, fliehen über die Befestigung und nehmen Ilanah mit, hinweg durch die graugrünen Gärten, hinauf in die Hügel und weiter über die Berge, die in der Ferne schon von der Morgenröte künden.

Sabine Biesalski

Die Uhr stürzt von ihrem Stammplatz
direkt in meinen Kopf
Widerhall des Ticken
vor Gedanken vibriert mein Schopf
Mein Bett sticht tausend Nadeln
mein Körper schmerzt
nichts scheint richtig
alles verkehrt
Die Toilette ruft meinen Namen
poltert und rauscht
ich muss sie besuchen
alles muss raus
Mein Mund ein Wüste
meine Kehle so trocken
ich brauch eine Wasserquelle
schnell mach ich mich auf die Socken
Mein Herz tanzt wild im Takt der Trommeln
meine Gedanken rasen im Kreis
in meinem Kopf nur du
das ist alles was ich weiß
vom Schaf kann ich nur träumen
der Morgen graut
wütend schließe ich die Augen
bis sich eins öffnet und auf die Uhre schaut

Nicole Binga

Wir wohnen auf dem Land, meine Prinzessin und ich. Gestern ist sie 18 geworden. Heute hat sie den Führerschein gemacht, jetzt braust sie mit meinem Corsa in die Disco. Vorher zieht sie noch eine Schleife durch die Dörfer und sammelt ihre Freundinnen ein. Ich gönn ihr den Spaß, neidisch bin ich aber auch. Weil ich nicht als Glucke dastehen will, hab ich’s mir verkniffen zu fragen, wann sie heimkommt. Vor Mitternacht bestimmt nicht. Kann gut sein, dass es drei wird oder vier.
Mein Buch hab ich durch. Was, noch nicht mal elf? Fernsehen ist öde, erst recht wenn sich die Zeit wie Kaugummi zieht. Sendeschluss. Wo bleibt sie nur? Ich tigere durch die Wohnung, öffne ein Fenster: nichts. Samstagnacht sind die Halbstarken mit ihren getunten Kisten unterwegs, hoffentlich bleiben die auf ihrer Spur! Erste Vögel künden vom neuen Tag. Kälteschauer rieseln über meinen Rücken. Ob ich mir einen Cognac gönne? Nein, ich muss fit sein, wenn die Polizei die Nachricht bringt. Oder wenn jemand aus dem Krankenhaus anruft. Ich schau mal, ob die Akkus im Telefon geladen sind. Stopp, was liegt da mitten im Flur? Das war doch vorhin noch nicht da. Ein Tempoknäuel. Ich stürze ins Kinderzimmer. „Was machst du denn hier?“
„Bin g’rade heimgekommen. Zu Fuß.“
„Hm?“
„Wir waren auf dem Hinweg für ’n paar Red Bulls in der Tanke. Dann sind alle zum Auto um die Wette gerannt. ‚Die Erste darf vorn sitzen!?, du weißt schon.“
„Und?“
„Eine hat mich angerempelt. Da ist mir der Schlüssel in den Gully gefallen.“

Helga Blum

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